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Die Zehnerjahre - Rückblick 2010-2019 aus Oldtimer-/Youngtimersicht

Bruno von Rotz - 31.12.2019

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Baillon-Sammlung mit Ferrari und Maserati, versteigert durch Artcurial im Jahr 2015 (© Artcurial/Collage ZG)

Das Jahresende ist jeweils der Anlass zurückzublicken, der Ende eines Jahrzehnts ist dazu natürlich ein noch besserer Anlass. Was fällt uns ein, wenn wir an die Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts zurückdenken.

Ein grosses Thema war sicherlich die Wertentwicklung der klassischen Autos. Man könnte fast von einer Wertexplosion sprechen. Ein Miura oder ein früher Countach stiegen im Wert pro Jahr mit zehn und mehr Prozenten, ähnliches passierte mit dem Porsche Turbo und anderen plötzlich “hippen” Klassikern. So um 2015/2016 herum kehrte der Wind und langsam begannen die Preise wieder zu wurzeln. Allerdings, kaum ein Klassiker ist jetzt, 2019, weniger wert als er dies 2010 war. Eine Ausnahme bilden vielleicht Vorkriegsautos, wenn sie nicht gerade besonders selten oder sportlich sind, und Autos, deren Fans langsam aussterben.

Ein zweites wichtiges Stichwort, das wir mit den Zehnerjahren assoziieren, sind Scheunenfunde. Hier war der Höhepunkt 2014/2015, als Artcurial eine ganze Scheunenfundsammlung (Baillon) auf den Markt brachte und anlässlich der Rétromobile 2015 zu unglaublichen Preisen versteigert. Wracks, die kaum noch restaurierbar waren, wechselten zu Preisen die Hand, für die man anderswo komplett restaurierte Autos kaufen konnte. Mit der Versteigerung der Baillon-Sammlung war die Scheunenfund-Euphorie aber nicht vorbei. Wir erinnern uns an die beiden 300 SLs in den USA, den gelben Lamborghini aus Deutschland und viele andere.

Ein Trend, der in den Zehnerjahren einsetzte, war der Neubau von Klassikern. Jaguar, Aston Martin, Lister, Chevron und sogar Porsche (mit dem gelben 993 Turbo) begannen, ihre eigenen Klassiker von damals neu zu bauen.
Sozusagen als Gegentrend setzte die Suche nach absoluter und unveränderter Originalität ein. In Pebble Beach, aber auch auf anderen Conours wurden “Preservation”-Klassen eingeführt, in denen nur unrestaurierte Originale gefragt waren. Eine gepflegte Patina war nun dort angesagt, wo vorher ausschliesslich die “schöner als neu”-Devise regiert hatte.

Auch in den Zehnerjahren stammten viele Conours-Sieger noch aus den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg, während im Markt bereits eine Orientierung in Richtung immer neuerer Klassiker einsetzte. Seltene Youngtimer erzielten plötzlich Millionenbewertungen, einige der teuersten gehandelten Autos waren plötzlich kaum 20 Jahre alt. Der Neoklassiker wurde geboren.

Es fand eine Nachfrageverschiebung von “sehr alt” nach “jung” statt. Vorkriegsfahrzeuge wurden deutlich seltener gehandelt als in vergangenen Jahren, junge Autos dafür deutlich häufiger und zu überraschend hohen Preisen.

Auch in der Veranstaltungslandschaft gab es Veränderungen. Immer mehr Anlässe wurden organisiert, die Auswahl am selben Wochenende konnte schon fast erdrückend werden. Neue Messen entstanden fast am laufenden Band, einigen ging die Luft schon früher wieder aus.

Auch die Umwelt forderte ihren Tribut. Diesel-Gate wirkte sich bis in die Oldtimer-Szene aus. Umweltzonen und Fahrverbote begannen auch den Oldtimer und vor allem den Youngtimer zu tangieren. Die CO2-Debatten sind noch nicht ausdiskutiert und am Ende der Zehnerjahre schaut mancher Oldtimerbesitzer sorgenvoll in die Zukunft, fragt sich, wie lange er wohl noch fahren dürfe mit seinem alten Auto.

Dabei schaden die Oldtimer und Youngtimer dem Erdklima deutlich weniger als mancher Neuwagen, nur schon deshalb, weil die in die Produktion investierte Energie schon lange amortisiert ist. Alte Autos haben zudem bezüglich Wartbarkeit und Überlebensfähigkeit deutlich bessere Karten als ihre Nachfolger, die von Elektronik- und Materialproblemen heftiger betroffen sind als ihre Vorgänger. Einige dieser Probleme können offensichtlich mit 3D-Druckern und anderen modernen Produktionstechnologien gelöst werden, aber hier ist noch viel Forschung und Entwicklung nötig.

Immerhin profitiert der Besitzer alter Autos auch von modernen Kommunikationstechnologien, die sich in den letzten zehn Jahren ausbreiteten. Anleitungsvideos auf Youtube, schneller Informationsaustausch via Twitter, Facebook und Co oder flexible Recherchen, wie wir sie auch auf zwischengas.com ermöglichen, machten und machen manche Reparatur- oder Restaurierungsaufgabe einfacher.

In den letzten zehn Jahren mussten wir auch von bekannten und geliebten Marken Abschied nehmen, als Beispiele seien etwa Lancia, Saab oder Pontiac genannt. Gleichzeitig erlebte aber auch manche Marke eine (kleine) Renaissance wie etwa TVR, Hispano-Suiza oder Alfa Romeo. Tradition und eine attraktive Geschichte waren auch in den Zehnerjahren eine Stärke grosser Automarken.

Heute geht das Jahr 2019 zu Ende und damit die Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts. Man darf gespannt sein, was uns die Zwanzigerjahre bringen.

P.S. Wir haben lange darüber nachgedacht, mit welchem Foto man wohl die Zehnerjahre am besten charakterisieren könnte, und wir sind schliesslich an einem Foto aus der Baillon-Story hängengeblieben.

P.S.2. Haben wir etwas vergessen, was die Zehnerjahre prägte? Kommentieren Sie, Ihre Erinnerungen sind so wichtig wie unsere!

Neueste Kommentare

 
 
os******:
31.12.2019 (14:52)
Zum Thema Lancia und Alfa Romeo könnte man die Geschichte aber auch anders schreiben. Wie ich die Tage gelesen habe, verkauft sich der Lancia Ypsilon in Italien immer noch besser als die gesamte Alfa Flotte. Was sagt uns das über den Erfolg von Alfa Romeo und den Tod von Lancia? Die Renaissance von Alfa, mit der technisch überzeugenden aber optisch grausigen Giulia, vom Stelvio wollen wir mal gar nicht reden, ist gescheitert. Alle Pläne für klassische neue Alfa Modelle wurden gestoppt. Als Freund beider Marken kann man sich nur fragen, welche den grausameren Tod stirbt. Die SUVs immerhin, blieben Lancia erspart.
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