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Vauxhall 25 HP 'Prince Henry' Sports Torpedo - der erste Sportwagen der Welt?

Erstellt am 22. November 2016
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bonhams 
12
Courtesy Bonhams 
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Vauxhall / General Motors 
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Archiv 
2

Für die Briten ist der Fall klar, die Vauxhall 20HP Modelle, die ab 1910 gebaut wurden, sind die ersten Sportwagen überhaupt. Ob sie dabei das Schaffen der Autobauer in Kontinentaleuropa genau genug geprüft haben, sei dahin gestellt. Jedenfalls war dieser Vauxhall C-Typ ein sehr erfolgreiches Auto, gegen das die Konkurrenz ein hartes Los gezogen hatte.

Vauxhall C-Type Prince Henry (1911) - mit dem prägnanten v-förmigen Kühler
Copyright / Fotograf: Vauxhall / General Motors

Einer der ältesten noch existierenden Autobauer der Welt

Mit einer fast 700-jährigen Entstehungsgeschichte hinter dem Markenzeichen mit dem Geifvogel wurde 1903 der Autobauer Vauxhall Motors gegründet, nachdem bereits eine Vorgängerfirma seit 1857 Verbrennungsmotoren gebaut hatte.

1903 erschien das erste Automobil der in Luton angesiedelten Firma, der 5 HP. Von da an wurden die Fahrzeuge grösser und stärker. Laurence Pomeroy war das technische Gewissen hinter den Konstruktionen ab 1905.

Vauxhall 6HP Single-Cylinder (1904) - anlässlich der Feier "50 Jahre Vauxhall" im Jahr 1953
Archiv Automobil Revue

Bereits das 12/16 HP Modell bewährte sich bestens bei Zuverlässigkeitsfahrten und die Vauxhall-Macher erkannten schnell den Wert des Rennsports für die Bekanntheit der Marke.

1908 siegte Vauxhall mit dem 20HP (A09) in der RAC 2000 Meilen-Fahrt. Eine weiterentwickelte Version des Wagen schaffte in Brooklands als erstes Auto über 100 Meilen pro Stunde im Jahr 1908.

Die Prinz-Heinrich-Version

Im Jahr 1910 trat Vauxhall mit einem Werksteam von drei Wagen bei der Prinz-Heinrich-Fahrt an. Es handelte sich dabei um überarbeitete A-Typen mit dem 20 HP Motor (vier Zylinder, 3054 cm3, 60 PS bei  2800 Umdrehungen) und einer offenen Karosserie. 

Die Prinz Heinrich-Fahrt des Jahres 1910 war eine Mehrtagesfahrt, die vom 1. bis 9. Juni dauerte. Das Ziel war es, die Zuverlässigkeit und Schnelligkeit moderner Automobile unter Beweis zu stellen.

Am ersten Tag war die Fahrzeugabnahme, am zweiten Tag ging es von Berlin nach Braunschweig, dazu kam eine Schnelligkeitsprüfung bei Genthin. Am dritten Tag musste die Strecke Braunschweig-Cassel bewältigt werden, am vierten Tag die Fahrt von Cassel nach Nürnberg. Am fünften Tag ruhten die Motoren, am sechsten wurde nach Strassburg gerollt. Tag 7 führte die Teilnehmer von Strassburg nach Metz, dazu kam die zweite Schnelligkeitsprüfung zwischen Heiligkreuz und Meienheim. Am folgenden Tag wurde von Metz nach Homburg v.d. Höhe gefahren, wo dann am letzten Tag auch das Festmahl stattfand. Insgesamt waren es also fast 2000 Kilometer zu bewältigen, notabene mit Autos, die kaum über Bremsen verfügten, und über Strassen, die in vielen Fällen eher heutigen Feldwegen glichen. 

Oberleutnant a. D. Walter Oertel notierte in seiner Berichterstattung über die Prinz-Heinrich-Fahrten im Jahr 1910:

“Unter den folgenden Wagen erregten vor allem die englischen Vauxhall-Wagen durch ihre Schnelligkeit und die eigentümliche ‘Skirrung' ihrer Räder allgemeines Aufsehen. Wenn, wie beabsichtigt, im nächsten Jahre die Prinz Heinrich-Fahrt nach England führt, wird man ja diese und andere interessante englische Wagen näher kennen lernen können.”

Auf den vordersten Plätzen landete das Werksteam allerdings nicht, Platz eins ging an Ferdinand Porsche auf einem Austro-Daimler, Hancock fuhr im Vauxhall auf Platz 46, Kidner auf Platz 57 ein. Damit schnitten sie daber immer noch deutlich besser ab als andere, denn von den 119 in Berlin gestarteten Wagen erhielten einschliesslich der elf Preisträger nur 67 Bewerber Plaketten, während 19 Wagen wegen ernsten Defekten leer ausgingen. Ausgeschieden waren 32 Wagen, disqualifiziert wurde einer.

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Die Serienvariante

Auf Basis der Prinz-Heinrich-Version wurden für das Jahr 1911 und 1912 Werks-Replicas der Wettbewerbsfahrzeuge erstellt und als C10 “Prince Henry” für £ 580 verkauft. Wie die “Rennwagen” hatte auch das Serienfahrzeug den v-förmigen Kühler und die relativ flache Karosserie.

Vauxhall C-Type Prince Henry (1911) - offen und mit tiefer Gürtellinie
Copyright / Fotograf: Vauxhall / General Motors

Nach zwei Jahren Bauzeit wurde auf der Olympia Ausstellung 1912 die stärkere 25 HP Motor mit 3969 cm3 und 86 PS bei 3300 Umdrehungen. So wurde er bis 1915 gebaut.

Vauxhall 25 HP "Prince Henry" (1914) - Reihenvierzylinder traditioneller Bauweise
Copyright / Fotograf: Bonhams

Diese Autos erwiesen sich nicht zuletzt dank des vergleichsweise leichtgewichtigen Chassis und des starken und trotzdem robusten Motors wegen als sehr konkurrenzfähig im Rennsport jener Zeit. Ob Bergrennen, Langstreckenfahrt oder Rundstreckenrennen, mit einem Vauxhall “Prince Henry” gehörte man zu den Favoriten.

Am Lenkrad eines “Prince Henry”

Kent Kaslake beschrieb 1956, wie es sich anfühlte, einen Prince Henry zu fahren:

“Auf den ersten Blick erstaunt das doch recht einfallslose Design des Vierzylindermotors mit seitlichen Ventilen und dem Vergaser auf der anderen Seite. Aber diese Einfachheit machte den Motor leichter als kompliziertere Aggregate. Auch das Chassis mit weit aussenliegenden Rädern und konventionellen Aufhängungen war einfach gehalten, die Bremstrommeln an der Hinterachse erscheinen bemerkenswert klein.

Vauxhall 25 HP "Prince Henry" (1914) - unterwegs in Frankfreich
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Als Fahrer bemerkt man sofort das hohe Gewicht des Schwungrads. Die angenehm feingängige Hele-Shaw-Mehrplattenkupplung zischt als sie die Kraft freigibt, das grosse Schwungrad lässt den Wagen schnell an Geschwindigkeit zulegen, der Motor aber verlangt nach Drehzahlen. Das Getriebe lässt sich wunderschön schalten, mit jedem Gang scheint der ganze Wagen zu neuem Leben zu erwachen, während aus dem Auspuff ein grossartiges Stampfen entweicht.

Der Motor ist sicherlich nicht leise, es ist ein Gemisch aus Auspuff- und Ventil-Geräuschen, das teilweise durch das Heulen der Zahnräder übertönt wird. Diese nicht unaufdringliche Geräuschkulisse ist aber kein Hinderungsgrund, Stunde um Stunde weiterzufahren. Der Fahrer thront auf einem hohen Sitz und es ist einfach, die Geschwindigkeit zu unterschätzen. Es macht einen grossen Unterschied, ob man schnell eine Gerade entlang fährt, oder ob man mit hoher Durchschnittsgeschwindigkeit eine lange Strecke zurücklegen möchte. Dieser Wagen aber hat ein überraschend gutes Fahrverhalten, obwohl er hoch und schmal gebaut ist. Kreisel können befahren werden, als wären sie gar nicht existent. Die Konstrukteure haben offenbar ein sauber ausbalanciertes Fahrgestell gebaut.

In der Welt von 1914 mögen die Bremsen durchaus zeitgemäss erschienen sein. Mit dem Fuss bedient man die Bremse, die direkt auf die Kraftübertragung einwirkt, während die Handbremse auf die Hinterräder wirkt, die Trommeln sind aber sicherlich zu klein für kraftvolles Bremsen. Bremsen auf der Vorderachse würden sicherlich einen grossen Unterschied machen, aber im Jahr 1914 waren sie die Ausnahme und nicht die Regel.

Der Prince Henry Vauxhall war seiner Zeit nicht voraus, aber trotz seines schweren Schwungrads ist es ein typischer Vorkriegsauto. Eigentlich kann man ihn als Übergangsautomobil zwischen den Veteranen der Zehnerjahre und den Klassikern der Zwanzigerjahre sehen.” (frei übersetzt).

Vauxhall 25 HP "Prince Henry" (1914) - Blick ins Interieur
Copyright / Fotograf: Bonhams
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Ein ganz besonderes Exemplar

T.W. Badgery war ein Gründungsmitglied des Worcester St. Johns Fahrradclubs, aber auch ein leidenschaftlicher Autofahrer. Sein Geld verdiente er in der Lederindustrie, aber er investierte auch in die Firma Dunlop. Als er 1914 ein neues Auto kaufen wollte, verglich er die besten Autos von Talbot, Sunbeam und Vauxhall, entschied sich dann aber für den “Prince Henry” Vauxhall. Er kaufte sich das Fahrgestell und beauftragte den Karosseriebauer Hoskison Ltd in Aston Cross, einen eleganten Aluminium-Torpedo-Aufbau zu formen. Er bestellte eine umklappbare Frontscheide und eine Spritzdecke, auf ein Dach verzichtete er.

Vauxhall 25 HP "Prince Henry" (1914) - unterwegs mit Chauffeur
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Fertiggestellt diente Chassis C97 Herrn und Frau Badgery als fahrbaren Untersatz für viele Reisen. Bis 1931 kamen so ungefähr 140’000 Meilen zusammen. Er haben den Wagen mit “Castor Oil” geschmiert und es seien nur wenige Reparaturen nötig gewesen, erklärte Badgery einem Autojournalisten viele Jahre später.

Vauxhall 25 HP "Prince Henry" (1914) - mit Aufbau der Firma Hoskison Ltd in Aston Cross
Copyright / Fotograf: Bonhams

1945 konnte Laurence Pomeroy Junior, also der Sohn des Konstrukteurs, den Wagen kaufen, nachdem er ein über ein Jahrzehnt mit dem ersten Besitzer über den Kauf “verhandelt” hatte. Schon lange hatte er nach einem Wagen gesucht, den sein Vater konzipiert hatte. Schliesslich war er bereits als Kind in einem “Prince Henry” herumgefahren, einem massstabsgerecht verkleinerten Tretauto. 21 Jahre blieb der Wagen bei Pomeroy, nach dessen Tod konnte ihn Nick Ridley übernehmen, der bis 1970 an vielen Veranstaltungen damit teilnahm.

Vauxhall 25 HP "Prince Henry" (1914) - unterwegs in Kopenhagen
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Der nächste Besitzer hiess Red Long, der dem Fahrgestell C97 bis zu seinem Tod 46 Jahre lang die Treue hielt. Er unternahm  lange Reisen mit dem Wagen, ganz im Sinne des Erstbesitzers Badgery.

Vauxhall 25 HP "Prince Henry" (1914) - über ein Dach verfügte der "Sportwagen" nicht
Copyright / Fotograf: Bonhams

Nun wird der Wagen, inzwischen 102 Jahre alt, am 4. Dezember 2016 an der Bond Street Versteigerung von Bonhams unter den Hammer kommen, als Schätzpreis für den sehr originalen Wagen werden £ 500’000 bis 600’000 (€ 580’000bis 700’000, CHF 620’000 bis 750’000) genannt, sicherlich nicht übertrieben für einen der vermutlich am besten dokumentierten und erhaltenen Prince Henry Vauxhalls.

Vauxhall 25 HP "Prince Henry" (1914) - schmal und hochbeinig
Copyright / Fotograf: Bonhams

Ob es sich beim “Prince Henry” wirklich um den ersten Sportwagen gehandelt hat, muss man aus kontinentaleuropäischer Perspekte sicherlich zumindest in Frage stellen. Laurin & Klement nannte seine schnelleren Wagen bereits 1908 “Sportwagen”, der Austro-Daimler 27/80 PS Prinz-Heinrich-Wagen von 1910 jedenfalls war noch etwas kräftiger und kaum weniger siegreich als der Vauxhall.

Epilog

Vauxhall gibt es als Marke bis heute, bereits 1925 aber wurde die britische Manufaktur von General Motors übernommen und seit etlichen Jahrzehnten gleichen die Modelle von der Insel augenscheinlich den deutschen Opel-Produkten.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Volker aus Ratingen
17.11.2018 (23:53)
Antworten
Sorry aber die Ehre des ersten Sportwagens dürfte an Benz & Cie gehen, einem Vorläufer der Mercedes Benz, die ab 1908 den Benz Prinz-Heinrich-Wagen bauten.
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