Warum auch Tradition, wenn heute doch alles besser ist!

Daniel Reinhard
18.06.2019

Ford GT40 von 1969 in Le Mans im Jahr 2019 (© Daniel Reinhard)

Es ist kaum zu glauben, aber doch Tatsache. Während den Startvorbereitungen zu den 24h von Le Mans zwängte sich plötzlich der blaue Gulf-Ford GT40 durch die Menschenmenge. Ohne auch nur in irgend einer Form beachtet zu werden, rollte der Siegerwagen von 1969 ohne Vorankündigung über die Start-Ziel Gerade.

Ford GT40 von 1969 in Le Mans im Jahr 2019 (© Daniel Reinhard)

Aber es kam noch besser, denn im Auto sassen auch die damaligen Gewinner, der 6-fache Le Mans Sieger Jacky Ickx (74), chauffiert von seinem damaligen Teamkollegen Jackie Oliver (77).

Sie winkten ein wenig und so sagte der Streckensprecher so ganz nebenbei, dass die beiden Herren auch da sind und schon ging es mit der aktuellen Rennszene und den dämlichen Fragen wie, "Wollen sie heute gewinnen", oder "was ist ihre Taktik für das Rennen", weiter …

Ford GT40 von 1969 in Le Mans im Jahr 2019 (© Daniel Reinhard)

Das Siegerpaar von vor genau 50 Jahren fuhr fort im Ford und ward nicht mehr gesehen.

Wieso man die Starvorbereitung dieses Traditionsanlasses nicht auch etwas für die Historie nutzt, ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Dafür gab es dann den wohl erwarteten Start-Ziel Toyota-Doppelsieg, wenn auch am Ende nicht der Schnellere vorne lag, denn man wechselte noch kurz vor Rennende die Reihenfolge. Infolge eines mysteriösen Sensorenspuks???, der einen falschen Plattfuss meldete und damit einen zweiten Boxenstopp nach sich zog. Weil man ja nicht sofort alle vier Reifen hätte wechseln können, verlor die Nummer 7 ihre Führung und musste sich mit dem 2. Platz zufrieden geben.

Kamui Kobayashi im Toyota in Le Mans 2019 (© Daniel Reinhard)

Traurig, traurig für meinen schon bei Sauber in Ungnade gefallenen japanischen Freund Kamui Kobayashi, dem dieser Erfolg nun wirklich gegönnt gewesen wäre.

Archivierte Einträge:

von Stefan Fritschi
18.06.2019 (10:14)
Antworten
Ich war dieses Jahr das erste Mal in Le Mans und musste exakt das Gleiche denken. Warum zelebriert man die Historie nicht stärker (immerhin hat Toyota die Langstrecken-Trophäe mit dem Celica Cabrio überbracht...)?

Eine Antwort habe ich vom Corvette Racing-Team bekommen, auf dessen Einladung ich in Le Mans war: Die Preise für die Streckennutzung für Werbezwecke sind horrend. Darum hat man darauf verzichtet, alte Corvette zum 20. Le Mans-Auftritt auffahren zu lassen.

Stefan Fritschi, auto-illustrierte
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