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Mit der Brütsch Mopetta am Start der 24 Stunden von Le Mans 1957

Hayo Herrmann
01.04.2021

Mopetta an den Boxen von Le Mans

Die Brütsch Mopetta von 1956/57 gilt heute als das kleinste in Serie gebaute Auto der deutschen Nachkriegsgeschichte. Naja…in Serie? Tatsächlich wurden nur 14 Fahrzeuge hergestellt, die sich auch noch in Details unterschieden. Eine geplante Serienfertigung landete 1958 im Mülleimer der Geschichte. Dennoch: Die Mopetta hat in Deutschland einen ähnlichen Status wie der britische Peel P50, mit dem sie im Wettbewerb um das kleinste Auto der Welt steht.

1951 schuf Brütsch mit dem „Eremit“ sein erstes Kleinstmobil, dann folgte eine ganze Kaskade von Mikroautos, ab 1954 mit Kunststoff-Karosserien (GFK-Halbschalen), inspiriert von der ersten Corvette von 1953. Das bekannteste Modell neben der Mopetta war der „Spatz“, auf dessen Basis später der Victoria Spatz entstand, der immerhin eine kleine Serie von 1500 Fahrzeugen erreichte.

Ein ausführlicher Bericht über Egon Brütsch und seine Kleinwagen-Konstruktionen erschien kürzlich hier.

Mopetta oder Peel – welches ist das kleinere Auto?

Der Peel gilt heute eigentlich als das kleinste in Serie gebaute Automobil. Aber war der Peel wirklich das kleinste Auto – oder doch die Mopetta? Ein Vergleich der Abmessungen liefert jedenfalls kein eindeutiges Resultat. Ein anderes Kriterium könnte die Entscheidung bringen: Vom Peel wurden immerhin ca. 120 Exemplare produziert, eine echte kleine Serie also, während man bei der Mopetta mit ihren 14 Fahrzeugen kaum von einer Serienproduktion sprechen kann.

Brütsch Mopetta in Le Mans 1957

Eins hatte die Mopetta dem Peel allerdings voraus: Einen Start bei den 24 Stunden von Le Mans.

Über den Grund, warum in der umfangreihen Le Mans-Literatur kein Hinweis auf die Teilnahme der Mopetta beim Rennen 1957 zu finden ist, kann man nur Mutmaßungen anstellen.

Mit etwas Glück wurde ich bei einem meiner letzten Besuche des Rennens in der Altstadt von Le Mans dann doch fündig: In einem Antiquariat für Bücher und Journale fanden sich zwei Artikel in alten französischen Zeitschriften über das Rennen von 1957, garniert mit einigen SW-Fotos, die die Mopetta beim Training und beim Rennen zeigen. Die hier gezeigten Bilder sind modellhafte Rekonstruktionen dieser SW-Fotos, die aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht publiziert werden können. Auf Basis der alten Texte konnte folgendes rekonstruiert werden:

Der Veranstalter der 24 Stunden (Automobile Club de l´Ouest, ACO) schuf 1957 eine neue Hubraumklasse bis 50 ccm (Kleinst-Sportwagen, „Voitures de Sport le Plus Petit“), um dem damals aktuellen Trend der „Microcars“ gerecht zu werden. Eine einsame Mopetta war allerdings die einzige Meldung für diese neue Kategorie, daher erhielt das Fahrzeug auch keine Startnummer. Die Namen der beiden Piloten konnten nicht ermittelt werden, aber es ist zu vermuten, dass Egon Brütsch, der ja Ende der 1940er Jahre selbst Rennen fuhr, am Steuer saß.

Das Brütsch-Einsatzteam nahm einige Veränderungen an der Mopetta vor: Die Motorleistung wurde auf 3 PS angehoben, außerdem wurde ein größerer Tank (25 Liter) eingebaut, so dass man damit ca. 800 km Renndistanz schaffen konnte – das Benzin/Ölgemisch reichte also bei einer erwarteten Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 50 km/h für 16 Stunden. Man hoffte, am Ende eine Gesamtdistanz von über 1000 km zu erreichen.

Der größere Tank unter dem Fahrersitz erforderte übrigens die auf den Fotos sichtbare recht hohe Sitzposition. Das war aber ohnehin nötig, denn die Plexiglas-Frontscheibe ohne Scheibenwischer verhinderte eine gute Sicht nach vorn, zumal bei Regen, so dass die Piloten lieber über den Scheibenrand hinweg sahen – das war damals auch bei den großen offenen Sportwagen in Le Mans üblich.

Leider verlief der Auftritt der Mopetta nicht so erfolgreich wie geplant. Obwohl man der Forderung der Rennleitung folgte und immer am äußersten Rand der Rennstrecke fuhr, beschwerten sich viele Piloten der großen Boliden über einige kritische Situationen aufgrund der Geschwindigkeitsunterschiede. Diese Probleme hatten sich aber nach etwa drei Stunden erledigt, da die Mopetta leider beim ersten Fahrerwechsel nicht mehr ansprang und in der Folge vom Rennen zurückgezogen wurde – schade!

Der ACO entschloss sich nach diesen Erfahrungen und angesichts der geringen Resonanz der neuen Klasse, nach 1957 auf eine Kleinst-Sportwagenklasse zu verzichten und alle Fakten des Mopetta-Gastspiels aus den offiziellen Statistiken zu löschen.

Dieser Beitrag ist in ähnlicher Form auch auf der Website “Minerva-Endurance” erschienen.

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von sa******
13.04.2021 (10:26)
Antworten
Witzig! Gratulation für die wunderschön gestalteten Modellszenen!
von vp******
01.04.2021 (11:34)
Antworten
Fantastich! Eine erfrischende Geschichte an diesem Tag Anfang April!
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