Unentdeckte Raritäten - das Bertone-BMW Coupé 3200 CS der Sechzigerjahre

Bruno von Rotz
01.03.2014

BMW 3200 CS von 1964 (© Brian Henniker - Courtesy Gooding & Co)

Natürlich ist der BMW 3200 CS kein Unbekannter. Aber er zählt auch nicht zu den Standard-Klassikern an Oldtimer-Veranstaltungen oder Versteigerungen. Und die meisten Leute wissen relativ wenig über ihn, trüge er keine Niere auf dem Kühlergrill, sie würden ihn womöglich für einen italienischen Gran Turismo halten.

So falsch wäre dies auch gar nicht, denn tatsächlich entstanden die Stahlkarosserien in Italien bei Bertone und das Design war eines der frühen Werke Giorgetto Giugiaros . Der BMW 3200 CS trat die Nachfolge der nicht mehr gebauten Sportwagen 503 und 507 an und wurde 1961 auf der IAA in Frankfurt erstmals gezeigt.

BMW 3200 CS an der IAA 1961

Der Wagen war sehr teuer für die Zeit. Als man ihn 1962 endlich kaufen konnte, kostete er 29’850 DM, mit Vollausstattung (Leder, Autoradio, Schiebedach und dergleichen) konnten daraus schnell 34’000 DM werden.

Interieur des BMW 3200 CS von 1964 (© Brian Henniker - Courtesy Gooding & Co)

Immerhin erhielt man dafür serienmässig elektrische Fensterheber und vordere Scheibenbremsen sowie einen sämigen V8 mit 160 PS. Allzu viele Kunden konnte man in der Bauzeit bis 1965 nicht überreden, sechsmal soviel wie für einen VW Käfer oder doppelt soviel wie für einen Mercedes Benz 250 S zu bezahlen und so wurden nur 603 Exemplare gefertigt.

Über die Menge der heute noch existierenden Bertone-BMW-Coupés wird viel spekuliert, ein Sechstel der Produktion dürfte überlebt haben, vielleicht auch einige mehr. In Deutschland waren am 1.1.2011 gemäss BMW-V8-Club 63 3200 CS zugelassen, in der Schweiz gerade einmal einer.

BMW 3200 CS von 1961

Der BMW 3200 CS ist also selten, er sieht gut aus, verfügt über reinrassige Technik und ist darüber hinaus auch heute noch problemlos fahrbar, damit würde also alles für schnell steigende hohe Preise sprechen.

Im Vergleich zu einem weniger seltenen Mercedes Benz 300 SL Cabriolet der frühen Sechzigerjahre aber ist der BMW geradezu wohlfeil und während der BMW 507 inzwischen in siebenstellige Sphären abgedriftet ist, bleibt sein Achtzylinder-Nachfolger fünfstellig für den Moment. Zumindest scheinen dies die Marktbeobachter von Classic Data und auch Gooding & Company so zu sehen, denn an deren Versteigerung in Amelia Island wird das hier gezeigte weisse Coupé zum moderaten Schätzpreis von USD 65’000 bis 85’000 (Euro 47’450 bis 62’050, CHF 57’850 bis 75’650) am 7. März 2014 angeboten.

Sobald sich uns eine Gelegenheit bietet, werden wir dem eleganten Coupé gerne einen umfangreichen Bericht widmen.

Archivierte Einträge:

von ma******
25.02.2018 (16:13)
Antworten
Na ja....habe in den fruhen 80er zwei stueck von gehabt....ich fand die grausam....danach bin ich auf italiener umgestiegen
von bm******
18.03.2014 (19:02)
Antworten
Viele Bertone BMW wurden häufig für 507 oder 503 Restaurationen ausgeweidet; das wirkt halt noch immer nach. Der Bertone ist der letzte, am meisten weiterentwickelte BMW V8, alle KInderkrankheiten und Probleme wie Überhitzung sind bei ihm auskuriert. Natürlich ist er mit seinen 1500kg und ohne Servolenkung kein wirklicher Sportwagen, dafür aber ein ehrlicher Viersitzer - mehr Platz wie in einem 850i - mit noch dazu großem Kofferraum. Und mit dem separaten Chassis (Rahmenbauweise) kann man an ihm besser arbeiten als an einem E9 Coupé. Und dann hat er - wenn es nicht gerade blaues Leder ist - wohl mit das schönste Interieur aller Deutschen Wagen... Aber für viele Liebhaber hat er wohl zuwenig Chrom - wie schon vor 50 Jahren.
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