Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen eine angenehmere Nutzung zu ermöglichen: Mehr Informationen.
 
Einloggen und mehr sehen: Login
 
 
Jetzt einloggen oder kostenlos registrieren...
... und viel mehr Fotos und Artikel sehen.
Archivierte Einträge:
 
Octane Inserate buchen: Inserate in Octane Magazin publizieren ...

Bertrand Piccard: «Das ist der Pic-Pic des Onkels meines Grossvater!»

Laurent Missbauer - 18.03.2014

Persönliches Archiv
Sie können nur dann Inhalte dem persönlichen Archiv hinzufügen, wenn Sie angemeldet sind.

Sie haben Benutzername und Passwort?
Dann melden Sie sich an (Login).

Noch kein Benutzername?
Die Registrierung ist kostenlos und dauert höchstens eine Minute.

Pic-Pic MIV 1914 (© Laurent Missbauer)

Das älteste Auto am diesjährigen Automobilsalon war der berühmte Pic-Pic MIV von 1914. Dieser in Genf gebaute Wagen der Firma Pic-Pic (Kurzform von Piccard-Pictet) feierte seinen 100. Geburtstag in Anwesenheit von Nachfahren der Familien von Paul Piccard (1844-1929) und Lucien Pictet (1864-1928), die die Marke Pic-Pic 1906 gründeten: Gisèle Pictet und Charles Pictet, sowie Bertrand Piccard (1958), der nächstes Jahr mit seinem Solarflugzeug um die Welt reisen will.

Bertrand Piccard, Gisèle Pictet et Charles Pictet (© Laurent Missbauer)

Der am 1. März 1958 geborene Bertrand Piccard stammt aus einer Familie von Abenteurern und Forschern.

Familie Piccard - von links, Bertrand, Jacques und Auguste Piccard (© Solar Impulse)

Sein Grossvater Auguste Piccard stieg am 18. August 1932 in einem Ballon bis auf 16 940 Meter Höhe in die Stratosphäre und damit so hoch wie nie ein Mensch zuvor. Seinen Vater Jacques Piccard zog es genau in die Gegenrichtung: Am 23. Januar 1960 tauchte er mit dem Bathyscaph «Trieste» in eine Tiefe von 10 916 Metern im Marianengraben - ein Rekord, der seither nie mehr erreicht wurde.

Jacques Piccard (© Foto Copyright Solar Impulse)

Bertrand dagegen eiferte seinem Grossvater nach, schon in jungen Jahren war er bekannter Deltaflieger und Pilot von Ultraleichtflugzeugen. Als leidenschaftlicher Formel-1 Fan liess sich Bertrand Piccard 2000 sogar im Formel-1-Doppelsitzer von McLaren-Mercedes chauffieren.

Solar Flugzeug Greyerzersee (© Copyright Solar Impulse)

Paul Piccard, der zusammen mit Lucien Pictet die Marke Pic-Pic gründete, war der Onkel von Bertrands Grossvater Auguste Piccard (1884-1962), der nicht nur für seine Ballon-Rekorde bekannt ist, sondern auch weil er die Inspiration für die Figur Professor Bienlein im Comic Tim und Struppi war. Im sechsten Tim und Struppi Band «Der Arumbaya-Fetisch» sieht man übrigens einen Oldtimer, der eine augenscheinliche Ähnlichkeiten mit dem Pic-Pic MIV von 1914 aufweist.

Tim und Struppi - Der Arumbaya Fetisch mit einem Oldtimer, der einige Aehnlichkeiten mit einem Pic-Pic zeigt (© Hergé)

«Mit Paul Piccard, dem Onkel meines Grossvaters Auguste, hat unsere Familie nicht drei Generationen von Pionieren, sondern vier», erzählte Bertrand Piccard sehr stolz vor dem Pic-Pic MIV von 1914. «Und was mich fasziniert, ist, dass es schon damals Skeptiker gab, die nicht an die Zukunft des Autos und der neuen Technik glaubten. Und auch heute glauben ähnliche Skeptiker nicht an die Zukunft neuer umweltgerechten Technologien. Dieser wunderschöne Pic-Pic von 1914 ersetzte damals die Pferde und die Hybrid-, Elektro- und Wasserstoffautos werden in der Zukunft unsere aktuellen Autos auch ersetzen. Ich bin davon überzeugt.»

Interessant zu erwähnen ist, dass die Turbinen und Maschinen produzierende Firma «Piccard, Pictet & Cie» bereits 1904 Motoren und mechanische Teile für die erfolgreichen Dufaux-Rennwagen herstellte. Einer dieser Dufaux wird am 22. Und 23. März beim Oldtimer- & Teilemarkt in Fribourg ausgestellt sein.

Nicht weniger interessant ist, dass dieser am Autosalon ausgestellte Pic-Pic MIV im Jahr 1999 berühmt wurde. Er empfing am 22. März 1999 Bertrand Piccard nach seiner ersten Nonstop-Weltumrundung im Heissluftballon von Breitling am Genfer Flughafen. Diese Nonstop-Weltumrundung im Ballon zusammen mit Brian Jones galt als «letztes Abenteuer des 20. Jahrhunderts».

Weltumrundung mit dem Ballon (© Solar Impulse)

Alexis Couturier, der den Pic-Pic am 22. März 1999 fuhr, erinnert sich noch sehr gut daran: «Die Leute von Breitling sagten mir, dass es aus Sicherheitsgründen verboten sei, auf den Flughafen zu fahren. Ich wollte schon nach Hause fahren, als ich per Zufall Bertrands Vater Jacques Piccard am Flughafen traf. Ich fragte ihm: Gehen Sie nicht zur Pressekonferenz von Ihrer Sohn? «Die Leute von Breitling haben vergessen, mich dorthin zu fahren und ich muss leider hier warten», antwortete Jacques Piccard. Ich beschloss sofort, ihn zur Pressekonfenrenz zu bringen. Als ich erklärte, dass ich Professor Jacques Piccard zu seinem Sohn fahren musste, wurden alle Sicherheitskontrollen sofort aufgehoben!» Der Pic-Pic MIV von 1914 konnte so rechtzeitig Bertrand Piccard in Empfang nehmen, als er aus seinem Flugzeug aus Kairo ausstieg.

Nach einer Reise über 46’759 Kilometern landeten am 21. März 1999 Bertrand Piccard und Brian Jones in der ägyptischen Wüste (19 Tage, 21 Stunden und 55 Minuten nach dem Start im Waadtländischen Château-d’Oex). Damit hatten sie nicht nur ihr Ziel erreicht, sondern den längsten Flug der Luftfahrtgeschichte sowohl in Dauer als auch in Entfernung verwirklicht und insgesamt sieben Weltrekorde aufgestellt.

Nach einer Champagnerdusche bei seiner Rückkehr nach Genf stiegen Bertrand Piccard und Brian Jones in jenen Pic-Pic ein, den man über die ganze Dauer des Autosalons im Untergeschoss der Palexpo-Hallen bewundern konnte. Verschiedene Posters, Informationen und Videos erklärten direkt neben dem Auto die Geschichte der Firma Pic-Pic.

Pic-Pic am Grand-Prix de France 1914 (© Archives Pictet)

1909, drei Jahre nach der Gründung der Firma wurden schon 220 Chassis hergestellt. Diese wurden mehrheitlich von Gangloff in Genf und Geissberger in Zürich karossiert. Es entstanden dann kleinere und grössere Vierzylinder-Tourenwagen und, ab 1912, brillierte Pic-Pic mit eigens konstruirten und spektakulären Rennboliden bei zahlreichen Wettfahrten. Hinter Martini war Pic-Pic die zweitgrösste Schweizer Automarke.

Pic-Pic Werbung (© Archives Pictet)

Pic-Pic-Automobile wurden dank ihrer anerkannten Qualität weltweit exportiert. Das Rote Kreuz nutzte Pic-Pic-Fahrzeuge als Krankenwagen und die Schweizer Armee setzte das Modell Pic-Pic 22 als Stabsfahrzeug ein. Während des Weltkriegs wurden für die Alliierten Granatzünder hergestellt. Statt des für 1920 geplanten Jahresausstosses von 1000 Wagen kam es zum Konkurs.

Nur sieben Pic-Pic, die dank ihrer hevorragenden technischen Qualität als «Rolls-Royce der Schweiz» galten, haben bis heute überlebt. Nach dem Genfer Autosalon wird der Pic-Pic MIV von 1914 wieder in der Eingangshalle der Genfer Bank Pictet & Cie ausgestellt sein.

Zu den historischen Autos am diesjährigen Genfer Autosalon wurde auf Zwischengas ein umfangreicher Bericht mit vielen Fotos veröffentlicht.

Anzeige für Pic-Pic (© Archives Pictet)

 

Weitere Blog-Einträge:

Oldtimer Galerie Toffen Versteigerung Swiss Classic World Luzern 2019: Oldtimer Galerie Toffen Versteigerung Swiss Classic World Luzern 2019