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Der Mensch wurde nicht für's Autofahren geboren

Bruno von Rotz - 06.03.2020

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Mercedes-Benz 190 von 1960 (© Daniel Reinhard)

“Kleine Gesundheitslehre für Motorisierte” war der Untertitel zu einem Beitrag in der Automobil Revue vor 60 Jahren. Diskutiert wurde darin, wie man die Problematik, dass der Mensch nicht zum Autofahren geboren sei, überwinden könne. Wir geben den Beitrag gleich im Originalwortlaut wieder:

“Es geht heute nicht mehr um die Frage, ob es «an sich» gesünder wäre, wenn wir Auto, Flugzeug und Raketen gar nicht erfunden hätten. Die praktische Entwicklung ist darüber hinweggerollt, und wir müssen uns damit abfinden, dass man sich eben heutzutage schneller vorwärtsbewegt als ehedem! Dass unser Körper zunächst nicht darauf eingestellt, ja letzten Endes überhaupt nicht für eine allzu grosse Dauergeschwindigkeit «gebaut» ist, bemerken wir an allerlei unangenehmen Beschwerden und Gesundheitsstörungen: Dass er sich – wie schon an so vieles zuvor – daran «gewöhnen» muss, steht ausser Zweifel. Aber wir können ihm dieses Anpassen leichter machen und uns dadurch manche Unannehmlichkeit ersparen.

Die Beine nicht verkümmern lassen!

Zunächst geht es darum, aus dem Auto, das ein Gebrauchsgegenstand unserer technisierten Zeit ist, keine Weltanschauung zu machen. Man muss es sich «erlauben können», auch als Fussgänger gesehen zu werden, ohne deswegen seinen Nimbus und seinen Kredit zu verlieren. Wer auch als glücklicher Besitzer eines Motorfahrzeuges den abendlichen Spaziergang nicht ausfallen lässt und in den Ferien einmal an Ort und Stelle den Wagen abstellen und dann zu Fuss auf die Berge gehen kann, wird nicht «am Auto zugrunde gehen».
Allerdings muss man beim Autofahren selbst auch noch einige Dinge beachten, um nicht gesundheitliche Schäden davonzutragen. Sie ergeben sich aus den besonderen Umständen des Fahrens in einem rasch bewegten Fahrzeug und betreffen eigentlich alle Organe unseres Körpers. Beginnen wir mit dem Sitzen im Auto.

Der Autositz entspricht unserer Anatomie nicht

So sehr man sich auch schon um die Verbesserung des Autositzes bemüht hat, stellt er doch – und zwar vor allem für den Fahrer – noch lange keine Ideallösung dar. Das gilt für die «ganz bequemen», tiefliegenden Sitze moderner Sportmodelle ebenso wie für die Normalsitze der Serienfabrikation. Der Fahrer muss das Lenkfad halten, und er muss die Füsse auf den Pedalen haben. Er wird also stets mit seinem Unterleib (und mit der Sitzfläche!) nach vorne drängen.

Da unser Körper ohnehin nicht für die Sitzhaltung «gebaut» ist, kommt dieser Autositz unseren anatomischen Voraussetzungen überhaupt nicht entgegen. Wir müssen die Wirbelsäule überanstrengen und ihr gleichzeitig noch die dauernde Erschütterung zumuten, die sich auch auf guten Strassen ergibt. Verschiedene Autositze, die man zusätzlich verwenden kann, korrigieren zwar die Haltung, fördern aber dafür wieder die dauernde Zugluft zwischen Sitz und Rücken.

Was kann man dagegen tun?

Vor allem: Genügend Ausgleichsgymnastik! Pausen einlegen – besonders bei langen Autofahrten — und dann Spazierengehen, strecken und, räkeln, in den Hüften drehen.
Ferner: Schweißsaugende Unterwäsche tragen, die Rücken und Hüften gegen die Zugluft schützt.

Achtung – zu wenig Sauerstoff!

Der grosse Vorteil der modernen Wägen, dass alle ihre Türen und Fenster gut und dicht schliessen, wird zum Nachteil, wenn man das Lüften vefgisst. Der Sauerstoffvorrat in einem geschlossenen Wagen geht schnell zu Ende. Vor allem dann, wenn mehrere Personen im Wagen sind. Natürlich wird niemand ersticken, aber die Zunahme des Kohlensäuregehaltes der Luft wirkt ermüdend und lähmend auf die Gehirntätigkeit; Das kann gefährliche Folgen für den Lenker des Fahrzeuges haben.

Man wird also, auch bei kaltem oder schlechtem Wetter, von Zeit zu Zeit lüften. Vor allem muss man, wenn man die Ermüdung spürt, unbedingt anhalten und sich wenigstens einige Minuten in frischer Luft aufhalten. Ist – bei geschlossenen Fenstern – die Wagenheizung eingeschaltet dann wird der Sauerstoffverbrauch noch beschleunigt, die Ermüdungserscheinungen stellen sich noch schneller ein.

Und die Pause nicht vergessen!

Die ständige Eile verleitet immer wieder dazu, auch grosse Entfernungen ohne Halt zu durchfahren. Meist wird dabei auch auf das Einnehmen einer richtigen Mahlzeit verzichtet. Obwohl es stimmt, dass man nach einem schweren Essen eher müde ist, benötigt man doch gerade beim Fahren den Energienachschub durch das Essen. Ihn durch Rauchen, Tabletten und aufpeitschende Mittel zu ersetzen, ist Raubbau am Körper. Die Anforderungen an den Fahrer sind heute so hoch, dass er jederzeit auch physisch auf der Höhe sein muss.

Deshalb: Zeit nehmen zum Essen! Während der Fahrt Alkohol unbedingt meiden! Kaffee und andere anregende Getränke sind empfehlenswert, soweit man sie sonst verträgt. Nicht zu weite Strecken pausenlos durchfahren!

Auch der Beifahrer hat Pflichten!

Einen kleinen Vorrat an Traubenzucker (wirkt besonders schnell, weil er unmittelbar ins Blut übergeht), eventuell auch Schokolade, Pfefferminz usw., sollte man stets im Wagen haben. So kommt man über kleine Ermüdungs- und Schwächezustände hinweg.

Der Beifahrer soll auf rechtzeitige Stärkung des Fahrers, auf die Einhaltung von Pausen, auf die Frischluftzufuhr achten und den Fahrer unterhalten, ihn frisch und wach halten. Davon hängt ja auch sein Heil, vielleicht sein Leben ab.”

Formuliert wurden diese Gedanken von einem gewissen F. A. O. und die Redaktion lud ihre Leser vor 60 Jahren dazu ein, Diskussionsbeiträge zum Artikel zuzuschicken, ihre Ansichten zu den darin behandelten Fragen darzulegen und gegebenenfalls, auf Grund ihrer Erfahrungen, eigene Vorschläge zu machen. Was dabei herauskam, wäre dann Gegenstand einer kleinen Analyse in unserem Zeitschriftenarchiv (mit über 580'000 digitalisierten Zeitschriftenseiten aus 100 Jahren).

interessant wäre es natürlich auch, darüber nachzudenken, ob sich die Problematik in der Neuzeit nachhaltig verändert hat. Einige Dinge wurden sicher verbessert, auch die Sitze dürften heute deutlich besser stützen. Die grundsätzlichen Problem scheinen aber immer noch zu bestehen, oder sehen unsere Leser dies anders?

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