Auf Nebenstrassen durch die Automobilgeschichte (7): Achten Sie auf die Erschütterungen!
Es ist doch so: Die schönsten, interessantesten und manchmal auch schrägsten Ent-deckungen macht man immer auf Nebenstrassen. Das gilt auch für die Nebenstrassen der Automobil-Geschichte.
In den Anfangsjahren des Automobils waren die Ärzte geteilter Meinung bezüglich der Auswirkung des Fahrens. Die einen behaupteten, es könne dank des Fahrtwinds zahlreiche Krankheiten heilen, vor allem Kopfschmerzen, während die andern es als Gefahr für die Gesundheit sahen, wie der folgende Bericht eines französischen Arztes in seinem Buch "Das Auto aus hygienischer Sicht" zeigt.
Ein Berufskollege aus der Provinz, der den ganzen Tag zu seinen Patienten unterwegs war, schrieb mir letztes Jahr, dass er an Herzproblemen leide. Und er sah die Ursache im zu häufigen Autofahren. In Tat und Wahrheit war er aber auch Raucher. Wie auch immer, nach einem üppigen Nachtessen verspürte er einen klassischen, verengenden Brust-schmerz, einen verlangsamten Puls und ein Gefühl, auf der Stelle sterben zu müssen. Der akute Anfall konnte mit Morphin beruhigt werden, trat aber danach zwei Monate lang immer wieder auf, verbunden mit Schlaflosigkeit.
Darauf verzichtete mein Kollege auf das Automobil, und die Symptome verschwanden. Er raucht etwas weniger, isst wie vorher und schläft wieder gut.
Er sagte mir: «Ich sehe die Ursache im Autofahren. Die stundenlangen Erschütterungen hatten sowohl meinen Verdauungstrakt wie auch das Herz angegriffen. Zusätzlich trugen vielleicht die Auspuffgase zu einer langsamen Vergiftung bei. Das Herz zog sich beim Einatmen der Gase zusammen, während es sich an frischer Luft wieder entspannte. Fragen Sie doch einmal bei Ihren reichen Patienten nach, die viel autofahren.»
Der Fall meines Kollegen ist ohne Zweifel zu komplex, um als Beispiel zu dienen, aber ich glaube, er enthält in hohem Masse Wahrheit, stellte ich doch bei verschiedenen Patienten fest, dass sie Herzprobleme mit Brustschmerzen hatten, besonders, wenn sie noch dazu zu üppig gegessen hatten. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie vom Autofahren verursacht wurden (Erschütterungen, Luftzug und nervöse Spannung beim Fahren).
Ich habe mich auch gefragt, ob nicht gewisse Unfälle im Zusammenhang damit zu sehen sind, wie kürzlich bei dem Tod eines Milliardärs, der nach einem üppigen Dinner in einem Gefälle zusammen mit seiner Frau den Tod fand, während der Chauffeur, der beifuhr, unversehrt davon kam. Vielleicht wäre es besser gewesen, bei dieser Fahrt seine Dienste in Anspruch zu nehmen...
Die Thematik erinnert an die ablehnenden Reaktionen auf die ersten Eisenbahnen im 19. Jahrhundert. Und sie verweist vielleicht auch auf Vorbehalte zu aktuellen technischen Errungenschaften, ein Beispiel hier wäre die Angst vor Handystrahlung.
Über die effektiven Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit dem Auto wissen wir unterdessen genügend Bescheid...
P.S. Noch eine Ergänzung zum zweiten Bild:
Der Ford T war bekannt für seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten, die nicht nurLaurel und Hardy auf Ideen brachten. Aber eine Treppenfahrt am Montmartre in Paris war offensichtlich doch nicht ganz das Richtige...


























