Was wäre gewesen, wenn damals ...

Bruno von Rotz
10.02.2016

Mercedes-Benz W 119 Prototyp von 1960 (© Daimler AG)

Um das Jahr 1960 baute ein Team rund um Ludwig Kraus bei Daimler-Benz einen neuen Mittelklasse-Personenwagen, die Prototypen wurden W 118 und W 119 genannt. Technikchef Nallinger nannte den Wagen “Auffangtyp”, weil damit Kunden, die bei anderen Marken der Fahrzeugpalette entwachsen waren, aber noch nicht die Mittel für einen “richtigen” Benz hatten, aufgefangen (oder empfangen) werden sollten.

Der Prototyp wurde aber auch deshalb gebaut, um den DKW-Mannen zu zeigen, wie man ein moderne Auto entwickle. Denn zu jener Zeit war Daimler-Benz Besitzer der Auto Union und man tat sich mit den Zweitaktern aus Ingolstadt schwer in Stuttgart-Sindelfingen.

Ein enger Verwandter des W 119 erschien dann tatsächlich auf der IAA 1963 als DKW F 102, allerdings noch immer mit Zweitakt-Dreizylindermotor. Doch zwei Jahre später kam dessen Nachfolger, nun “Audi” getauft und mit modernem und bei Mercedes entwickeltem Vierzylinder-Viertakter. Über diesen Wagen haben wir gerade jetzt einen Bericht publiziert .

Audi (72) von 1965 (© Audi AG / Werk)

1965 aber hatte Daimler-Benz die ungeliebte Auto Union bereits an Volkswagen weiterverkauft. Und die wiederum sorgten für den Erfolg des neuen Autos und aus Audi wurde, wie wir heute wissen eine sehr erfolgreiche Marke, die es heutzutage auch mit den Spitzenprodukten von Mercedes-Benz und BMW aufnehmen kann.

Was aber wäre gewesen, wenn sich Daimler-Benz damals anders verhalten hätte. Es wäre doch auch möglich gewesen den W 119 serienreif zu machen und als Mercedes auf den Produktionsanlagen von DKW/Auto Union zu produzieren, der Baby-Benz wäre damit nicht erst 1982, sondern bereits Mitte der Sechzigerjahre auf den Markt gekommen. Vielleicht hatte Mercedes damals aber auch gar nicht die finanziellen Mittel, um weitere Verluste der Auto Union zu decken und wäre mit dieser Strategie selber zum Übernahmekandidaten geworden und gar von Volkswagen geschluckt worden? Dann wäre der Stern heute neben den vier Ringen Teil des Volkswagen-Marken-Portfolios und im Bug der S-Klasse würde ein W16 oder ein anderes Phaeton-Triebwerk summen? Nicht auszudenken ...

Es hätte aber auch anders enden können, wenn der Baby-Benz bereits in den Sechziger- und Siebzigerjahren auf der Erfolgsstrasse gefahren wäre. Dann hätte vielleicht Daimler-Benz die Konkurrenz aus Bayern geschluckt und wiederum sähe die Automarken-Welt heute anders aus ....

Oder, was wäre gewesen, wenn ...

von Holger Merten
11.02.2016 (08:29)
Antworten
Der W 118 hatte auch die Ringe am Bug und am Heck. Und Paul Bracq hat mir letztens noch telefonisch mitgeteilt, wie er Stilstudien zur Gestaltung auch des DKW F 102 gemacht hat. Die Entwürfe liegen mir vor. Die in den Kotflügel eingelassenen Blinker sind das letzet Derivat seiner Vorschläge. Letztlich war Mercedes stärker daran interessiert, die Marke Mercedes nach oben abzurunden - was man ja auch im Verlauf der 60er Jahre (600er) und spätestens mit dem W 116 vollzogen hatte. Hintergrund dieser Entscheidung war damals das mögliche Auffangen von BWM. Die Planungen gingen davon aus, dass der DKW F 102 und der Junior das Angebot unten bilden würden, der neuen BMW 1500 dann das Auffangmodell werden würde und Mercedes weiter die obere Mittelklasse bis zur Luxusklasse abdecken würden. Die Aktionäre von BMW haben auf der bekannten Hauptversammlung dieser Idee den garaus gemacht. Mercedes hat wegen seiner LKW-Pläne und der nicht in den Griff zu bekommenen Auto Union Mannschaft den Laden dann einfach an VW abgegeben. Man muss sich das vorstellen, die Auto Union hat gegen den Willen der Mutter den Zweitakter durchgesetzt und auf den Markt gebracht. Obwohl der Wagen wirklich mit viel Schützenhilfe und Manpower aus Stuttgart fertig entwickelt wurde.
von st******
10.02.2016 (08:58)
Antworten
Was wäre, wenn DKW/Auto Union nicht verkauft worden wäre? DKW wäre eine tolle Basismarke geworden (heute wie Smart), in der Mitte wäre Audi (Mercedes 190er, A-, B-, C-Klasse) und oben Mercedes als Premium-Marke positioniert worden. Aber hinterher weiss man das immer besser...
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.