100 Jahre Aston Martin - ein Blick zurück

Stefan Frtischi
15.01.2013

100 Jahre Aston Martin

Genau heute vor hundert Jahren, am 15. Januar 1913 gründeten Lionel Walker Birch Martin und Robert Bamford die Firma Bamford & Martin Ltd. im Westen von London. Mit den Singer-Fahrzeugen, die sie vertrieben, fuhren sie auch Rennen. Allerdings entstand schon bald die Idee, die Wagen zu verbessern oder gar ein eigenes Gefährt zu konstruieren, um wettbewerbsfähig zu sein.

Der erste Prototyp von 1915, der als „Coal Scuttle“ (Kohlekasten) bekannt wurde, bekam den Namen „Aston Martin“, weil Lionel Martin kurz zuvor am Bergrennen von Aston Hill teilgenommen hatte und eine Liste von Fischen, wilden Tieren und Pflanzen keinen brauchbaren Markennamen hervorbrachte.

Es dauerte bis 1920, als ein zweiter Prototyp das Licht der Abingdon Road, dem neuen Domizil der Firma, erblickte. Robert Bamford hatte aber andere Pläne, als Autos zu bauen und verliess die Firma.

Lionel Martin fand einen neuen Partner im amerikanischen Millionär und Rennfahrer Graf Louis Zborowski, der unter anderem durch seine "Chitty Chitty Bang Bang"-Rennwagen mit Maybach- und Mercedes-Flugzeugmotoren - berühmt geworden war. Er war aber nicht nur Geldgeber, sondern auch aktiver Rennfahrer für die Firma und prägte so deren Nimbus als Hersteller von strassentauglichen Rennwagen massgeblich mit. Leider verunglückte Zborowski 1924 tödlich.

Doch er und sein Auto inspirierten einen gewissen Ian Fleming zu einem Kinderbuch, das ebenfalls "Chitty Chitty Bang Bang" hiess. Und genau dieser Ian Fleming war später auch Erfinder des berühmten Agenten 007 alias James Bond, der wiederum bevorzugterweise Aston Martin fuhr. So schliesst sich der Kreis.

Lionel Martin stand jetzt ohne Partner und ohne Geld da. 1925 kam Aston Martin unter Konkursverwaltung, Lionel Martin musste die Firma verlassen. Er starb 1945 mit 67 Jahren bei einem Fahrradunfall. Sein früherer Geschäftspartner Bamford war - erst 59-jährig - bereits 1942 verstorben.

Die Firma zog 1926 mit neuem Geld von Lord Charnwood und dem Ingenieurswissen der Herren Renwick und Bertelli nach Feltenham. Neue Rennwagen, die an vielen Autorennen inklusive LeMans und Mille Miglia erfolgreich waren, entstanden.

Aston Martin Ulster von 1934

Ab 1932 führten Vater und Sohn Sutherland die Firma. Allerdings hatten sie trotz Rennsiegen Mühe, genug Geld mit den einigen Hundert verkauften Wagen zu generieren. Sutherland Junior und Signore Bertelli vertrugen sich zudem nicht, und so wurde letzterer durch den talentierten Claude Hill ersetzt. Es entstanden noch erste Pläne für eine neue Stromlinien-Limousine namens Atom. Dann brach der Krieg aus.

Aston Martin 2 Litre Sports von 1948

Als wieder Frieden war, begann die wohl schillerndste Epoche von Aston Martin, der Einstieg des Traktorherstellers David Brown.  Obwohl ihm der Atom gefiel, blieb es beim (heute noch erhaltenen) Prototypen. Brown wollte von Hill ein sportlicheres Fahrzeug sehen. Das Resultat der gemeinsamen neuen Strategie war 1948 der Aston Martin 2 Litre Sports, inoffiziell auch DB1 genannt. Er war das erste Fahrzeug einer langen Reihe von erfolgreichen Modellen.

Aston Martin von 1949

Allerdings bedeutet „erfolgreich“ nicht unbedingt, dass die Firma auch Geld verdiente. Folgende Anekdote wird deshalb immer wieder gern erzählt:
David Brown wurde von einem guten Kunden, der bereits mehrere Aston Martin hatte, gefragt, ob er denn aufgrund seiner langjährigen treuen Kundschaft das nächste Auto zum Selbstkostenpreis bekommen könnte. Da antwortete Brown: „Aber gerne! Wenn sie so viel mehr bezahlen möchten!“

Leider führte die finanziellen Schwierigkeiten und dauernden Engpässe dazu, dass Brown seine Firma 1972 verkaufen musste und das Kürzel DB aus den Modellbezeichnungen verschwand.

Zum 100. Geburtstag kommen in Gaydon, dem aktuellen Sitz von Aston Martin, historische und aktuelle Modelle mit dem ältesten existierenden Bamford & Martin-Auto zusammen, bei dem es sich um den vierten Prototyp A3 von 1921 handelt. Das hätten sich die beiden Gründer wohl nie träumen lassen ...

Mehr über Aston Martin finden man am einfachsten über die Aston-Martin-Themenseite auf Zwischengas.

Alles über Aston Martin

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