Der Bugatti Royale und sein kolossaler Motor

Federico B. Kirbus
02.01.2013

Bugatti Royale Type 41 von 1931

Ettore Bugatti war ein französischer Automobilkonstrukteur italienischer Abkunft der 20er Jahre mit starkem künstlerischem Einschlag. Sein Ziel war es, ein gegenüber den Konkurrenzmodellen von Rolls-Royce, Bentley, Mercedes-Benz, Maybach und Cadillac überlegenes Luxusfahrzeug zu schaffen, das von dem stärksten und laufruhigsten Motor seiner Zeit angetrieben werden sollte. Als Kundschaft hatte Ettore Bugatti vor allem die europäischen Königshäuser und die Reichen der damaligen Zeit im Blick.

Der „Bugatti Royale“ war aufwändig konstruiert und erreichte dank seines 300 PS starken Motors eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Die Karosserien des „Royale“ waren exklusiv und erregten vielfach Aufsehen. Das Auto war gleichwohl kein kommerzieller Erfolg für Bugatti: In neun Jahren entstanden lediglich sechs Fahrgestelle, von denen zwei nicht verkauft werden konnten.

Das erste Fahrzeug wurde 1926 hergestellt. Wie damals im Luxuswagen-Segment üblich, lieferte Bugatti nur das „Rolling Chassis“, das heißt, das Fahrgestell mit allen Komponenten samt Motor und Kühlergrill, während die Gestaltung des Aufbaus unabhängigen Karosseriebauunternehmen überlassen wurde. Ein kommerzieller Erfolg blieb wegen der ab Ende 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise aus. Ettore Bugatti war sehr wählerisch und er verkaufte den Type 41 nur an Leute, die ihm genehm waren. Weitere Gründe waren der sehr hohe Preis und potentielle Kunden, die davor zurückschreckten in dieser schwierigen Zeit ein derart exklusives Fahrzeug zu erwerben.

Nach Argentinien, seinerzeit eines der acht reichsten Länder der Welt, gelangte kein einziger Royale, obwohl es mancher der „Ricachones“ wie der legendäre Fabián Gómez Anchorena mit den meisten Monarchen aufnehmen konnte.

Aufgrund seines Preises, seiner Exklusivität, seiner Technik und der geringen gefertigten Stückzahl ist das Fahrzeug heute eine Legende. Alle sechs Fahrzeuge existieren noch.

Als Kühlerfigur aller „Royale“-Modelle diente ein aufgerichteter Elefant, den Ettores Bruder Rembrandt Bugatti als Persiflage auf die geflügelte Kühlerfigur Spirit of Ecstasy von Rolls-Royce entworfen hatte.

Der Antrieb erfolgte durch einen Achtzylinder-Reihenmotor mit 24 Ventilen. Der Hubraum betrug 12,7 Liter, die Leistung belief sich auf rund 300 PS. Der Motorblock war eineinhalb Meter lang, wurde mit 14 Litern Öl geschmiert, mit 48 Litern Wasser gekühlt und aus einem Benzintank versorgt, der 190 Liter fasste. Das Gesamtgewicht des Fahrzeugs betrug etwa 3200 kg. Der Achtzylinder-Motorblock war von den Abmessungen und vom Hubraum her eines der grössten Triebwerke, die je in einem Straßenfahrzeug verwendet wurden.

Motor des Bugatti Typ 41 Royale

Um die Unkosten in Grenzen zu halten, fertigte Bugatti auch Triebwerke für die französischen Staatsbahnen SNCF, die sie in Schnelltriebwagen einbaute. Ein solcher Motor wurde vor etwa zehn Jahren von einem Sammler nach Argentinien importiert.

Bugatti Reihenachtzylinder - gebaut als Eisenbahnmotor - jetzt in Argentinien

Archivierte Einträge:

von ho******
06.01.2013 (12:00)
Antworten
Gratuliere Dir Federico, zu diesem Artikel. Über Motorenbau hatten wir uns ja schon manchmal ausgetauscht, der Bugatti kam dabei aber nicht vor.

Beste Grüsse

Holger
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