Sicherheit versus Ästhetik im historischen Rennsport

Bruno von Rotz
05.01.2013

Mit Sturmkappe im Mercedes-Benz SSK

Wir erinnern uns ja immer wieder gerne an die “guten, alten Zeiten”. Und gerade der historische Motorsport ist ja die perfekte Gelegenheit, eine Zeitreise in die Vergangenheit zu unternehmen, z.B. in Goodwood oder am Oldtimer Grand Prix am Nürburgring.

Der moderne Sicherheitsanspruch macht aber auch vor alten Rennwagen nicht halt. Reglemente und Vorschriften versuchen, auch den historischen Rennsport sicherer zu machen, was an und für sich eine gute Sache ist.

Die Auswirkungen aber sind nicht nur positiv. Am schönsten sieht ja ein alter Rennwagen aus, wenn auch die Besatzung an die Vergangenheit erinnert. Ein Mercedes-Benz SSK, der von einem Piloten mit Sturmhaube gelenkt wird, gefällt und der offene Helm gehört zu einem Formel Junior Rennwagen der frühen Sechzigerjahre, wie das Ketchup zu den Pommes Frites.

Mit offenem Helm im Lotus 18

Doch die offenen Helme und die Rennbrillen verschwinden zunehmend, auf fast jedem historischen Rennwagen thront heute ein oftmals riesiger Überrollbügel, Fahrer schnallen sich mit überbreiten Vier-, Fünf- und Sechspunktgurten an, die Anzüge der Piloten werden dicker und dicker, bald schon wird auch im Lotus 23 ein Hans-System getragen werden, genauso wie beim modernen Formel-1- oder DTM-Fahrzeug.

Mit Vollvisierhelm im Gordini

All diese Anpassungen erhöhen die Sicherheit, doch die Ästhetik geht dabei baden. Siffert, Clark und Hill fuhren ihre Rennen mit offenen Helmen und sahen gut aus dabei, Nuvolari und Hans Stuck trugen gar eine Lederkappe im Rennwagen. Sportwagen der Fünfzigerjahre erfreuten durch ihre elegante Silhouette, die nicht von Überrollbügeln verschandelt wurden.

Mit Integralhelm im Lotus 11

Wie authentisch soll der historische Motorsport sein? Wollen wir die Bilder zurückholen, oder moderne Sicherheitsansprüche auf alte Rennwagen anwenden? Wir wollen hier weder richten noch Empfehlungen aussprechen. Sicherheit ist wichtig, keine Frage. Aber aus Zuschauersicht sind wir immer wieder dankbar, wenn sich Piloten auch heute noch mit offenen Helmen auf die Rennstrecke wagen und wenn Rennfahrzeuge auch wirklich noch so aussehen, wie sie in den Fünfziger- und Sechzigerjahren fuhren, besonders dann, wenn es sich um Demofahrten und nicht um verbissene Rennen geht.

Mit dem offenen Helm im Sportwagen der Sechzigerjahre

Archivierte Einträge:

von ma******
08.01.2013 (22:01)
Antworten
Für diese Ideen habe ich absolut kein Verständnis. Wieviele Fahrer sind früher gestorben, oder haben sich erheblich verletzt. da stehen wir heute doch besser da. Möchte der Autor dem Anwalt eines verunfallten Fahrers gegenüber vor dem Richter stehen? Ich nicht. So gehen vielleicht die Ansichten von Organisator und Zuschauer eben auseinander.
von Cr******
08.01.2013 (17:23)
Antworten
Der "historische" Motorsport ist leider zu einer x-beliebigen Rennsportkategorie des 21. Jahrhunderts geworden: Es wird gerast auf biegen und brechen, ohne Rücksicht oder Freude sondern nur um das Ego zu befriedigen. Die Autos sind hochgerüstet mit modernster Technik, leisten mehr als zu ihrer Zeit , die schmalen Speichen- oder Stahlfelgen und Ballonreifen mussten überbreiten niedrigstquerschnitt Slick-Reifen und ebensolchen Alufelgen weichen, auch deshalb sind diese "Oldtimer" auch viel schneller als "damals".
Schauen sie sich den Doku-Kinofilm "Live fast, die young" mit und über Jo Siffert an. Mit dem Aufwand an Personal und Technik, den er in der damaligen F1 betrieb und gut war, wird heute schon im Kartsport weit übertroffen... Heute jammern und weinen die sogenannten "Helden des Motorsports" wenn nicht in alle Richtungen riesige kahle Sturzräume mit jensten Sicherheitsfeatures angelegt sind. Die einzigen, noch in der heutigen Zeit verbliebenen, aktiven Helden des Motorsports findet man bei der Tourist Trophy Ile of Man. Guy Martin im Doku Film "Closer to the Edge" ist ein Kerl, keine Heulsuse, wie die Weicheier der DTM, F1 etc.
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