Die Elektrowelle ist nicht aufzuhalten und was das mit dem Oldtimer zu tun hat

Bruno von Rotz
03.05.2019

VW ID Buzz und VW Bus Typ 2 T1

Die Diskussionen, ob sich das Elektroauto durchsetzen will und überhaupt einen namhaften Anteil am gesamten Fahrzeugvolumen haben wird, sind voll im Gange. Zweifler und Optimisten scheinen sich die Waage zu halten, es gibt Argumente für fast alle Prognosen.
Allerdings, es wird immer klarer, dass das Elektroauto seinen Weg machen wird, zuviel Energie, sprich Investitionen, fliesst im Moment in diese Antriebstechnologie und zu stark ist auch der politische Sog.

Im Jahr 2018 waren es zwar nur etwa 2,1 % der neuen Autos, die elektrisch fuhren, stückzahlenmässig sind dies aber bereits erhebliche Mengen. Das schnelle Wachstum findet allerdings momentan nicht primär in Europa statt, sondern z.B. in China, wo 2018 über eine Million elektrische Fahrzeuge verkauft wurden.

Vorhersage J.P. Morgan - Elektromobilität bis 2030

Es erstaunt denn auch nicht, dass Analysten und Branchenkenner eine starke Zunahme von elektrisch betriebenen Autos erwarten. J. P. Morgan etwa sieht per 2030 bereits weniger rein mit Benzin- oder Dieselmotoren ("Pure ICE") ausgerüstete Automobile auf unseren Strassen, als Elektrofahrzeuge ("BEVs") oder Hybridautos ("PHEVs"), wozu auch Mild-Hybride gezählt werden.

Vorhersage Bloomberg - Verkauf von Elektroautos und anderen bis 2040

Bloomberg schaut noch ein Jahrzehnt weiter und erwartet dass 55 Prozent aller verkauften Autos im Jahr 2040 elektrisch angetrieben (inkl. Hybridfahrzeuge) sein werden.

Allerdings gehen auch die meisten bekannten Studien davon aus, dass selbst im Jahr 2040 oder 2050 noch immer viele Autos mit Verbrennungsmotoren im Verkehr sein werden, so schnell verschwinden sie also nicht, selbst wenn, wie Morgan Stanley voraussagt, 2050 69 Prozent aller verkauften Autos elektisch angetrieben sein sollten.

Eines der grossen Hindernisse für Elektroautos ist deren Reichweite mit einer Batterieladung und die Kosten der ganzen Batterietechnik. Allerdings muss man auch als Zweifler zugeben, dass in den letzten zehn Jahren riesige Fortschritte gemacht wurden. Vor wenigen Jahren noch kamen die wenigen existierenden Elektroautos auf vielleicht 120 km Reichweite bei deutlich geringeren Fahrleistungen als “normale” Personenautos. Heute schafft ein Tesla 3 oder auch ein Nissan Leaf mindestens 300 km und dies bei mit Diesel-/Benzin-Verbrennern mindestens vergleichbaren Fahrleistungen.

Und es scheint, dass weitere grosse Verbesserungen möglich sind. So gibt es etwa in der Schweiz die Firma Innolith, die bekanntgegeben hat, dass sie am Bauen eines Super-Akkus ist, der zwei erhebliche Vorteile gegenüber den heute gebräuchlichen Batterien aufweist. Einerseits soll die Energiedichte rund dreimal so hoch sein wie bei aktuell gebräuchlichen Akkus, anderseits soll die dabei eingesetzte Feststoffbatterie-Technik weniger temperaturempfindlich und vor allem nicht mehr brennbar sein. Egal, ob nun gerade die Firma Innolith den Durchbruch geschafft hat, oder ob ein anderes Unternehmen den grossen Wurf landen wird, man kann davon ausgehen, dass schon in wenigen Jahren deutlich höhere Reichweiten möglich sein werden. Und mit jedem Fortschritt wird auch der Druck steigen, die heutigen Verbrenner mit der leiseren und weniger komplexen elektrischen Antriebstechnik zu ersetzen.

Für die Oldtimer-Besitzer bedeutet dies, dass sein Auto aus den Sechziger- oder Siebzigerjahren noch deutlich exotischer daherkommen wird, stösst es doch Abgase aus und produziert einiges an Geräuschen. Ob die schon heute lärmgeplagte Bevölkerung dies akzeptieren wird und in welcher Form, darüber kann man trefflich diskutieren. Sicher dürfte sein, dass das Tankstellennetz zurückgehen wird, dass Reparaturbetriebe, die auf Elektroautos spezialisiert sind, kaum mehr mit den alten Autos umgehen können werden und dass auf den Strassen wenig Verständnis für die Besonderheiten der alten Autos herrschen wird.

Heiss diskutiert wird heute auch, ob die Elektroautos von heute, die Oldtimer von morgen sein werden. Bezweifelt wird, ob diese Autos genügend Emotionen wecken können. Zudem dürften die Unterhalts- und Wartungsprobleme auch vor diesen frühen Elektroautos nicht Halt machen.

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