Karl Foitek, ein richtiger Racer (Nachruf)
Es gibt sie also doch, diese eigenartige Intuition. Am 2. Januar 2019 war ich unterwegs in Richtung Schladming zur 23. Planai-Classic. Auf spiegelglatter Autobahn kurz nach München fiel mir auf, dass der alljährliche pünktliche Anruf von Karl Foitek mit seinen Neujahrswünschen diesmal ausgeblieben war.
Ich wollte ihn anrufen, doch der Klingelton ging ins Leere. Ohne böse Gedanken fuhr ich weiter. Ein Tag später erhielt ich die Mail von Frank, seinem Sohn, mit der traurigen Botschaft, dass sein Vater am 1. Januar für immer von uns gegangen sei. Tiefe Traurigkeit überkam mich und viele schöne Erinnerungen wurden geweckt. Ja, der Karl war ein echter Racer, aber immer mit dem Herzen am richtigen Platz.
Man schrieb den 1. Dezember 1951, als der junge Karl mit seinen gerade mal 20 Jahren und abgeschlossener Mechaniker-Lehre aus Oberndorf an der Melk in die Schweiz reiste. Musik wie sein Vater sie praktizierte, war nicht sein Ding. Seine Instrumente benötigten Kolben und Zylinder und davon am liebsten gleich zwölf an der Zahl. Daher war er in der Jaguar-Vertretung von Emil Frey in Zürich auch gut aufgehoben, trotz nur Fr. 2.70 Stundenlohn.
1953 auf dem alten Bremgartenring bereitete er den Jaguar XK120 von Kurt Klaus für das Rahmenrennen vor. Weil das Auto zu lang übersetzt war, musste Foitek in der Nacht nach Zürich zurück, um eine kürzere Hinterachse einzubauen. Als er zurückkam, forderte ihn Klaus auf, vor dem offiziellen Training selbst einige Testrunden zu fahren. "Ich war auf Anhieb schneller als Klaus, der im Rennen dann Zweiter wurde. Seit jenen Runden wusste ich, dass auch ich Rennen fahren wollte."
1957 verliess er dann die Emil Frey AG, fuhr Rennen auf Alfa Romeo und Lotus und nutzte diese Erfahrungen, um seinen eigenen Kundenstamm aufzubauen. An der Brauerstrasse in Zürich eröffnete Foitek sein erstes eigenes Geschäft, übernahm die Vertretung von Jaguar und den Verkauf von Alfa-Romeo. Sein Kundenstamm wurde immer grösser. Er selber wurde insgesamt vierfacher Schweizermeister. Bald kam auch Ferrari mit ins Boot und in Urdorf entstand eine grosse Foitek-Ferrari-Vertretung, die später noch mit der Marke Maserati ergänzt wurde.
Ich wusste, dass er nicht nur sau schnell, sondern auch ein sehr guter Geschäftsmann war. In meinen Gedanken aber war er vor allem ein Freund, der auch meine Arbeit schätzte und dies immer und überall kundtat.
Zurück bleiben nun all die schönen Erinnerungen, beispielseise als er mit Sohn Gregor in die Formel 1 kam, dann mit Peter Monteverdi ein eigenes Team bildete und vor allem wie er immer gerne über alte Zeiten sprach.
Auf der gut 27 Stunden dauernden Rückfahrt durch Schnee und Verkehr, von Schladming nach Hause, fiel mir ein, wie er einst im tiefen Winter mit seiner damaligen Alfa Giulietta ohne Seitenscheibe aus Österreich in die Schweiz zurückfahren musste …
Die sicher verrückteste Erinnerung aber ist die Geschichte mit dem Maserati MC12. Wir waren im Ländle auf der alten Bödele-Bergrennstrecke, wo wir das Auto in sämtlichen Lebenslagen fotografierten. Dann fuhren wir zum "McDrive" und lachten herzlich über die Bedienung, die nicht wusste, was ihr da geschah. Dann erfüllte ich ihm noch seinen Bild-Wunsch von der Tachonadel bei über 300 km/h. Dreimal mussten wir auf der Autobahn zwischen Lindau und Memmingen hin- und herfahren bis alles passte.
Der gebürtige Österreicher, lebte rund 40 Jahre seines Lebens als Schweizer und hinterlässt fünf Kinder: Carmen, Markus, Gregor, Reto und Frank.
Der Familie Foitek richten wir unser aufrichtiges Beileid aus.


























