Die universale Wertentwicklungs-Kurve - oder wie man richtig in einen Klassiker investiert

Bruno von Rotz
09.10.2014

Wertentwicklung eines Automobils in Phasen vom Neuwagen zum Klassiker (© Zwischengas.com)

Die Vorhersage der Wertentwicklung eines Automobils grenzt an Magie. Kaum jemand hätte wohl vor 40 oder 45 Jahren erwartet, dass die wenig nützlichen Ferrari 250 GTO, die man damals für 20’000 Franken (oder 24’000 DM) kaufen konnte, einmal für das Hundertfache dieses Werts den Besitzer wechseln würden.

Nichtsdestotrotz verläuft der Wert der meisten Autos entlang einer immer wieder ähnlichen Kurve: Zuerst verliert der neu erstandene Wagen kontinuierlich und massiv an Wert, je nach Fahrzeugart und abhängig vom Erhaltungszustand beträgt der Wertverlust 15 bis 30% pro Jahr (in Ausnahmefällen weniger oder mehr), bis dann nach einigen Jahren nach einer Verlangsamung des Wertschwunds ein Plafond erreicht ist. Dies ist das Ende der Phase A und wir gehen dann meistens in eine Phase B über, während der das Automobil seinen Wert konstant hält, bis es dann im Übergang zur Phase C langsam, aber stetig an Wert zulegt. Diese Phase C kann lange dauern und meist steigt der Wert des Fahrzeugs nur geringfügig pro Jahr an, macht sozusagen den Kaufkraftverlust des Geldes wett.

Bei ganz besonderen Automobilen steigt dann der Wert des Autos in einer vierten Phase D überproportional an, selbst Hyper-Wertsteigerungen sind dann möglich, abhängig von den Vorlieben der Sammler zu jenem Zeitpunkt und natürlich abhängig von der Attraktivität des Fahrzeugstyps im Kontext mit der Produktionsmenge und Einsetzbarkeit des Fahrzeugs.

Für die meisten Automobile allerdings setzt sich auch in der vierten Phase einfach ein kontinuierliches Wertwachstum (“D2”) fort, vielleicht etwas beschleunigt, aber relativ gradlinig. Und in einigen Fällen kann es auch passieren, dass das Wachstum ausflacht (“D3”) oder gar eine weitere Wertverlustphase einsetzt, weil sich die Interessen der Oldtimerkäufer geändert haben oder der Staat Einfluss nimmt mit geänderten Bestimmungen.

Der kluge Investor kauft am besten am Ende der Wertstagnationsphase, sofern er über genügend Zeit verfügt, denn auf diese Weise nimmt er den ganzen möglichen Wertzuwachs mit.

Wertentwicklung eines untypischen Automobils in Phasen vom Neuwagen zum Klassiker (© Zwischengas.com)

Der auf kurzfristige Gewinne fokussierte Investor aber sucht sich die Fahrzeuge heraus, die unmittelbar vor der Phase “D” stehen und kann schon in kurzer Zeit sein Geld verdoppeln. Dass dies passiert, sehen wir aktuell an den Preissteigerungen bei Porsche 911 Carrera RS, Lamborghini Miura (und frühen Countach) oder etwa bei gesuchten Ferrari-Modellen. Das Problem daran ist, dass diese Wertsteigerungen eine Folge der Marktkräfte und nicht unbedingt der Attraktivität aus Sicht des Sammlers sind. Daher ist auch unklar, wie nachhaltig diese Wertzunahmen wirklich sind.

Für das Gros der Oldtimer-Enthusiasten spielt dies sowieso keine Rolle, denn sie sitzen in einem Klassiker, der entlang von Kurve “D2” (oben) zwar langsamer, aber stetig an Wert gewinnt.
Für Youngtimer-Käufer sei noch angefügt, dass sich die meisten der attraktiveren Youngtimer typischerweise am Ende der Phase B bewegen und weitere Wertverluste daher meist ausgeschlossen werden können. Ob der Wertzuwachs allerdings Unterhalts- und Erhaltungskosten kompensiert, ist wie schon früher diskutiert, fraglich.

Und noch eine Anmerkung: Werden Kaufkraft, Währungsschwankungen und Inflation bei diesen Betrachtungen mitberücksichtigt, dann wird nicht unbedingt die Form der Kurve, aber durchaus deren Ausprägungen nachhaltig beeinflusst.

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von Bugatti
01.08.2019 (17:16)
Antworten
Ich versuche Mal den Phasen Zeitspannen in Jahren zuzuordnen:
Phase A: 15 bis 20 Jahre bis circa 30% des Neuwagenpreises
Phase B: 5 bis 10 Jahre
Phase C: 5 bis 10 Jahre
Phase D: offen
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