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Aston Martin Vantage Zagato - schneller, brutaler, aber nicht unbedingt schöner

Erstellt am 20. April 2017
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
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Bruno von Rotz 
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Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - angedeutete "Double Bubble"
Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - gerade Linien dominieren
Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - kurze Überhänge
Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - Heckansicht
Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - kein Rennwagen-Feeling
Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - viel Leder, Aston-Atmosphäre
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Wer Mitte der Achtzigerjahre ein richtig schnelles Auto kaufen wollte, hatte unter anderem die Wahl zwischen einem Audi sport Quattro (250 km/h), einem BMW M 635 CSi (255 km/h), einem Porsche Turbo (260 km/h), einem Ferrari Testarossa (290 km/h) oder einem Lamborghini Countach S quattrovalvole (295 km/h).

Aber was, wenn das nicht genügte und man zudem ein Faible für britische Automobile hatte? Der schnellste Aston Martin V8 Vantage lief ja “nur” 270 km/h. Abhilfe konnte eine kleine italienische Karosserie- und Designfirma schaffen, die den legendären Namen “Zagato” trug.

Bild Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - kurze Überhänge
Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - kurze Überhänge

Mit deren leichtem und windschlüpfigen Kleid lagen dann runde 300 km/h drin und viel Exklusivität dazu.

In guter Tradition

Die Zusammenarbeit zwischen Aston Martin und der Carrozzeria Zagato kam nicht aus dem Nichts. Bereits zu Beginn der Sechzigerjahre hatten die Mailänder einen gleichzeitig eleganten und für den Motorsport günstigen Entwurf auf Basis des Aston Martin DB4 GT beigesteuert.

Bild Aston Martin DB 4 GT Zagato (1961) - Roy Salvadori kam 1961 bei der Tourist Trophy auf den dritten Rang im schnellen Zagato
Aston Martin DB 4 GT Zagato (1961) - Roy Salvadori kam 1961 bei der Tourist Trophy auf den dritten Rang im schnellen Zagato

Neunzehn Exemplare des DB4 GT Zagato waren damals gebaut worden, heute werden sie als Millionenwerte gehandelt.

Der Genfer Autosalon als Treffpunkt

1984 erinnerte sich Aston-Martin-Chef Victor Gauntlett an diese legendäre Schöpfung und fragte sich, ob denn so etwas nicht auch in der Neuzeit möglich sei. Am Genfer Autosalon 1984 setzte sich Gauntlett daher mit Elio und Ugo Zagato zusammen. Als Ergebnis wurde entschieden, gemeinsam einen Sportwagen zu bauen, der bezüglich Exklusivität und Fahrleistungen keinen Vergleich scheuen musste.

Bild Aston Martin Vantage Zagato (1986) - Weltpremiere - Genfer Autosalon 1986
Aston Martin Vantage Zagato (1986) - Weltpremiere - Genfer Autosalon 1986

Bereits ein Jahr später unterschrieb man den Kooperationsvertrag und im März 1986 stand das fertige Produkt bereits in drei Exemplaren wiederum auf dem Genfer Autosalon.

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Streng limitiert

Exakt 50 Serien-Exemplare sollten gebaut werden und für DM 400’000 oder CHF 297’400 verkauft werden. Es waren dazu keine umfangreichen Marketing-Anstrengungen nötig, denn bereits im Sommer 1986 war klar, dass alle Fahrzeuge bereits einen Besitzer gefunden hatten, die notwendigen Anzahlungen von £ 15’000 waren bereits zuvor geflossen.

Und von diesen 50 Käufern regte sich wohl auch keiner gross auf, als der Einstandspreis für den Wagen noch vor Lieferung von £70’000 auf £87’000 erhöhte.

Ästhetik des Brutalen

Es war nicht a priori eine Schönheit, die da dem Zeichenstift der Zagato-Designer entsprungen war. Es war ein vergleichsweise kantiges Coupé, das ein wenig an Lancia Fulvia und Alfa Romeo Giulietta Sprint Zagato erinnerte. Auffällig war der Power-Dome auf der Motorhaube und das unverzichtbare Double-Bubble-Dach. Im Vergleich zum V8 Vantage waren der Radstand gleichgeblieben, aber die Überhänge gekappt worden.

Bild Aston Martin V8 Vantage Zagato (1986) - dezenter Frontspoiler
Aston Martin V8 Vantage Zagato (1986) - dezenter Frontspoiler

Die Bemühungen nach optimaler Aerodynamik waren am rundlichen Bug und an den karosseriebündig eingepassten Scheiben sichtbar, der besonders geglättete Unterboden allerdings entzog sich dem Auge des Beobachters. Das Ergebnis jedenfalls überzeugte mit einem für die Zeit tiefen cw-Wert, der je nachdem mit 0,29 oder 0,31 angegeben wurde. Weil gleichzeitig auch noch die Querschnittsfläche reduziert werden konnte - in der Breite und in der Höhe mass die Zagato-Version drei Zentimeter weniger als die Serien-Variante des Vantage V8 - verbesserte sich die Gesamtaerodynamik deutlich.

Bild Aston Martin V8 Vantage Zagato (1986) - eines der frühen Fahrzeuge, vorgesehen für Genf
Aston Martin V8 Vantage Zagato (1986) - eines der frühen Fahrzeuge, vorgesehen für Genf

Gefertigt wurde der ganze Aufbau sowie der Innenausbau bei Zagato in Mailand und die Italiener leisteten ganze Arbeit. So war der 27,5 Zentimeter kürzere Zagato-Vantage dank Aluminium-Karosserie über 150 kg leichter als sein englischer Bruder. Dies musste aber nicht mit fehlendem Luxus im Interieur erkauft.

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Robuste Hochleistungstechnik

Für die Technik war natürlich das Haus Aston Martin zuständig. Man begnügte sich aber nicht einfach damit, die Plattform des V8 Vantage nach Italien zu liefern, sondern man gab ihr noch einige “Goodies” auf den Weg. Durch Erhöhung der Verdichtung (von 9,5:1 auf 10,5:1), modifizierte Ansaug- und Auspufftrakte sowie geänderte Steuerzeiten konnte man die Leistung des V8-Leichtmetall-Motors von 375 (bei 6000 Umdrehungen) auf 438 PS (bei 6250 Umdrehungen) steigern. Auch das maximale Drehmoment stieg um sieben Prozent auf eindrückliche 546 mkp bei 5100 U/min. An den vier Weber-Fallstrom-Doppelvergasern wurde genauso festgehalten wie am ZF-5-Gang-Getriebe.

Bild Aston Martin Vantage Zagato (1986) - Weltneuheit - 440 PS entwickelt der 5,3 Liter grosse V8 - Genfer Autosalon 1986
Aston Martin Vantage Zagato (1986) - Weltneuheit - 440 PS entwickelt der 5,3 Liter grosse V8 - Genfer Autosalon 1986

Auch die Aufhängungen wurden übernommen, was vorne Dreiecksquerlenker und hinten eine DeDion-Achse mit Wattgestänge und Längslenkern bedeutete. Verzögert wurde natürlich mit Scheibenbremsen rundum.

Versprechen wahr gemacht

Waren Chassis und Karosserie erstmals verheiratet, hielt die Kombination, was Aston Martin und Zagato versprachen. Exakt 300 km/h erreichte der schnelle Zweisitzer beim Test der französischen Zeitschrift Sport Auto, für den Standardsprint von 0 auf 100 km/h wurden rund fünf Sekunden in Aussicht gestellt. Da konnte man nicht klagen und ab und zu einen Testarossa- oder Countach-Fahrer die breiten Rücklichter sehen lassen.

Bild Aston Martin V8 Vantage Zagato (1986) - Blick ins Interieur einer rechtsgelenkten Variante
Aston Martin V8 Vantage Zagato (1986) - Blick ins Interieur einer rechtsgelenkten Variante

Nicht allzu viele Journalisten erhielten die Gelegenheit, sich hinter das Lenkrad eines der 52 Autos (inklusive der zwei Prototypen) zu setzen, Wolfgang König war einer von ihnen und sein Bericht erschien im Heft 20/1986 von Auto Motor und Sport.

“Er zählt zu den selten gewordenen Autos, die noch eine offene Sprache sprechen. Schon beim Anlassen weiß man, womit man es zu tun hat. Die üppig gebaute 5,3-Liter-Maschine erwaht grollend zum Leben, hustet und spuckt, um schließlich in einen trägen, aber kräftig pulsierenden Leerlauf zu verfallen. Die Gänge des großkalibrigen ZG-Fünfganggetriebes rasten metallisch präzise ein, vorausgesetzt es gelingt, die kräftige Kupplung zu betätigen. Der Zagato rollt gelassen davon, akzeptiert frühzeitiges Hochschalten. Schon bei Fahrrad-Tempo kann der Dritte eingelegt werden. Um zu beschleunigen, genügt es, das Fußgelenk zu bewegen, Zurückschalten erübrigt sich. Nach einem kleinen Schluckauf bricht der V8 los - sanft, aber mit jener höheren Gewlat, wie sie großvolumigen Achtzylindermotoren zu eigen ist”, notierte König in seinem Fahrbericht.

Das reiche auch durchaus aus, um Porsche oder Ferrari Paroli zu bieten. Die Leichtfüssigkeit einer Ballerina könne man angesichts der 1,6 Tonnen nicht erwarten, aber für ein Schwergewicht bewege sich der Vantage Zagato flink, die Lenkung reagiere sensibel und das Fahrwerk bleibe vorbildlich neutral, bis bei kräftigem Gasgeben ein sanfter Drift einsetze, fuhr König fort. Man spürte schon beim Lesen, dass dem Briten-Freund König der Aston gut gefallen hat.

Eine gute Investition?

Offenbar allerdings wollten nicht alle Vantage-Zagato-Käufer ihre Waden trainieren. Zumindest ist Chassis 20031, einer von 23 Linkslenkern, mit einer Wandlerautomatik statt der ZF-Fünfgang-Box ausgerüstet. Fertiggestellt wurde das knallrote Coupé im Mai 1987. Empfänger war ein Sultan in Oman. Er fuhr wenig, erlitt aber bereits 1988 einen Frontschaden, der allerdings erst in den Neunzigerjahren im Werk repariert wurde. Zu jenem Zeitpunkt wechselte auch die Farbe auf “British Racing Green”, das bräunliche Interieur wurde im Auslieferungszustand gelassen.

Bild Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - gerade Linien dominieren
Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - gerade Linien dominieren

Seit den Neunzigerjahren blieb der Wagen im selben Besitz, jetzt soll er am 13. Mai 2017 anlässlich des Bonhams Aston Martin Sale in Newport Pagnell einen neuen Besitzer finden. Als Schätzwert werden EUR 360’000 bis 480’000 oder CHF 380’000 bis 510’000 genannt, was das Coupé angesichts des deftigen damaligen Neupreises und der überschaubaren Kilometerleistung (56’400 km) nicht zu einer besonders gewinnbringenden Investition machen dürfte.

Bild Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - viel Leder, Aston-Atmosphäre
Aston Martin V8 Vantage Zagato (1983) - viel Leder, Aston-Atmosphäre

Aber vielleicht kommt die grosse Zeit des Vantage Zagatos ja noch?

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