Aston Martin Vantage Volante - Open-Air-Gentlemen-Express

Erstellt am 4. Juli 2012
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
14
Balz Schreier 
6
Archiv 
60

Prince Charles war zwar nie offiziell Produktentwickler bei Aston Martin, doch als er sich in den Achtzigerjahren einen Aston Martin Volante mit der Vantage-Technik, aber ohne die entsprechenden Karosserieattribute bestellte, schuf er ein neues Produkt, das fortan “Prince of Wales Specification” genannt wurde und immerhin 27 Mal an Kunden ausgeliefert werden konnte. Es spricht für den Geschmack des Prinzen, die üppige Technik im schlankeren Kleid der “normalen” Volante-Variante zu verpacken.

Am Anfang stand der Aston Martin DBS

Schlüssel zum Aston Martin im Jahr 1970In den späten Sechzigerjahre erkannte Aston Martin, dass man einen starken V8-Motor brauchte, um mit der Konkurrenz mitzuhalten. Mit dem Aston Martin DBS sollte dieser neue Motor eingeführt werden, doch 1967 musste der völlig neugestaltete DBS bei der Vorstellung noch mit dem alten Sechszylinder vorgestellt werden, weil der neue Motor noch nicht bereit war. Der DBS wies ein glattflächiges Design auf und überragte seinen Vorgänger DB6 vor allem in der Breite massiv.

Zwei Jahre später konnte dann der V8-Motor eingebaut werden, der Wagen nannte sich nun DBS V8. Im April 1972 wurde die Front überarbeitet, der Wagen musste fortan auf das "DBS" verzichten und wurde schlicht als "V8" geführt.

Leistungsfähiger, aufwändig gebauter Motor

Beim vorne eingebauten V8-Motor handelte es sich um eine “überquadratischen” 5,3-Liter-Leichtmetallkonstruktion. Vier obenliegende Nockenwellen und eine mechanische Benzineinspritzung ermöglichten rund 300 PS bei Drehzahlen um 5’500 Umdrehungen pro Minute. Genau Leistungsangaben veröffentlichte Aston Martin traditionsgemäss nicht.

Die Automobil Revue testete im Jahr 1971 einen DBS V8 und beschrieb das Antriebsaggregat als für den Alltagsgebrauch gut geeignet, ausserordentlich geschmeidig und gesittet. Eine Drehfreudigkeit, wie sie italienische Sportmotoren zeigten, ging dem Engländer allerdings ab. Der Benzindurst war mit 24 bis 34 Liter pro gefahrene hundert Kilometer nicht bescheiden, auch den Ölverbrauch von zwei Litern pro 1000 km empfahl ein häufiges Herausziehen des Ölmessstabes.

6.9 Sekunden benötigte der geprüfte Wagen für die Solldisziplin 0 bis 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit lag mit 232 km/h beträchtlich unter den vom Werk versprochenen 273 km/h, was allerdings in Anbetracht der grossen Stirnfläche und der gemäss AR keineswegs optimalen Formgestaltung nicht überraschte.

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Der Überhammer Vantage

Im Jahr 1977 führte Aston Martin den V8 Vantage ein, der sich durch umfangreiche Modifikationen an Chassis, Motor und auch am Design vom “normalen” V8 unterschied. Mit dem Vantage konkurrierte Aston Martin direkt mit den Supersportwagen seiner Zeit.

Die Zeitschrift Motor Revue verglich ihn denn auch im Jahr 1984 mit seinen Konkurrenten Porsche Turbo, Ferrari 512 BBI und Lamborghini Countach (eine Corvette fuhr auch mit, war leistungsmässig aber unterlegen) und attestierte der 380 PS starken “Lokomotive aus NewportDampfhammerqualitäten. Als stärkster der Runde kämpfte der V8 Vantage aber gleichzeitig auch mit dem höchsten Leergewicht von 1’825 kg und konnte daher in den Fahrleistungen nicht ganz mit den Konkurrenten mithalten. Den Spurt bis 100 km/h schaffte der Aston in 6,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 267 km/h gemessen (Countach: 5,2 Sekunden, 293 km/h).

Auch die Automobil Revue testete 1985 einen V8 Vantage unter dem Titel “von altem Schrot und Korn” und fasste die Eindrücke wie folgt zusammen:
"Der imposante Aston Martin V8 Vantage will kein Hehl daraus machen, dass er den ‘goldenen sechziger Jahren’ entstammt. Das hindert ihn aber keineswegs daran, eines der reizvollsten, echten Luxussportcoupés zu sein, mit dem es viel Freude bereitet, lange Reisen zu unternehmen. Er ist ein Gran Tourismo im wahrsten Sinn des Wortes, und dazu einer der exklusivsten. Den Respekt, den man dem durchaus zu zähmenden Vollblut zollt, verdient er zu Recht.”

Am Rande sei erwähnt, dass der Vantage nur mit Handschaltgetriebe erhältlich war, da die bei Aston eingesetzte Automatik dem hohen Drehmoment nicht standhalten konnte.

Nach acht Jahre wieder ein Cabriolet

Nach Einstellung des DB6 Volante hatte Aston Martin kein Cabriolet mehr im Angebot. Umso erfreuter reagierte die Klientel (u.a. Prince Charles), als im Juni 1978 eine offene Version des V8, wiederum Volante genannt, präsentiert wurde. Designer Edgar Towns hatte die Konvertierung mit viel Feingefühl gestaltet. Zwar ragte das Verdeck im offenen Zustand etwas hoch in die Luft und auch der Kofferraum war in der Grösse geschrumpft, doch kompensierte das neue Frischluftvergnügen diese Nachteile problemlos. Mit rund 300 PS war der Volante das wohl schnellste viersitzige Cabriolet, in dem tatsächlich vier Leute sitzen konnten, seiner Epoche.

Mehr Leistung für den Volante

Für gemütliches Cruisen reichte die Leistung des Standard-Volante eigentlich vollständig aus. Trotzdem wurde in der Birmingham Motor Show des Jahres 1986 der Vantage Volante vorgestellt, kraftstotzend und mit Spoilern, Schwellern und breiten Kotflügeln.

Diese Optik war allerdings nicht nach jedermanns Geschmack und so kam es eben zu jener Bestellung des englischen Thronfolgers, der zwar die überschwängliche Kraft des Vantage, aber die Optik des normalen Volante wollte.

Neben den offiziellen POW-Modellen (für Prince of Wales) wurden auch auf private Initiative hin Standard-Volantes gemäss Vantage-Spec aufgerüstet, so auch der für diesen Bericht abgelichtete Wagen mit Baujahr 1981, der durch den AM-Spezialisten Chapman Spooner Limited Aldridge im Jahr 1989 aufwändig (inkl. Nockenwellen, Kolben und Vergaser) umgebaut wurde.

Luxus, Stil und unendlich viel Kraft

Der Wohlfühlfaktor ist enorm. Kein Wunder liebt Prince Charles den V8 Volante. Zwar ist das Fahrzeug recht gross und die Bedienungskräfte nicht unerheblich, trotzdem schwelgt man an Bord im Luxus. Und dazu gehört auch das manuelle Wechseln der Gänge mit dem Fünfganggetriebe, das die klanglichen Qualitäten des V8-Motors besonders gut unterstützt. Kraft ist ohne Ende vorhanden und dank beachtlicher Servounterstützung lenkt sich der Wagen ohne Bärenkräfte. Viel stilvoller kann man vor dem Hotel “Carlton” in Cannes kaum vorfahren.

Nichts für Pfennigfuchser

Der Aston Martin in der Vantage-Spezifikation entleerte als Neuwagen das Bankkonto um den Wert eines kleinen Einfamilienhauses, CHF 213’900 waren kein Pappenstiel. Als Volante wurde das Auto noch einiges teurer. Und da war ein rechter Aussenspiegel noch nicht mal inbegriffen, sondern kostete weitere fast tausend Franken.

Die hohen Preise stellten eine Verbreitung in homöopathischen Dosen sicher, von den 4’021 produzierten Achtzylindermodellen, die zwischen 1969 und 1989 gebaut wurden, sind nur 706 solche mit Vantage-Ausstattung. Insgesamt wurden 1’149 Volante-Versionen gebaut, der Anteil der Vantage-Version liegt hier bei nur 22% oder 248 Fahrzeugen.

Aber selbst ein seltenes Luxusfahrzeug wie der Aston Martin unterliegt einem deutlichen Wertverlust und auch heute noch kann ein sehr gut erhaltener Vantage oder Volante deutlich unter dem Neupreis von damals gekauft werden. Eine deutlich sechsstellige Summe ist aber auf jeden Fall fällig und die rare Volante Vantage Variante bewirkt kräftige Zuschläge. Auch Unterhalt und Wartung eines derartigen Fahrzeugs sollten nicht unterschätzt werden, denn Ersatzteile sind teuer und Spezialisten rar.

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen , die uns den Aston Martin V8 Volante aus dem Jahr 1981 für eine Probefahrt und die Fotosession überlassen hat.

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