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Kaum Oldtimer an der IAA 2013 oder wie man die Chance verpasst, die eigene Marke emotional aufzuladen

Stefan Fritschi
19.09.2013

Volvo P 1800 im Hintergrund auf der IAA 2013 (© Patrik Cominboeuf / Automobil Revue)

Verglichen mit anderen Automobilausstellung wie dem Genfer Salon ist die IAA in Frankfurt eine gigantische Show. Über rund zehn Hallen plus diverse Aussengelände verteilen sich ungefähr gleich viele Marken wie in Genf. Wer jetzt glaubt, die Hersteller würden das Platzangebot nutzen, um die Historie zu präsentierten, sieht sich leider getäuscht.

So feiert beispielsweise Porsche den 50. Geburtstag ganz ohne einen Urahn von 1963. Er kommt lediglich als Einspielung auf den Hintergrundvideos ins Spiel. Oder Audi stellt einen potentiellen Ur-Sport-Quattro-Nachfolger in leuchtendem Gelb ins Rampenlicht. Was wäre naheliegender, das Original daneben zu stellen? Opel reaktiviert den Monza mit einer schönen Studie. Wo ist der Original-Monza? Die Wunschliste liesse sich endlos verlängern. Nein, es lohnt sich gar nicht, darüber nachzudenken, was alles möglich wäre.

Und warum sollten die Hersteller Oldtimer auf die Messe stellen? Nur um die Bedürfnisse von hoffnungslosen Nostalgikern zu befriedigen? Nein! Der Grund ist, dass den Marken die Kunden davonlaufen. Das Durchschnittsalter eines Neuwagenkäufers hat mittlerweile die 50 überschritten. Den jungen Menschen fehlt das gewisse Etwas. Sie vermissen bei modernen Autos Charakter und Eigenständigkeit. Und sie suchen nach Emotionen. Was könnte eine Marke mehr aufladen, als die eigene Geschichte? Was transportiert mehr Sympathien als ein chromblitzender Oldie? Und das bringt uns auf einen weiteren Punkt. Die Historie ist für die Marke, welche eine hat, ein gigantischer Wettbewerbsvorteil gegenüber den koreanischen oder chinesischen Newcomern, die keinerlei Markengeschichte aufweisen können. Verschenkte Chancen – verschenktes Geld.

Einzig bei Jaguar ist es verständlich, dass der neue C-X17-SUV vorgestellt wird, ohne dass ein historisches Vorbild daneben steht. Es gibt schlicht keines. Aber selbst da hätte ein Hinweis auf die glorreiche Geschichte in Form eines alten Autos enormen Schub gegeben.

Es gibt allerdings doch eine rühmliche Ausnahme: Volvo. Da ist bei der Präsentation des neuen Concept Coupés im Hintergrund und eine Etage höher stets ein schöner weisser P1800 im Blickfeld (siehe Bild oben). Ausgerechnet Volvo – heute in chinesischem Besitz - besinnt sich auf die eigenen Wurzeln und wird sicher Erfolg damit haben.

Subaru positioniert in einer etwas abgelegenen Ecke des riesigen Standes den allerersten Personenwagen vom Typ 360 und zelebriert damit das 55-jährige Produktionsjubiläum. Mini stellt auf der oberen Ausstellungsebene ein vollverchromter Mini aus dem Jahr 1999 aus, welchen David Bowie in Auftrag gegeben hatte. Der Wagen lässt sich wegen seiner glänzenden Aussenhaut leider kaum fotografieren. Dabei wäre ein kleiner böser Cooper S in British Racing Green mit weissem Dach doch der absolute Blickfang gewesen und hätte die anderen Autos verkauft wie warme Brötchen.

Mercedes Benz 280 SL Pagoden auf dem Stand von Brabus auf der IAA 2013 (© Patrik Cominboeuf / Automobil Revue)

Mercedes-Tuner Brabus macht mit zwei Exemplaren der W113-Pagode und des W 108 auf seine Aktivitäten als Restaurierer aufmerksam. Brabus garantiert auf Nachfrage auch, dass die Exponate absolut originalgetreu restauriert seien und keinerlei Tuning unter dem alten Blech zu finden sei. Glauben wir das mal…

Porsche Gruppe B von 1983 auf der IAA 2013 (© Patrik Cominboeuf / Automobil Revue)

Die restlichen wenigen Oldtimer auf Herstellerständen lassen sich an einer Hand abzählen. Immerhin gibt es eine von der Arbeitsgemeinschaft Oldtimer (ADAC Oldtimer Sektion zusammen mit Partnern) organisierte Sonderschau zum Thema „IAA 1983“ mit etlichen interessanten Fahrzeugen wie dem Prototyp des späteren Porsche 959, der damals noch schlicht mit „Gruppe B“ beschriftet war.

Audi Sport Quattro von 1983 ausgestellt auf der IAA 2013 (© Patrik Cominboeuf / Automobil Revue)

Weiter kommen deutsche Ikonen wie der VW Golf II, der Mercedes 190 E 2,3-16, der erste Diesel-BMW 524td, der Opel Calibra oder ein Ford Sierra XR4 zu verdienten Ehren. Und auch Audi Sport Quattro und ein Opel Monza sind da. Allerdings hätte man sich in der Nähe ihrer 2013er Ausgaben gewünscht.

Fiat Ritmo Cabriolet auf der IAA 2013 (© Patrik Cominboeuf / Automobil Revue)

Aus dem Ausland sind zwei Autos zu bewundern, die bereits völlig aus dem Alltagsverkehr verschwunden sind: ein Renault Fuego in der Turbo-Version und ein Fiat Ritmo Cabriolet.

Eine weitere Oldtimer-Sonderschau präsentiert das Rote Kreuz. Zwei unterschiedliche Versionen der Mercedes-Heckflosse als Krankenwagen von Hersteller Binz, oder VW Bus T1, Opel Rekord und Mercedes Strich-Acht als Ambulanz wecken nostalgische Gefühle. Allerdings ist man schon froh, dass man heute von rollenden Spitälern abgeholt wird. Denn die Ausstattung der damaligen Autos war sehr spartanisch und die Chance, dass man den Weg ins Krankenhaus überlebte, wohl weit geringer als heute.

Oldtimer Krankenwagen auf der IAA 2013 (© Patrik Cominboeuf / Automobil Revue)

Damit ist die Oldie-Show schon beinahe beendet, wenn man noch vom Citroen HY des Elsässer Flammkuchenverkäufers oder dem VW T1 mit zeitgenössischem Anhänger als Coca-Cola-Verkaufsstand absieht. Das war’s. Liebe Marketing- und Verkaufsprofis, lasst Euch für 2015 etwas einfallen. Nutzt die Chancen und Möglichkeiten, welche die eigene Historie bietet. Sonst ist man vielleicht selber bald Geschichte…

Wir haben eine kleine Bildergalerie zum Thema “Oldtimer an der IAA 2013) zusammengestellt, die über 30 Fotos der ausgestellten Klassikern zeigt.

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