Wenn sich die Antriebstechnik schneller ändert als erwartet

Bruno von Rotz
10.03.2021

Locomobile Steamer von 1900 (© Bonhams)

Aus heutiger Sicht ist es kaum zu glauben, dass um 1900 nicht die Autos mit Benzinmotoren am besten verkauft wurden, sondern Dampfmobile, gefolgt von Elektromobilen. Auf etwa 40 Dampfautos (im Bild oben ein Locomobile Steamer Typ 2 von 1900) kamen zur Jahrhundertwende in den USA etwa 37 bis 38 Elektromobile und nur 22 bis 23 Wagen mit Verbrennungsmotor.

Vermutlich hatte damals jede Antriebsform ihre Fangemeinde und der Anhänger des dampfgetriebenen Wagens war sicherlich unglücklich, als er seinen doch relativ geräuschlos laufenden und dynamisch beschleunigenden Wagen durch ein Benzinmotorauto ersetzen musste, das durch einen unrunden Lauf auffiel und mit vielen anforderungsreichen Schaltmanövern bei Laune gehalten werden musste.

Doch das Auto mit Verbrennungsmotor setzte sich durch, weil es über die Zeit immer bedienungsfreundlicher wurde (u.a. elektrischer Anlasser) und im Gegensatz zum Dampfauto ohne grosse Vorbereitungszeit zur Losfahrt bereitstand. Das bessere Antriebskonzept, das hohe Reichweiten, schnelle Tankvorgänge und viel Nutzwert bot, gewann schnell die Oberhand. Das Elektroautomobil verlor, sobald die Leute ihre Autos ausserhalb von Städten und über längere Strecken einsetzen wollten.

Vermutlich hätte eine ähnliche Transition, dieses Mal vom Verbrennungsmotor zum batteriegetriebenen Elektromobil, auch in der Neuzeit ohne Zutun wieder stattgefunden. Jetzt aber wird sie durch politische Interventionen beschleunigt, was gleichzeitig enorme Investitionen freisetzt, die hoffentlich zu einer Verbesserung der Technologie (z.B. umweltfreundlichere und leichtere/leistungsfähigere Batterien) führen werden. Problematisch am Vorgehen vieler Regierungen heute ist allerdings, dass Regulierungen meist auf aktuellem Wissen basieren und Innovationen auch bremsen können …

P.S. Gerade gesehen: Bei einer aktuellen Umfrage auf der Website von “auto motor und sport” gehen 44 % davon aus, dass ihr nächster PKW ein Elektroauto sein wird, 11 % sind noch unentschieden. Eine solch hohe Akzeptanz wäre vor zwei Jahren noch komplett undenkbar gewesen, aber so schnell kann’s gehen …

Archivierte Einträge:

von kd******
16.03.2021 (16:56)
Antworten
Wie wäre es mit dem Wankel-Motor und Wasserstoff? DAS wäre doch ein zukunftsfähiges Konzept. Wasserstoff mit Öko-Strom erzeugen, jedoch nicht Kernkraft, das sollte wirklich vorbei sein.
von ka******
16.03.2021 (07:51)
Antworten
Es gibt auch andere aktuelle Umfragen bei denen die Kaufneigung für ein E-Auto sehr gering ausfällt und das aus ganz praktischen Gründen wie z.B. wo in der Stadt das E-Auto aufladen, ständig steigende Stromkosten in Deutschland bei in naher Zukunft abnehmender Versorgungssicherheit des el. Stroms.
Wenn selbst Elon Musk meint daß man für Deutschland bei mehr E-Autos mehr Kernkraftwerke bräuchte diese aber demnächst in der BRD alle abgeschaltet werden zusammen mit etlichen grundlastfähigen Kohlekraftwerken, ja was dann?
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