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Wie sich der Begriff Gran Turismo über die Zeit verändert

Bruno von Rotz
27.10.2020

Maserati 3500 GT von 1965 (© Bruno von Rotz)

Am Sonntag Abend wurde auf BBC 1 zur besten Sendezeit die neueste Folge von Top Gear ausgestrahlt, das Motto war “best of british”. Im üblichen Stil wurden die drei Moderatoren gebeten, in einem britischen “Gran Turismo” (kurz GT) vorzufahren und ein paar Herausforderungen zu bestehen. Interessant war sodann die Auswahl, denn da kamen ein viertüriger Bentley-Zwölfzylinder, ein McLaren GT und ein Aston Martin DBX daher. Gemeinsam ist diesen drei Autos, dass sie stark (über 500 PS) und schnell sind. Aber sie hätten unterschiedlicher nicht sein können. Eine Limousine, ein Supersportwagen und ein SUV? Ist damit die Idee des “Gran Turismo” verraten? Argumentiert wurde, dass alle diese Autos doch eigentlich den Wunsch, bequem und schnell zu reisen erfüllen würden. Und da ist etwas daran, aber blättern wir etwas zurück.

So richtig en vogue kam der Gran Turismo Ende der Fünfzigerjahre. Sportwagen wie der Maserati 3500 GT oder der Ferrari 250 GT erlaubten hohe Reisedurchschnittsgeschwindigkeiten, boten hohe Reserven für Überholmanöver, verfügten aber gleichzeitig über genügend Platz. Auch der Komfort blieb nicht (komplett) auf der Strecke.

In den Sechzigerjahren wurde das GT-Konzept perfektioniert, Autos wie der Lamborghini Espada oder der Ferrari 365 GT 2+2 kamen heraus und stellten eine Alternative zu den ersten Mittelmotor-Supersportwagen dar. Schliesslich wollte niemand einen Ferrari LM oder auch einen Miura ernsthaft als Reisesportwagen für die Familie einsetzen. Der Maserati Bora wartete allerdings bereits mit mehr Komfort auf. Schnelle Limousinen wie etwa den Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 oder den Maserati Quattroporte gab es zwar auch, aber sie dienten meist (noch) anderen Bedürfnissen.

Dieses Segment erhielt allerdings immer mehr Zulauf und in den Achtzigerjahren sorgten Autos wie der BMW M3, der Mercedes-Benz 190E 2.3-16, aber auch der Lancia Thema 8.32 für Furore. Sehr schnell reisen zu können, war schon lange nicht mehr das Privileg der Sportwagen, die Viertürer hatten nachgezogen.

In den Neunzigerjahren dann begannen allradgetriebene und optisch den Geländewagen nachempfundene Personenwagen aufzukommen. BMW X5 und Mercedes-Benz ML strebten dem Range Rover nach, der zusammen mit Jeep-Ablegern das SUV-Segment ins Leben gerufen hatte. Und diese vergleichsweise hoch bauenden 4x4-Limousinen wurden immer schneller. Sogar Porsche zwängte sich in die stetig wachsende Nische, Maserati, Lamborghini, Bentley und zuletzt Aston Martin folgten. Ausgeklügelte elektronische Helfer und bärenstarke Motoren stellten sicher, dass auch diese Semi-LKWs eine schnelle Nürburgring-Runde schafften und sich damit wie die einstigen GT-Sportwagen für die schnelle und komfortable Reise eigneten.

Vielleicht hat sich der Sportwagen einfach zu wenig entwickelt, dass heute Limousinen und Geländewagen ebenbürtig erscheinen? Enzo Ferrari jedenfalls dürfte sich im Grab umdrehen, wenn er sehen müsste, gegen welche 2,5-Tonnen-Alternativen heute seine Sportwagen antreten müssen.

Vielleicht wäre es Zeit, dem Label “Gran Turismo” eine neue Bedeutung zu geben, eine, in der der Sportwagen wieder einen Platz hätte?

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