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Jimmy Froidevaux hat seine Jeans-Jacke abgelegt (Nachruf)

Daniel Reinhard - 27.07.2019

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Froidevaux vor vielen Jahren mit Fotomodell

Irgendwie ist schon die ganze Woche wie verhext. Es läuft überhaupt nichts wirklich nach Wunsch und jetzt noch die absolute Hiobsbotschaft mitten in der Ennstal-Classic. Mein langjähriger Freund und geschätzter Berufskollege Jean Pierre Froidevaux, kurz Jimmy genannt, ist gestern (am 26. Juli 2019) im jungen Alter von 75 Jahren in seiner Wahlheimat Thailand ohne jegliche Vorwarnung verstorben. Er starb genau so, wie er es sich immer gewünscht hat. Schnell und unkompliziert, ohne grosse Altersbeschwerden und ohne langes Leiden. Für ihn wunderbar, für mich und seine vielen, vielen Freunde ein grosser und unerwarteter Schock.

Jimmy war ein Mensch, den man einfach gern haben musste. Ich glaube wirklich, dass er einer der wenigen Menschen war, die überhaupt keine Feinde hatten und von jedem einfach geliebt wurde. Er war immer der gleiche: fröhlich, aufgestellt und gut gelaunt.

1976 lernte ich ihn bei den Rennen zur Schweizer-Meisterschaft kennen, nachdem mir mein Vater schon sehr viel von ihm erzählt hatte: "Da ist ein Kollege, immer in Jeans und Jeans-Jacke mit Vollbart und langen, wilden Haaren, sowie einem roten Taschentuch um den Hals, zusammengehalten von einer Zündholzschachtel. Ein komischer Vogel, ein richtiger Hippie, aber der ist unglaublich sympathisch und sehr nett."

Froidevaux mit Menzi und Dani Reinhard 1989

Schnell wurden wir dann dicke Freunde, reisten viel zusammen und teilten bei hunderten von Rennen die Hotelzimmer. Spass war immer ganz gross geschrieben und nichts, aber auch wirklich nichts, konnte ihn aus der Ruhe bringen. Oder doch?
Ja genau einmal erinnere ich mich, dass er einmal böse Schimpfwörter in den Mund nahm und komplett ausser sich war. Es war beim GP Belgien in Spa, in der damaligen Bus-Stop-Schikane, wo er an für Fotografen berechtigter Stelle von einem Security-Man mit Rottweiler ohne Maulkorb attackiert wurde. Ein Bild eines Kollegen zeigte Jimmy am Boden und die Fresse des Hundes vielleicht 30 Zentimeter vor seinem Gesicht. Diese Nummer war selbst für Jimmy zu viel und er meldete sich zu Recht mit dem Foto des Kollegen bei der FIA und verklagte den Security-Mann.

Alles andere konnte ihn beim besten Willen nicht aus der Ruhe bringen. Etwa, als wir in Montreal anlässlich eines Grand Prix in einem Hotel absteigen mussten, bei dem ständig Leute mit eindeutigen sexuellen Motiven an die Zimmertüre klopften, während Jimmy Filme entwickelte und dann die Negative mit seinem Bildfax nach Zürich transferierte. Dieses Hotel war bereits eine Ersatzlösung, da das erste Hotel zuvor ein derartig grosses Badezimmerfenster hatte, dass man es nicht abdunkeln konnte und es sich daher für die Filmverarbeitung nicht eignete.

Trotzdem standen im Ersatzhotel am Ende fast alle “Hotelgäste” nur mit einem Badetuch bekleidet total fasziniert und interessiert in unserem Zimmer. Und Jimmy? Blieb cool und gelassen.
In Sao Paulo verschwand unser Mietwagen auf mysteriöse Art und Weise aus der Hilton-Hotel-Parkgarage. Das Fahrzeug war nicht mehr auffindbar und so wurden wir mit der Hotellimousine täglich an die Rennstrecke und zurück chauffiert.

Er liebte das Leben und am Abend ein Glas Wein, manchmal durften es auch ein paar mehr sein und dazu seine geliebte Zigarre.

Der gelernte Fliesenleger hielt als Autodidakt immer mit der neuesten Technik mit und kaufte die neuesten, wenn auch sündhaft teuren Bildfax-Geräte, um ja immer aktuell und schnell liefern zu können. Nächtelang übermittelten wir zusammen die Bilder mit dem quietschenden Gerät über das Zimmertelefon, welches dazu immer ein wenig manipuliert werden musste. Schlussendlich konnten wir nur noch schlafen wenn der Kasten, so gross wie ein heutiger Drucker, quietschte. Sobald wieder Ruhe einkehrte, wurden wir wach und wechselten das Bild, um wieder weiterschlafen zu können.

Seine ganz grosse Liebe galt dem Wasser und den Segelbooten. Erst am Walensee, später dann am Bodensee genoss er mit seinem Freund Ruedi Menzi seine Freizeit auf dem Wasser im eigenen Segelboot. Mit seiner Pension und der für Schweizer Verhältnisse knappen AHV, somit ohne grossen finanziellen Rückhalt, verabschiedete er sich vor rund 10 Jahren nach Thailand, wo er sich erst vor kurzem ein neues Haus baute und mit seiner Frau und ihrem Sohn den viel zu kurzen Lebensabend genoss.

Froidevaux mit Dani Reinhard

Mensch Jimmy, was hatten wir für eine verdammt geile Zeit zusammen. Ich vermisse dich und schwelge in all den Erinnerungen, wie wir zum Beispiel auf der Fahrt von Estoril nach Jerez im völligen Nirgendwo von Portugal und natürlich noch ohne Navi nach dem Weg fragen mussten und der Typ völlig ausflippte, weil er dich für Nelson Piquet hielt und unbedingt ein Autogramm wollte, das er dann auch bekam.

Jimmy, Du wirst uns fehlen!

Neueste Kommentare

 
 
Rainer Schlegelmilch:
30.07.2019 (12:22)
Dani, Du hast einen wunderbaren Nachruf über unseren Kollegen Jimmy geschrieben. Seine Fröhlichkeit und Herzenswärme werden schöne Erinnerungen an unsere gemeinsamen Erlebnisse in der Formel 1 bleiben.
Er ist rechtzeitig ausgestiegen, um seinem letzten Lebensabschnitt Erfüllung zu geben. Es hat gepasst!
tu******:
30.07.2019 (12:18)
Wir haben uns in Thailand kennen gelernt. Oft zusammen fein essen gegangen, Motorsport Event in Thailand besucht und immer hast du mir wieder was aus früherer Zeit erzählt, Anekdoten aus einem reichen Leben. Ich danke dir lieber Jimmy, wie dich die meisten nennen. Alles Gute Lek und ihrem Sohn, der nun kein änglisch Titscher mehr hat. R.I.P
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