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Werden die Preise von Oldtimern wirklich stark fallen?

Bruno von Rotz
11.08.2018

Porsche Carrera RS 2.7

Das Thema “Klassiker-Preise” wird gerade im Internet gerne und viel diskutiert. Ein YouTube-Beitrag eines Briten erzielte nicht nur eine beachtliche Anzahl Ansichten, sondern zog auch über 2000 Kommentare an. Seine These im Video besagt, dass die Preise in Zukunft fallen werden und zwar deutlich. Und er drehte das Video nicht aus Eigennutz, denn schliesslich besitzt er einen Porsche 964, bei dem er vom Wertzuwachs der letzten Jahre durchaus profitierte. Er begründet seine pessimistische Zukunftssicht mit vier grundlegenden Charakteristiken des Markts, die damit zu tun haben, dass 1. Zinssätze in den letzten Jahren sehr tief waren, dass man 2. keine Kapitalgewinnsteuer auf den Wertzuwachs alter Autos bezahlen müsse, dass es sich 3. um nicht virtuelle, sondern massive Werte handle und dass 4. diese alten Autos nur in beschränkten Mengen zu haben waren.

Vor allem beim 4. Punkt setzt er dann an und führt aus, dass immer mehr Oldtimer auf den Markt kommen und dass vor allem die Hersteller den Markt mit limitierten Sondereditionen nur so überschwemmen würden. Gleichzeitig gäbe es aber in Zukunft nicht unbedingt mehr Käufer und die Zeiten der tiefen Zinssätze seien vielleicht auch schon bald vorbei. Entsprechend folgert er, dass Oldtimer-Käufer in Zukunft weniger bereit sein würden, viel Geld für alte Autos zu bezahlen. Ergänzend erklärt er noch, dass man ganz besondere Autos, wie z.B. Ferrari 250 GTO, die wirklich nur in sehr beschränkter Zahl verfügbar sind und die man eher mit Gemälden und Kunstgegenständen als “Assets” vergleichen müsse, womit sie eine Ausnahme aus der gezeigten Betrachtung bildeten.

Wenn man sich dann durch die Hunderte von Feedbacks/Kommentaren klickt, spürt man schnell, dass es Leute mit komplett anderen Vorstellungen gibt, aber auch solche, die der Argumentation des Videos etwas abgewinnen können.

Klar ist, und die Auswirkungen sind heute schon spürbar, dass die Leute, die alte Autos nur als Investitionen mit Geldvermehrungszielen kaufen, schon heute nicht mehr auf ihre Rechnung kommen und sich zumindest teilweise bereits wieder aus der Szene verabschieden. Daher sinken aktuell auch die Preise für bestimmte Modelle, die besonders gerne als “blue chip investment” beschafft wurden. Ebenfalls klar ist, dass sich alte Autos kaum mehr vermehren. Es mögen neue und jüngere hinzukommen, aber es entstehen kaum mehr neue BMW Isetta oder Maserati 3500 GT. Die Menge der potentiellen Käufer wird vielleicht in Zukunft weniger stark wachsen als bisher, aber zumindest für die nächsten 10 bis 20 Jahre ist keine enorme Schrumpfung zu erwarten.

Natürlich gibt es Risiken, die schlecht abschätzbar sind, etwa was mit den Zinsen passiert, ob alte Autos steuerlich oder zulassungstechnisch unattraktiv oder gar von der Strasse verbannt werden. Dies dürfte sich deutlich stärker auf die Preise auswirken, als die jedes Jahr neu dazukommenden “Oldtimer”.

Wer anderer (oder gleicher) Meinung ist, kann sich gerne im Kommentarfeld dazu äussern.

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Archivierte Einträge:

von Reiffan
17.01.2020 (18:33)
Antworten
Die immer wieder zitierten Ferrari GTO oder 73er 911 Carrera RS und andere Höchstpreisklassiker sind zwar immer wieder mal gut um irgendwelche Auktionsrekorde zu brechen, aber haben mit der Basis der Klassikerszene nichts zu tun. Was mich, als "Kleinverdiener" interessiert, sind die Autos, welche wir in unserer Kinder - und Jugendzeit auf den Strassen gesehen haben und vielleicht mal unsere Eltern bestürmt haben, zu kaufen... Waren das GTO's oder die andern bereits Genannten? Nein, es waren die Opel Manta A oder Opel GT, der MG B und C oder Triumph- TR 3,4,5,6 oder ein BMW 2500, der BMW CS oder Mercedes 350 SL oder der Mini Cooper .(Aufzählung nicht abschliessend)
Ich bewege mich seit den frühen 1980er Jahren in der Oldtimerscene und hatte gesamthaft schon ca. 70 Autos, aus diesem Segment und auch darunter. ( Kadett B, Ascona A VW Polo etc. Ich habe sie alle gefahren und immer wieder verkauft, um mir einen evtl schnelleren oder, für mich, schöneren Wage kaufen zu können. Nach ein paar, eigentlich viel zu komplizierten und dam it auch zu teureren Autos, komme ich zurück zu den letzten, auch heute noch bezahlbaren und auch fahrbaren Oldtimern, welche viiiel zu langsam und unpraktisch sind, aber in der heute, scheinbar, so perfekten Welt mit den Automobilen Eierlegenden Wollmilchsäuen, welche alles gleichzeitig sind: geländegängige, dauerinternetverbundene Cabriocoupésuvkombilimousinensportwagencompactcrossoverraumwunder, welche abgasfrei Nürburgringrundenrekorde erzielen und den Wohnwagen auf den Mount Everest ziehen. Ich habe mich von diesem +2 Tonnenwahnsinn nicht einwickeln lassen und freue mich auf dem Weg zur Arbeit am Mazda MX5 oder Opel Speedster oder Mercedes SLK der ersten Serie, und als Oldtimer sind es Super 7, MGA und bald ein Opel GT, die, alle, ausser dem SLK unter 1100kg wiegen und auch durch das Fehlen all dieser unsinnigen Gadgets der heutigen Autos pure FREUDE am FAHREN bringen, in jede kleine Parklücke passen und man sogar ohne Ingenieurstudium eine Beleuchtungsbirne SELBER wechseln kann! JA, wirklich sogar ein Scheibenwischerblatt zu ersetzen erfordert keinen 2 stündigen Aufenthalt im Mahagoniholzgetäfelten Aufenthalslounge, während sich ein armer, gestresster Mechatroniker mit den vermaledeiten Erfindungen der Automanufakturen auseinandersetzen muss.
Es ist das einfache, dass mich an den genannten Autos fasziniert und mich gerne Filme aus den 50er und 60er Jahren, mit Wehmut , schauen lässt. Ich bin froh, dass ich diese Zeiten z.T. noch erlebt habe, als man OHNE Telefoncomputer aus dem Haus ging, frei war von den Zwängen des Dauernderreichbarseins und, eben EINFACH LEBTE.
Arme neurotische Klimapanikjugend, ich beneide keinen von euch der sein ganzes, scheinbar so tolles Luxusleben auf Pump in Facebook zur Schau stellen muss.
Sorry, bin etwas abgeschweift...
Oldtimer mehr oder weniger eigenhändig am laufen zu halten, hat wohl mit den 90er Jahreautos aufgehört. Selber restaurieren wird ab da auch kaum mehr möglich sein, da alles, selbst im Motorraum aus aus Plastik ist und nicht mehr lieferbar ist, wenn man es zum ersten Mal auseinander nimmt und alle Befestigungsklips gebrochen sind. ( ich liebe Türverkleidungen und Armaturenbrettverkleidungen, welche geschraubt sind)
Die Alten, wie ich, welche ein Vergaser(was ist das???) Auto starten können, sterben aus und somit auch die fahrende Klassikerszene. Aber, die Zukunft wird alle Spekulationen lügenstrafen oder eben bestätigen. Schaumermal...
von vo******
15.08.2018 (01:10)
Antworten
"echte" Klassiker aus den 50er bis 70er Jahren vermehren sich logischerweise nicht mehr und ich habe hier keinerlei Bedenken bez. Werterhalt.
Natuerlich kommen per derzeitiger Definition - aelter als 30 Jahre - jaehrlich eine Menge "neuer Oldtimer" auf den Markt.
Die wenigsten davon sind m.E. echte Klassiker bzw. haben das Potential dazu.
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