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Mehr oder weniger zuverlässig - Rückblick auf 30 Jahre Dauertest

Bruno von Rotz
15.08.2018

Rückblick 30 Jahre Dauertest in AMS (1993)

Vor ziemlich genau 25 Jahren fasste Klaus Westrup in der Ausgabe 3/1993 von Auto Motor und Sport 30 Jahre Dauertesterfahrungen zusammen. Bis zu jenem Zeitpunkt hatten 188 Autos über elf Millionen Kilometer zurückgelegt, die meisten jeweils 100’000 km, in den Anfängen durften es aber auch maximal 35’000 km sein.

Dass hier einiges passierte, konnte erwartet werden, aber alleine schon die Tabelle der 85 Autos, die eine sechsstellige Kilometeranzahl zurücklegte, zeigt strahlende Sieger und traurige Verlierer. Von diesen war ein Mazda 626 2.0i GLX von 1989 mit Abstand der zuverlässigste Wagen. Er war sozusagen ein Auto ohne Fehl und Tadel. An zweiter Stelle folgte erneut ein Mazda, diesmal der MX5. Und auch die Plätze 3 bis 5 gingen an japanische Autos. Erst auf Platz 6 dann der erste deutsche Personenwagen, ein VW Golf Kat (zusammen mit dem Audi 80 1.9 E. Der Porsche 911, der bereits 1975 die 100’000 km absolvieren durfte, schaffte es übrigens auf den 18. Platz. Nur gerade eines der 25 zuverlässigsten Autos musste abgeschleppt werden, die anderen schafften die Distanz alle ohne Abschlepper.

Ganz anders sah es dann am anderen Ende der Tabelle auf. Platz 85 nahm der Citroën CX 2400 von 1978 ein, der insgesamt 65 Tage in die Werkstatt musste und vier Mal abgeschleppt werden musste. Nur einen Platz besser allerdings war ein Opel Senator 3.0E von 1980, der einen kapitalen Motorschaden zu beklagen hatte. Der Opel musste übrigens zweimal abgeschleppt werden.

Und selbst der sprichwörtlich zuverlässige VW Käfer brachte es 1974 nur auf den 69. Platz, sein Mängelindex lag rund 20 Mal höher als jener des Mazda 626 auf Platz 1. Immerhin kam der Wolfsburger ohne Fremdhilfe ans Ziel, während etwa der Toyota Landcruiser TD von 1988 gleich zweimal an den Haken musste.

Das Durchforsten der drei Dauertestlisten (100’000, 50’000, 35’000) bringt einige Überraschungen und der moderne Autofahrer kann sich eigentlich kaum vorstellen, wie häufig man vor 30 oder 50 Jahren mit seinem Auto in Schwierigkeiten geraten konnte.

Es gab übrigens auch einige kuriosere Versuche, die Zuverlässigkeit von Automobilen zu prüfen. So traten 1981 ein Citroën 2CV und eine BMW R65 über 30’000 km gegeneinander an. Beim Kilometerpreis schnitt das Auto günstiger ab als das Motorrad, vor allem weil die BMW acht neue Reifen brauchte über diese kurze Distanz.

Und 1978 versuchten sich die AMS-Redakteure an einem zehnjährigen Gebrauchtwagen, einem Aston Martin DB6 von 1968. Das Experiment lief über 7000 Kilometer und wurde ein teures Vergnügen, denn inkl. Benzin und Öl mussten über diese Distanz DM 10’000 aufgewendet werden. Dabei wurden bis zu fünf Liter Öl pro 1000 km nachgeschüttet. “Der Alte war aufregend schön”, befanden die Tester damals, “aber auch ganz schön aufregend”.

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von Reiffan
19.01.2020 (08:47)
Antworten
So, wie man hier liest, könnte man meinen, dass die heutigen Autos extrem zuverlässig seien. Aus meiner Erfahrung als ehemaliger Automechaniker und Vielfahrer, komme ich zu einem differenzierterem Schluss.
Die Zuverlässigkeit hatte früher sehr viel mit der Wartung, welche viel öfter (kleiner Service alle 5000km, grosser alle 10'000km) gemacht werden musste und welche einiges mehr erforderte:
So mussten damals halt noch, regelmässig diverse Stellen mittels Schmierpresse abgeschmiert werden. Vorteil: solche IMMER REGELMàSSIG geschmierte Stellen ( Radlager, Achsaufhängungsteile, Kardanwelle, Antriebswellen, hielten oft ein Autoleben lang. Zündungsteile (Unterbrecher, Kondenser, Kerzen) waren alle 10'000km zu ersetzen, Türschlösser zu ölen etc... Aber die Servicearbeiten wurden oft schludrig gemacht, oder von den Kunden nicht oder viel zu spät in Auftrag gegeben. Da sind moderne Autos viiiel wartungsärmer. Anderherum hat man heute, als Kunde, als auch als Garage und Mechaniker kaum die Chance, die Pannenhäufigkeit mit guter Wartung zu beeinflussen, da es heute primär, wartungsfreie, elektronische Bauteile sind, welche zu Pannen führen.
Ich hatte in meinem rund 50 Autofahrerjahren mit rund 70 Autos und nur 1 Einziges neu gekauft (1994er Caterham Super 7, welchen ich noch immer besitze) Ansonsten hab ich, aus Tests und Erfahrungsberichten und technischem Eigenwissen, meist bekannt zuverlässige und oft einfache Autos gekauft. Meist waren es Freiläufer, welche bei Zahnriemenschaden keinen Motorschaden verursachten, oder solche mit Kettenantrieb der Nockenwelle. Ich hatte die Wartung meist selber gemacht und bin sehr gut mit den alten Autos gefahren. Heute ist mein Alltagsauto ein Jg2000 Mazda MX5, welcher mich einmal hat stehen lassen... Grund: ein Nockenwellensensor (elektronic...) Ansonsten beim SLK R170 war es der Querbeschleunigungssensor (elektronic...) Beim Kadett E das Benzinpumpenrelais (elektromechanisch) beim Golf 1 GTi und dem MGB/C die Benzinpumpe (elektrisch...)
Im allgemeinen hatte ich nicht viele Probleme in den über 1 Mio Kilometern, die ich in den rund 50 Jahren gefahren bin.
Und ich fahre heute bewusst nur Autos, welche 20 Jahre bis 63 Jahre alt sind) genau darum, weil ich zuverlässig und relativ günstig ankommen will.
von ka******
21.08.2018 (10:13)
Antworten
Als Student konnte ich mir in den 70er Jahren nur gebrauchte Autos leisten, alles waren es Ponton-Mercedes der Typen 180 und 219, später, schon im Berufsleben, kam noch ein 220a dazu.
Das beste Fahrzeug war der Typ 180 mit 68 PS.
Der lief einfach.
Klar habe ich regelmäßig die Wartung gemacht, und gleich nach dem Kauf mit knapp unter 100 000 km die Zündkerzen, die Zündkabel und Unterbrecherkontakte erneuert.
Einmal, bei sehr strengem Frost und gemessenen minus 23°C fuhr ich die 5 Kilometer zur Arbeit.
Sehr schnell ging die Temperaturanzeige über 80°C hinaus und dann über die 120°C bis zum oberen Ende der Anzeige.
Jeden Moment rechnete ich damit daß es einen Knall geben würde aber dann ging die Anzeige auf etwas über 80°C zurück und der Motor lief weiterhin ohne zu mucken.
Im Kühler war das Kühlwasser nur bis minus 20°C eingestellt gewesen.
Das habe ich dann schnell auf minus 25°C verändert.
Der Motor hat jedenfalls keinen Schaden genommen.
Jahre später habe ich ihn dann, bestens gepflegt, an eine Kollegin meiner Frau verkauft die ihn bald darauf an einer Kreuzung in den Auto-Himmel befördert hat.
Dank der nachgerüsteten Sicherheitsgurte ist ihr nichts passiert.
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