So geht Patina - das Mercedes-Benz-300-SL-Paar aus den USA
“Ich erhielt sie 1964 von meinem Vater, ich fuhr sie nicht viel, ich behielt sie einfach”, sagt der heute rund achtzigjährige Besitzer von seinen beiden Mercedes-Benz 300 SL. Tatsächlich, es dürfte sich wohl um das einzige 300-SL-Paar (Flügeltürer und Roadster) handeln, das immer noch in erster Hand (Familienbesitz) ist und nie restauriert, aber im funktionsfähigen Zustand erhalten wurde.
Gooding hat das Privileg, sie in der Pebble-Beach-Versteigerung anzubieten. Und um diese kleine Sensation anzukündigen, drehten die Leute von Gooding & Co ein sehenswertes und durchaus sympathisches Filmchen :
Der Flügeltürer stammt aus dem Jahr 1955 und wurde damals direkt von Max Hofmann in New York gekauft. Mit seiner Lackierung in British-Racing-Green und dem beigen Leder im Interieur verkörpert er eine seltene Farbkombination. Gefahren wurde der Flügeltürer wenig, vermutlich wurde es dem Besitzer im warmen Klima einfach zu heiss im Coupé, so dass heute nur 16’000 Meilen auf dem Tacho stehen.
Der Roadster wurde zwei Jahre später neu gekauft, silberblau-metallic und mit grauem Interieur. Sogar das originale auf den Wagen zugeschnittene Karl-Baisch-Gepäck sitzt im Kofferraum. 38’000 Meilen wurden mit dem Roadster zurückgelegt in den exakt 60 Jahren bis heute.
Für Hochglanz-Fanatiker wären die beiden 300 SL natürlich ein Graus, denn sie wirken reichlich verwittert und mit kontinuierlicher Pflege hätte man sie wohl besser erhalten können. Sie haben offensichtlich unter der Umständen gelitten, aber sie sind ausserordentlich authentisch und original. Im Vergleich zu manchem Concours-SL, an dem kaum noch eine Schraube aus der damaligen Zeit stammt, stehen diese Autos genau in der Zusammensetzung da, in der sie damals das Werk in Sindelfingen verlassen haben. Dass das eine oder andere wohl auch behelfsmässig repariert werden musste von Zeit zu Zeit, versteht sich von selber.
Und was sollen sie kosten? Der Flügeltürer wurde auf USD 1 bis 1,3 Millionen geschätzt, der Roadster auf USD 800’000 bis 1 Million. Es wäre aber sehr gut möglich, dass am 18./19. August 2017 auch deutlich mehr geboten würde für die beiden Autos. Und eigentlich sollte man sie ja weder separieren, noch restaurieren, so wie es sich der heutige Besitzer wünscht.
P.S. Die Bilder wurden von Brian Henniker für Gooding & Co fotografiert.


























