Ein Traum wird Wirklichkeit - die eigene Fahrt im Formel 1

Daniel Reinhard
19.04.2017

Fahrt im Formel 1 Doppelsitzer

Nach 37 Jahren als GP-Fotograf immer knapp daneben, hat es dank "Passion4speed" geklappt, die eigenen Vorstellungen der Fahrdynamik eines F1 für einmal am eigenen Leib zu erleben, besser zu geniessen.

Der AGS-Doppelsitzer ist natürlich mit dem in die Jahre gekommenen Ford-Cosworth Motor bereits wieder weit weg vom heutigen Hybrid-Turbo Motor. Dazu kommt das höhere Gewicht durch das Mehrgewicht des Passagiers und die verminderte Fahrdynamik durch den verlängerten Radstand, um überhaupt einem Passagier Platz bieten zu können. Aber egal, denn auch dieses Auto zählte einmal zum Mass der Dinge.

Einmal im Cockpit hinter dem Piloten, eng am Chassis festgezurrt, gibt der V8 seine rund 650 PS an die Antriebsräder weiter und schiebt das Auto vehement an. Aber nicht wirklich beeindruckend, eigentlich genau so, wie man es sich immer schon im Traum vorgestellt hat.

Nach einer längeren Geraden rast man auf den ersten richtigen Bremspunkt zu. Allerdings sind wir schon lange daran vorbeigefahren und ich steh bereits seit mehreren Metern gedanklich auf der Bremse. Wann wird der Pilot vor mir endlich bremsen? Das kann ja so nicht gut gehen. Im Kopf weiss ich aber, dass eine F1-Bremse mit nichts auf der Welt zu vergleichen ist. Sie vernichtet die enorme Bewegungsenergie auf nur wenigen Metern. Genauso kommt es auch. Am Punkt, wo ich gefühlsmässig die Bremse wieder lösen würde, um so langsam in die Kurve einzulenken, steigt der Fahrer erst in die Eisen, das dann aber richtig. Der Kopf wird nach vorn gezogen und mit jedem Zentimeter steigt das Gefühl, mit der Giraffe verwandt zu sein. Diese Form Energie-Vernichtung lässt sich kaum beschreiben, erst, wer dies am eigenen Körper erlebt hat, kann dies nachvollziehen.

Die zweite unbeschreibliche Situation sind langgezogene schnelle Ecken, bei denen man die Aerodynamik und das damit verbundene Festsaugen des Fahrzeugs auf der Strecke am eigenen Leib deutlich spüren kann. Kein Reifen dieser Welt könnte das Fahrzeug allein mit dem mechanischen Grip so auf der Strasse halten. Auch in diesen Fahrsituationen muss die Fliehkraft wieder vom Nacken verarbeitet werden. Verspürt man schon im Renn-Kart seitliche Fliehkräfte in schnellen Kurven, so erhöhen sich diese G-Kräfte im F1 um ein Vielfaches. Man beginnt schon nach einer Runde das harte Nackentraining der professionellen Rennfahrer zu verstehen. Ohne, geht gar nicht! Bei den 53 Runden in Monza mit den drei superschnellen Rechtskurven, der Curva Grande, den beiden Lesmos sowie der Parabolica wird den Fahrern 159 mal der Kopf von einem davonrennenden Nashorn zur Seite gerissen. Absolut unvorstellbar.

Eindrücklich bei der Fahrt im F1-Doppelsitzer ist es aber auch, wie angenehm die Fahrt im Grossen und Ganzen ist. Trotz der harten Federung ist überhaupt kein Geholper und Gepolter zu spüren. Man kann sich ganz in Ruhe auf die Fahrdynamik konzentrieren und ganz einfach vor Freude laut in den Helm schreien, denn es hört einen ja sowieso niemand.

Der gelbe Alarmknopf zwischen den beiden Handgriffen, um den Fahrer im Notfall zu einer langsameren Gangart aufzufordern, könnte aus meiner Sicht mit einem grünen Knopf getauscht werden, um den Fahrer von einer Qualifikationsrunde in die Nächste zu prügeln.

Am meisten aber beeindruckte mich die Geduld des Fahrers. Das Warten auf den Moment des Beschleunigens aus engen Kurven, ist abhängig vom Öffnen der Lenkung. Er erklärt, dass man sich vom Lenkrad zum Gaspedal einen Draht mit Umlenkrolle vorstellen müsse, welche beim Öffnen der Lenkung 1:1 das Gaspedal anspricht. Hat man die Geduld dazu nicht und drückt zu früh bzw. überproportional auf die Tube, ist der Dreher bereits eingeleitet.

Ich kann wirklich nur jedem Motorsport-Fan empfehlen sich einmal eine derartige Passagierfahrt zu leisten, denn nur so kann man sich den harten Job eines Rennfahrers vorstellen und all jene die glauben, dass "dieses im Kreis herumfahren" kein Sport sei, werden im Nu eines Besseren belehrt.

Für alle Interessenten einer F1-Passagierfahrt gibt es weitere Informationen dazu auf der Website des Veranstalters .

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