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Der Renault Sport Spider – Das Gelbe vom Ei

Erstellt am 15. April 2021
, Leselänge 5min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
53
Renault Communication 
11
Renault Sport Spider (1997) - Für die Rennstrecke gebaut, für die Strasse angepasst
Renault Sport Spider (1997) - Grosse Frontscheinwerfer
Renault Sport Spider (1997) - Offener Fahrspass-Garant
Renault Sport Spider (1997) - eine reine Fahrmaschine
Renault Sport Spider (1997) - Die Karosserie wirkt heute noch futuristisch
Renault Sport Spider (1997) - Klein aber fein
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Der Renault Sport Spider wurde erstmals 1995 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt. Startschuss zum Projekt W94 war im Herbst 1994. Der vorerst für den Rennsport konzipierte, dann der Strasse angepasste Spider ist eine reine Fahrmaschine. Der Komfort aufs Minimum, der Fahrspass aufs Maximum getrieben, bietet er nicht nur optisch, sondern auch dynamisch Fahrspass pur. Der Sport Spider vereint den Witz des Buggys und die Kompromisslosigkeit von Rennwagen mit alltäglicher Mechanik. Viele kennen das Auto nicht und wundern sich dass dieser "Ferrari" oder "Lamborghini", gar kein Italiener, sondern eben ein Franzose ist.

Bild Renault Sport Spider (1997) - Offener Fahrspass-Garant
Renault Sport Spider (1997) - Offener Fahrspass-Garant

Seine Karosserie wirkt noch heute futuristisch. Front- und Motorhaube, sowie der Mittelteil mit den Türen sind aus leichten Verbundwerkstoffen gefertigt und lassen sich mit wenigen Handgriffen entfernen. Der im März 1995 sogar ohne Frontscheibe, nur mit einem Windabweiser präsentierte Zweisitzer trägt unter seiner zweifarbigen Kunststoffkarosserie einen soliden Gitterrohrahmen aus Aluminiumprofilen. Am ganzen Auto inklusive dem Fahrwerk kam das Leichtbaumaterial zum Einsatz. Das vordere Fahrwerk mit den querliegenden Federbeinen, sowie die Pedalerie sind manuell einstellbar. 

Bild Renault Sport Spider (1997) - wenig Ausstattung, aber alles was man für sportliches Fahren braucht
Renault Sport Spider (1997) - wenig Ausstattung, aber alles was man für sportliches Fahren braucht

Ein Jahr nach dem Windabweiser-Spider kam die etwas alltagstauglichere Version mit beheizbarer Frontscheibe jedoch mit 35 kg höherem Leergewicht.

In der Schweiz wurde der Windabweiser erst nicht anerkannt und erst Monate später zugelassen, daher war die Scheiben-Variante schneller erhältlich.

Motor vom Clio-Williams

Aus dem Spider-Cup-Fahrzeug abgeleitet, sorgt im damals 43`700 Franken teuren Spider der Clio-Williams 2,0/16V für Vortrieb. Der Vierzylinder, ausgestattet mit leichteren Pleueln und grösseren Einlassventilen, ist quer vor der Hinterachse eingebaut. Auf dreh des Zündschlüssels folgt kein Donnerrollen, kein giftiges Fauchen, leider nur der dezente  Sound des Vierzylinders. Dafür klackt der Schalthebel metallisch und die Kupplung packt bissig zu. Der knapp 3,8 m lange Kurvenkünstler, bereitet mit knapp 150 PS pures Fahrvergnügen. Der Sauger hat mit dem leer 965 kg (930 mit Windabweiser) wiegenden Zweisitzer ein leichtes Spiel, zusammen mit einem Drehmoment von 185 Newtonmetern bei 4500 U/min gelten die Fahrleistungen heute noch als respektabel.

Bild Renault Sport Spider (1997) - Der Motor
Renault Sport Spider (1997) - Der Motor

Klar wäre er mit dem 6-Zylinder-Motor, wie er 1996 in Le Mans zum Einsatz kam, noch um ein Vielfaches geiler, aber auch wesentlich teurer in der Anschaffung wie auch im Unterhalt geworden. Und ganz ehrlich mit all den vorherrschenden Tempolimiten ist man auch mit dem Vierzylinder nach wie vor immer zu schnell unterwegs. Dreht man ihn auf über 4000 U/min, wechselt der Motor vom unverbindlichen Big-Band-Sound zum hellen, metallischen Crescendo. Flott wählt man sich auf kurzen Wegen durch die sauber geführten fünf Gänge. Einzig der 2. Gang dürfte etwas kürzer übersetzt sein, um aus Spitzkehren einen besseren Zug zu haben. Der Verbrauch liegt auch bei sehr sportlicher Fahrweise zwischen 8 und 10 Liter.

Bild Renault Sport Spider (1997) - Mit dickem Überrollbügel
Renault Sport Spider (1997) - Mit dickem Überrollbügel

Die Eckdaten für Radstand 2343 mm und Spurweite vorn/hinten 1543/1536 schreien beim Zweisitzer nach einem Ausflug auf kurvige Landstrassen; die Mischbereifung von 205/50 R16 vorn, und 225/50 R16 hinten unterstützt dies noch ganz gewaltig. Autobahntempi bis 215 km/h sind zwar machbar, aber mit dem doch hart abgestimmten Fahrwerk nicht wirklich empfehlenswert. Der Sprint auf Tempo 100km/h endet nach 7,1 s - mit Windabweiser gar nach 6,9 s.

Fahrdynamik

Etwas weniger auffallend ist man im blauen oder roten Spider unterwegs, aber eigentlich passt nur Renaults Hausfarbe knallgelb so richtig. Wer mal Erfahrungen im Kart gesammelt hat, erkennt schnell starke Ähnlichkeiten zu diesem wendigen Flitzer. Doppelte Dreiecklenker sind vorne und hinten über Uniball-Gelenke spielfrei mit dem Chassis verbunden. Hohe Haltekräfte und minimale Seitenneigung lassen Kurven zum Erlebnis werden. Allerdings bleibt allzu wildes tun nicht ohne Auswirkungen. Zu schnell angegangene Biegungen quittiert die heckbetonte Gewichtsverteilung von 43 zu 57 Prozent zunächst untersteuernd, wird der Gasfuss angehoben so reagiert er schnell mit Uebersteuern. Bremst man ihn mit den aus dem Alpine A610 Turbo stammenden Bremsen in eine Kurve, aber auch bei Lastwechsel auf nasser Strasse ist grosse Vorsicht geboten, denn die Hinterachse setzt schnell zum Uebeholen an. Der kurze Radstand lässt das Heck schnell locker werden. Natürlich reden wir hier bereits von einer sehr sportlichen Fahrweise, wo sich der geübte Lenker aber so richtig wohl fühlt. Für die meisten Zweiradfahrer wird er zu einer echten Gefahr.

Bild Renault Sport Spider (1997) - Kunststoffkarosserie
Renault Sport Spider (1997) - Kunststoffkarosserie
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Luxus? Wo, wo, woooo?

Auf Luxus  wurde von Anfang an komplett verzichtet, etwa auf eine Servolenkung, ABS, oder auch nur ein Dach über dem Kopf. So lieferte Renault serienmässig auch nur eine mit Reissverschluss zwischen Fahrer und Beifahrer teilbare Persenning, zum Schutz vor Wasser im Innenraum, mit. Die beiden Plastik-Sitzkissen sind nur mit Klettverschluss gesichert und können jederzeit mit ins trockene Restaurant genommen werden und das wenige sich im Cockpit ansammelnde Wasser während der Fahrt läuft schnell ab. Ein Verdeck für den Spider gab es erst später aber auch nur als Extra und auf 60 km/h begrenzt. Einzig die bereits erwähnte Frontscheibenheizung war von Anfang an dabei und dient der Sicherheit, da das Glas bei wechselnden Witterungsbedingungen sehr schnell beschlägt. Eine Heizung sucht man ebenfalls vergebens, aber bitte wer spricht beim Ski- oder Motorradfahren, beim Golfen oder Klettern von einer Heizung.

Bild Renault Sport Spider (1997) - Wer braucht Luxus, wenn man stattdessen Fahrspass haben kann
Renault Sport Spider (1997) - Wer braucht Luxus, wenn man stattdessen Fahrspass haben kann

Zudem ist das Auto bei kühlen Temperaturen viel angenehmer zu fahren, da der Motor eine wunderbare Wärme ausstrahlt, im Gegenzug aber eine hohe Aussentemperatur nicht weggekühlt werden kann. 

Durch die sich nach oben öffnenden Scherentüren nimmt man auf gut ausgeformten Sportschalen von Recaro Platz. Im Vergleich zur Lotus Elise oder dem Opel Speedster, bietet der Renault deutlich grosszügigere Platzverhältnisse. Für Grossgewachsene kann noch die Pedalerie verschoben werden, da die Sitzverstellung nach hinten begrenzt ist.

Bild Renault Sport Spider (1997) - Wer braucht schon ein Dach, wenn er dafür Fahrspass haben kann
Renault Sport Spider (1997) - Wer braucht schon ein Dach, wenn er dafür Fahrspass haben kann

Schalter im Cockpit sind eine wahre Seltenheit, nur zwei (Warnblinker und Scheibenheizung) sind vorhanden.  Im Blickfeld des Fahrers stehen der Drehzahlmesser, sowie Oeldruck- und Wassertemperatur-Anzeige. Dazu gesellt sich noch in der Mitte des Armaturenbretts, oberhalb der Mittelkonsole die digitale Anzeige aus dem Twingo mit Geschwindigkeitsangabe, Kilometerstand und Benzinanzeige. Durch das Heck-Mittelmotor-Konzept ergibt sich unter der vorderen Haube in einer Kunststoffwanne ein 78 Liter grosses Gepäckreservoir, das für den Wochenendtrip zu Zweit ausreicht.

In maximal vier Exemplare pro Tag verliessen die Sport Spider gut drei Jahre lang das Alpine-Werk in Dieppe, wohin die zuvor bei Hydro-Aluminium in Norwegen fabrizierten Chassis angeliefert wurden. Die Produktionszahlen des Spider beliefen sich von Frühjahr 1995 bis Februar 1999 je nach Quelle rund 1730 Exemplare, inklusive den 90 Cup-Autos, welche im Vorprogramm hochkarätiger Rennserien wie der Formel 1 und der britischen Tourenwagen-Meisterschaft für Stimmung sorgten. Die doch geringe Stückzahl lässt die Preise für den flotten Franzosen mittlerweile merklich ansteigen.

Fazit der Automobil Revue 1997: Wer den Spider sein Eigen nennt, ist hart im Nehmen, denn der schnittige Wagen besitzt ähnliche Attribute, die auch Fahrer eines Super Seven beflügeln. Der Alltagsnutzen rückt dabei weit in den Hintergrund, um dem puren Fahrvergnügen Platz zu machen, und davon hat Renault eine volle Ladung im Spider verpackt.

Bild Renault Sport Spider (1997) - Einladend
Renault Sport Spider (1997) - Einladend

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Bild Renault Sport Spider (1997) - Offener Fahrspass-Garant
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Bild Renault Sport Spider (1997) - Sorgt für Aufsehen
Bild Renault Sport Spider (1997) - Fühlt sich am wohlsten auf engen Landstrassen
Bild Renault Sport Spider (1997) - radikaler Franzosen-Sportler
Bild Renault Sport Spider (1997) - Mit dickem Überrollbügel
Bild Renault Sport Spider (1997) - Nicht gerade böse, aber umso futuristischer sieht er aus
Quelle:
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von ro******
27.04.2021 (20:38)
Antworten
Hallo Community, ich war auch ein paar Jahr Besitzer eines Spiders, genauso wie in der Bildstrecke, gelb mit Windschutzscheibe. Bin nicht ganz mit meinem Vorredner einverstanden, für Weicheier ist auch diese Version nicht, eher für solche, die das Teil noch an ein paar zusätzlichen Tagen bewegen wollten, was mit der Luftabweiser-Version dann schon schwierig wäre. Als ehemaliger Kart-Pilot hat mich das Auto wie kein anderes an die enge Rennstrecke erinnert, wie schnell und ohne jegliche Karrosseriebewegung man auf der Autobahn die Spur wechseln konnte, brachte machen Vor- oder Hinterherfahrer wohl in helle Aufregung. Der Grund für mich den Spider schlussendlich doch zu verkaufen, war der wirklich eingeschränkte Alltagsnutzen, viel höher als bei einem Töff ist er echt nicht und man wird ja älter... ;-) denke jedoch immer noch mit viel Freude an unzählige Passfahrten zurück, bei welchen das Heck so herrlich zuckte und überhaupt kein ESP oder ABS irgendwie eingriff - wunderbar.
Antwort von bu******
27.04.2021 (21:22)
Ja natürlich ! alles was Sie sagen ist echt; und den Spider zu fahren: jede Sekunde ein Erlebnis!
Ich wollte nur erinnern, daß es damals sensationell war durch den abgeleiteten Luftstrom faktisch eine Windschutz-Scheibe zu haben. Und es funktionierte sogar bei Regen wenn man schneller fuhr.
Allerdings suchten wir immer wolkenfreie Strecken...
Dem Motor gönnten wir einen Turboumbau, sodass mit ca 280 PS keine welchimmergeartete Einschränkung am Fahrspass vorhanden war.
Irgendwie trauere ich diesen herrlichen Zeiten mit ihren Freiheiten schon nach.
Auch ich habe mein Alter erreicht und geniese den Komfort.

Liebe Grüsse an die Community

und ich springe immer noch vor Freude hoch wenn ich einen gelben Spider sehe !

von bu******
27.04.2021 (11:39)
Antworten
die windschutzscheiben Version ist nicht das Gelbe vom Ei sondern das Weichei.

LG eines alte Spiderpiloten
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Renault Sport Spider - Verkaufsprospekt (1995, franz. & engl.)
Renault Sport Spider - Verkaufsprospekt (1995, franz. & engl.) - Seite 1
Renault Sport Spider - Verkaufsprospekt (1995, franz. & engl.) - Seite 2
Renault Sport Spider - Verkaufsprospekt (1995, franz. & engl.) - Seite 3

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