Werden Autos der späten Achtzigerjahre die besseren Oldtimer?

Bruno von Rotz
12.02.2015

Porsche 944 S2 Cabriolet von 1989 (© Bruno von Rotz)

In der aktuellen Auto Bild klassik 3/2015 findet sich ein Artikel, der darlegt, dass eigentlich die Ende der Achtzigerjahre gebauten Fahrzeuge zu den qualitativ besten gehören würden und näher am Langzeitauto seien, als frühere oder spätere Generationen.

BMW M5 von 1985 (© BMW AG)

Bei kurzem Nachdenken findet man tatsächlich viele gute Gründe, warum dies so stimmen kann. Die Rostprobleme der Siebzigerjahre waren dank Verzinkung, besseren Lackierverfahren usw. weitgehend überwunden. Gleichzeitig kamen die Sparmassnahmen, die viele Hersteller in den Neunzigerjahren ergriffen, um ihre Renditen zu steigern, noch nicht zum tragen.

Mercedes-Benz 190E 2.3-16 (© ADAC)

Aus Oldtimersicht und -wartung interessant ist auch das Faktum, dass der Elektronikanteil dieser Autos noch vergleichsweise überschaubar und dass vor allem die Vernetzung der einzelnen Komponenten noch nicht weit fortgeschritten war.

Ford Capri von 1987 (© Silversteone Auctions)

Schliesslich verkauften viele Hersteller gerade in jener Zeit ausgereifte Modellreihen, die über Jahre wenn nicht sogar Jahrzehnte an Qualität hatten zulegen können, wie zum Beispiel der Porsche 944 (Bild oben), die Limousinen der Mercedes-Baureihe W201, BMW E28-Modelle oder die späten Ford Capri.

Honda NSX von 1993 (© Honda)

Völlig vergessen geht in diesem Zusammenhang übrigens oft der Honda NSX, der mit Aluminiumbauweise und sorgfältiger Konstruktion dem Langzeitauto wohl besonders nahe kam.

Wenn diese Überlegungen stimmen, dann müssten gerade die Autos der späten Achtzigerjahre also ideale Sammlerfahrzeuge sein. Nun gibt es aber doch den einen oder anderen Wermutstropfen. Einerseits gibt es von einigen dieser Autos immer noch sehr viele im Umlauf, was die Wertentwicklung negativ beeinflusst, andererseits werden wohl viele Veranstalter von Rallyes und Treffen die Alterslimite immer weiter anheben, so dass man mit einem 30-jährigen 944 halt “nur” bei Youngtimer-Treffen antreten kann, nicht aber bei einem Concours oder einer währschaften Alpenrallye. Zudem betrachten teilweise sogar die heutigen Oldtimerfahrer die jüngeren Klassiker eher als Gebrauchtwagen denn als Sammlerfahrzeuge. Aber das hatten wir ja schon mal vor 30 oder so Jahren, als echte Hardcore-Oldtimerfans nur vor dem Krieg gebaute Autos als richtige Klassiker ansahen.

Wir können also gespannt sein, wie sich diese Situation dieses Mal entwickelt ...

Archivierte Einträge:

von fr******
17.02.2015 (15:48)
Antworten
Wer sich wirklich für ein Auto ohne elektrischen Firlefanz interessiert sollte bei den 80igern noch zuschlagen. Erstens sind sie im Moment noch relativ billig je nach Modell, zweitens kann der technisch interessierte noch selber schrauben und drittens sind sie einfach noch schön und errinnern an so manches Erlebnis. Leute rettet die 80iger
von Beat Schirmer
14.02.2015 (17:00)
Antworten
Die Crux ist immer, heute abzuschätzen, was in ferner Zukunft zum wertvollen Oldtimer werden wird. 'Brot und Butter'- Fahrzeuge haben für denjenigen einen Wert, der eines in jungen Jahren einmal besessen hat oder bei den Eltern mitgefahren ist. Die erwähnten Porsche 944, Mercedes-Baureihe W201, BMW E28-Modelle und Ford Capri gehören tendenziell zu dieser Kategorie. Wertmässiges Potenzial haben meines Erachtens nur Fahrzeuge, die bereits bei ihrem Erscheinen aussergewöhnlich waren.
Antwort von ro******
17.02.2015 (08:58)
Wertmäßig lassen viele Brot und Butterautos viele Luxus- und Sportwagen in der Steigerungsrate weit hinter sich. Wenn ein 70-iger Jahre Opel Kadett innerhalb von 10 Jahren von fast 0€ auf mehrere Tausend im Wert steigt, dann sind das mehrere 100%-Steigerung. Da kommen dann wirklich nur noch der Hochadel der Superwagen mit. Relativ gesehen liegt im Brot und Butter Auto das Wertsteigerungspotential viel höher. Absolut gesehen natürlich bei den Luxus/Sportwagen.
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