Der ultimative Siebzigerjahre-Vergleichstest Ferrari gegen Lamborghini und Maserati

Bruno von Rotz
25.02.2015

Vergleich Mittelmotor-Sportwagen im Jahr 1975

Mitte der Siebzigerjahre waren Mittelmotorsportwagen mit vier Sitzen und Schlafaugen das Gesetz der Stunde. Die drei Hersteller aus der Emiglia Romagna Ferrari mit dem Dino 308 GT4, Lamborghini mit dem Urraco und Maserati mit dem Merak boten vergleichbare Sportwagen für die kleine (und begüterte) Familie an, was also lag näher, als diese direkt zu vergleichen? Genau dies tat die amerikanische Zeitschrift Road & Track im Jahr 1975.

Dino 308 GT4 von 1974

Die Unterschiede waren deutlicher und die Testergebnisse schlechter, als man es heute denken würde. Der Dino 308 GT4 nahm sich 8 Sekunden für den Spurt auf 60 Meilen pro Stunde (96 km/h), der Urraco brauchte 10,1 Sekunden und der Merak 9.2 Dazu muss verstanden werden, dass die amerikanischen Versionen den europäischen leistungsmässig deutlich hinterherhinkten. So leistete der Dino zwar vergleichbare 240 PS (BHP SAE), der Urraco und der Merak zeigten sich aber mit 175 respektive 180 PS deutlich geschwächt. Bei durchschnittlich rund 1600 kg Testwagengewicht wirkten sich diese Leistungsunterschiede natürlich deutlich aus.

Maserati Merak von 1978 (© Bonhams)

Preislich gaben sich die drei Mittelmotorsportwagen wenig, der Maserati war mit Listenpreis USD 21’700 etwas günstiger als der Urraco mit USD 22’500 und der Dino mit USD 22’593. auch beim Verbrauch herrschte mit 13 bis 14 Meilen pro Gallone (mpg), also 16,8 bis 18 Liter pro 100 km, in etwa Gleichstand.

Die grossen Unterschiede kamen also neben den Fahrleistungen vom Handling. Und auch hier zeigte sich der Dino von seiner besten Seite und erfreute die Testfahrer mit besten Manieren. Kein Wunder siegte er im RT-Test mit deutlichem Abstand (“by a wide margin”). Es folgte der Maserati Merak, den man als “Head turner” bezeichnete, also als Wagen, der die Blicke auf sich ziehe. Der Urraco? Den beurteilten die RT-Leute als den besten Design-Wurf und sie hofften, dass zukünftige Versionen besser im Futter stehen mögen.

Lamborghini Urraco von 1975 (© RM Auctions)

Und heute, 40 Jahre später? Während Maserati 1830 Merak herstellte, wurden vom Lamborghini Urraco gerade einmal 776 gefertigt (die Nachfolger Silhouette und Jalpa basierten allerdings ebenfalls auf dem Urraco), der Dino 308 GT4 (und 208 GT4) aber siegte auch am Markt mit 2826 Einheiten.

Keiner der drei erreicht zum heutigen Zeitpunkt hohe Notierungen, sie sind eigentlich erstaunlich günstig geblieben, obschon sie exotisches Aussehen, phantastisches Klangvermögen und Klassikerstatus kombinieren. Vielleicht sollte man ja jetzt zugreifen, dabei allerdings die durchaus erheblichen Unterhaltskosten nicht aus den Augen lassen.

Archivierte Einträge:

von dagamba
03.03.2015 (09:57)
Antworten
So ein Mist. Ich hatte im März 2005 einen Dino 208 GT4 in München entdeckt und probegefahren. Der Wagen war in technisch einwandfreiem Zustand mit 65 Tkm, Innenraum (beiges Leder) war sehr gut. Nur auf dem Dach schälte sich die dunkelblaue Metalliclackierung (Süditalien-Auto), ein leicht zu behebender Schaden. Fuhr sich erste Sahne, als das Öl warm war, hab ich ihn mal ein wenig über Landstraßen gejagt, ein Traum! Raisermesserscharfe Lenkung, ein böser Kurvenräuber! Auch wenns nur der kleine 208 war (170 Pferdchen).12.000 € wurden aufgerufen. Und ich hätte das Geld gehabt. Da ein Umzug bevorstand, hab ich TROTTEL mich gegen das Auto entschieden!!! Heute kriegt man für 12.000 € grad mal n Paar Zahnriemen für den kleinen V8... Und hätt ich den (behutsam aufgemöblt, aber sonst Originalzustand) heutzutage wieder verkauft, wäre ein halbes Haus drin gewesen!!! Das zum Thema "erstaunlich günstig".
von do******
03.03.2015 (07:12)
Antworten
Ich habe mich im August 2011 für einen Ferrari Dino entschieden und bin bis heute absolut begeistert von seinem Fahrverhalten. Es ist berauschend mit Ihm durch die Kurven zu brettern. DonLeo
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