34 minus 12 ergibt 22 Jahre Formel 1 für Sauber

Daniel Reinhard
10.02.2015

Sauber C12 1993 in Hinwil - Peter Sauber und der neue Fahrer Eriksson (© Daniel Reinhard)

Seit 22 Jahren bereichert das Sauber F1-Team die Königsklasse des Motorsports. 22 Jahre das bedeutet, dass die Hinwiler Truppe genau so viele F1-Autos gebaut hat. Von Karl Wendlinger bis Marcus Ericsson starteten insgesamt 27 Fahrer aus 14 Nationen in den diversen Autos zu den Grand Prix`s.

Anlässlich des Foto- und Filmtermins zur Teamvorstellung 2015 in Hinwil zeigte Peter Sauber seinem neuen jungen schwedischen Piloten Marcus Eriksson ein paar Meilensteine der Geschichte aus dem Hause Sauber.

Nicht alle jungen Fahrer interessieren sich für die Historie und die technischen Hintergründe ihres eigenen Sportes. Oft nimmt man traurig zur Kenntnis, dass gewisse Jungs gerade einmal Schumacher und Senna kennen, jedoch nicht einmal wissen wie schwer ihr eigenes Auto ist, oder wer Colin Chapman war. Umso erfreulicher wenn sich ein junger Fahrer der Teamhistorie annimmt.

Sauber C24 von 2005 - Peter Sauber und Magnus Eriksson (© Daniel Reinard)

Mit dem C12 stellte sich Sauber am 14.3.1993 in Südafrika mit Erfolg zum ersten Mal der F1-Weltmeisterschaft. JJ Lehto hatte mit der Startnummer 30 soeben 2 WM-Punkte ins Trockene gebracht, im wahrsten Sinne des Wortes, denn fünf Minuten vor Schluss überflutete ein Wolkenbruch über Kyalami die Piste. Gerhard Berger glitt im Ferrari prompt ins Abseits und schliesslich verwies JJ Lehto mit einem ebenso Risiko- wie erfolgreichen Schlussangriff den Footwork-Fahrer Derek Warwick auf Platz 6. Saubers Einstand in der F1 geriet zum besten seit 16 Jahren; 1977 hatte das debütierende Wolf-Team mit Jody Scheckter den GP von Argentinien gewonnen.

Mit einem zusätzlichen Quäntchen Glück hätte JJ in Südafrika sogar neben Alan Prost und Ayrton Senna aufs Podest steigen können. Ein Boxenstopp hatte den Finnen schon zu Beginn des Rennens viel Zeit gekostet, weil die Steuereinheit des Getriebes ersetzt werden musste.

Sauberf C12 1993 in Südafrika ( Daniel Reinhard)

Am Ende der Saison war der nach einjähriger Absenz zurückgekommene Alain Prost im Williams Renault Weltmeister vor Ayrton Senna im McLaren-Ford geowrden. Sauber besass 12 Punkte, die in der Konstrukteurs-Wertung zum 7. Rang unter 11 Bewerbern reichten. Die Ausbeute hätte indes noch besser sein können, wenn nach allmählich nachlassenden Schwierigkeiten mit dem Motor nicht noch ein anderes Problem aufgetreten wäre. Im Sommer liess die Leistung im Qualifying plötzlich zu wünschen übrig. Der hervorragende Durchschnitt der Startplätze in den ersten 7 Rennen (8,5) sank bis zum Schluss auf 11,5 wegen der relativ schwachen Quote der letzten 9 Grand Prix (14,5). Umso erstaunlicher muten die fünf Punkte an, die Karl Wendlinger im Schlussdrittel der Saison dazuaddiert hat.

Der C12 war formal ein sehr gefälliges Fahrzeug, ging jedoch farblich, wie auch der C33, auf dem Asphalt komplett verloren.

Das wohl hässlichste der 22 Sauber-Fahrzeuge war mit Sicherheit der C29 aus dem Jahre 2010. Mit seiner unglaublichen Länge und der riesigen Finne wirkte er mehr wie ein Kombi als ein Rennwagen. Böse Zungen nannten ihn sogar "Krankenwagen". Trotzdem fuhren Kamui Kobayashi, Nick Heidfeld und Pedro de la Rosa in dieser Saison 44 WM-Punkte ein.

Die mit Abstand erfolgreichsten Autos waren der C20 und der BMW Sauber F1.08. Der C20 holte 2001 mit Nick Heidfeld und Kimi Raikkonen den 4. Platz in der Konstrukteurswertung.

Der erfolgreiche Sauber C20 von 2001 (© Daniel Reinhard)

Mit dem BMW Sauber F1 .08 holten Robert Kubica und Nick Heidfeld in Canada 2008 einen Doppelsieg.

BMW-Sauber F1 08 2008 (© Daniel Reinhard)

Das einzige Auto, welches ohne auch nur einen einzigen Punkt blieb war der C33. Adrian Sutil und Esteban Gutiérrez kamen die gesamte Saison aus eigener Kraft nicht annähernd in die Nähe eines Punktgewinns. Einzig in Monaco lagen Punkte auf der Hand. Der Doppelausfall, beide auf Grund von Fahrfehlern, bescherte Marussia deren einzigen Punkte ihrer Karriere. Zum Schutz der beiden Fahrer muss man sagen, dass sie sich in dem Auto nie richtig wohl fühlten.

Der Grenzbereich des C33 soll extrem kritisch gewesen sein und daher brauchte es nur wenig und das Auto war verloren. Auch war der Antriebsstrang von Ferrari in diesem Jahr der schwerste und schwächste von den drei Anbietern (Mercedes, Renault und Ferrari).

Vergleich der Technischen Daten

Typ C12 C34
Jahr 1993 2015
Gewicht: 500 kg 702 kg (inkl Fahrer)
Radstand: 2920 mm  
Länge x Breite x Höhe: 4'620mm x 2'000mm x 1'000mm 5'300mm x 1'800mm x 950mm
Felgenmarke Speedline OZ
Reifenmarke: Goodyear Pirelli
Motor: Ilmor Typ 2175 A Ferrari
Zylinder: V10 Sauger V6 turbo/Hybrid
Zylinderwinkel: 72 Grad 90 Grad
Hubraum: 3'498 ccm 1'600 ccm

 

Der grösste Unterschied, mit Ausnahme des Gewichts, vom C12 zum C34 ist die Fahrzeuglänge. War der C12 von 1993 mit seinen 4,6m Länge auf 2m Breite sehr ausgewogen und harmonisch so wirkt der C34, wie alle anderen Konkurrenten, mit einer Länge von 5,3m viel zu lang, was von der um 20 cm geringeren Fahrzeugbreite auch noch zusätzlich betont wird.

Sauber C34-Ferrari 2015 (© Daniel Reinhard)

Die Autos wurden mit den hohen Nasen jährlich hässlicher und erreichten 2014 den absoluten ästhetischen tiefstand. Die komischen "Nasenbären" entfernten sich weit von einem ästhetischen Rennwagen. Ein Spruch lautet, dass ein schneller Rennwagen immer auch schön sei. Das stimmt wohl nur bedingt, denn 2014 waren sie alle potthässlich. Nur wenige verstanden es gerade noch mit der Lackierung die aerodynamischen Ausrutscher etwas zu kaschieren.  Schauen wir einmal, wie sich Technik und Optik im Jahr 2015 entwickeln ...

Die Sauber-Fahrer von 1993 bis 2015

1993 C12 Karl Wendlinger und J. Lehto
1994 C13 Karl Wendlinger, Andrea de Cesaris, J. Lehto und Heinz Harald Frentzen
1995 C14 Karl Wendlinger, Jean-Christoph Bouillon und Heinz Harald Frentzen
1996 C15 Johnny Herbert und Heinz Harald Frentzen
1997 C16 Johnny Herbert, Nicola Larini, Gianni Morbidelli und Norberto Fontana
1998 C17 Jean Alesi und Johnny Herbert
1999 C18 Jean Alesi und Pedro Diniz
2000 C19 Pedro Diniz und Mika Salo
2001 C20 Nick Heidfeld und Kimi Raikkonen
2002 C21 Nick Heidfeld, Felipe Massa und Heinz Harald Frentzen
2003 C22 Nick Heidfeld Heinz Harald Frentzen
2004 C23 Giancarlo Fisichella und Felipe Massa
2005 C24 Jacques Villeneuve und Felipe Massa
2006 BMW Sauber F1.06 Nick Heidfeld, Jacques Villeneuve und Robert Kubica
2007 BMW Sauber F1.07 Nick Heidfeld, Robert Kubica und Sebastian Vettel
2008 BMW Sauber F1.08 Nick Heidfeld und Robert Kubica
2009 BMW Sauber F1.09 Nick Heidfeld und Robert Kubica
2010 C29 Pedro de la Rosa, Nick Heidfeld und Kamui Kobayashi
2011 C30 Kamui Kobayashi, Sergio Pérez und Pedro de la Rosa
2012 C31 Kamui Kobayashi und Sergio Pérez
2013 C32 Nico Hülkenberg und Esteban Gutiérrez
2014 C33 Adrian Sutil und Esteban Gutiérrez
2015 C34 Felipe Nasr und Marcus Ericsson

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