Dreirad mit Vorteil

Bruno von Rotz
04.02.2015

Messerschmitt KR 200 von 1956

Viele von uns, die noch nicht der Bobby-Car-Generation angehörten, haben die ersten Fahrerfahrungen auf drei Rädern (von Visa Gloria?) gemacht. Da läge es doch eigentlich nahe, diese Tradition auch beim Automobil fortzusetzen, denn es sprechen handfeste Gründe für den Verzicht auf ein viertes Rad. So wird die Komplexität des Gefährts niedriger, weil sich ein Differential erübrigt, wenn das einzelne Rad angetrieben ist. Auch das Gewicht reduziert sich durch das Weglassen eines Rads samt Aufhängungselemente und Bremse um locker einmal 30 bis 50 kg und nicht zuletzt lässt sich der Wagenkörper schmaler konstruieren, wenn ein Rad weniger am Fahrzeug ist.

Morgan Threewheeler Super Sports 1933 (© Daniel Reinhard)

Zu den Anfangszeiten sprachen vor allem ökonomische Gründe für das Dreirad. Die ersten Morgan Three Wheeler wurden oftmals von Handwerkern gekauft, um ihre Utensilien zu befördern. Dass man sich im Dreirad auch richtig schnell vorwärtsbewegen konnte, dies zeigte sich als zusätzlicher Bonus.

BMW Isetta 1961 Dreirad  (© Tim Scott - Courtesy RM Auctions)

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren wurden Kabinenroller populär, die ebenfalls oftmals auf das vierte Rad verzichten konnten, obschon damit auch etwas Sozialprestige verloren ging. BMW zum Beispiel fertigte die Isetta für den Heimmarkt mit vier Rädern, die hinteren lagen so eng beieinander, dass sich das Differential erübrigte, für Exportmärkte gab es aber auch eine dreirädrige Version, da sich damit oftmals Steuervergünstigungen erreichen liessen.

Heinkel Kabine 154 von 1956

Auch die Heinkel Kabine gab es mit drei und vier Rädern und der ursprüngliche Messerschmitt Kabinenroller (Bild ganz oben) wurde auf drei Räder ausgelegt, erst der schnelle Messerschmitt Tiger kam mit vier Rädern daher.

Reliant Supervan III 1971

Besonders in England waren dreirädrige Fahrzeuge populär, die Marke Reliant wurde mit diesen nützlichen und kostengünstigen Vehikeln gross und sorgte auch dafür, dass ganze Familien und Leute mit viel Platzbedarf locker mit drei Rädern auskommen konnten, wie es der Reliant Supervan zeigt. Sein Nachfolger, der Reliant Robin wurde bis ins neue Jahrtausend gebaut.

Mit zunehmendem Wohlstand waren die Leute aber immer weniger bereit, auf das vierte Rad zu verzichten. Dazu trugen auch viele Überroll-Umfälle der kippeligen Dreiräder bei, denn vor allem bei den Versionen mit Einzelrad vorne konnten diese auftreten.

Bond Bug 700 1972

Nichtsdestotrotz bot Reliant mit dem Bond Bug 700 in den Siebzigerjahren wiederum ein fast futuristisches Dreirad an und das Teil fuhr schneller, als es mancher für möglich gehalten hätte. Die Unterhaltskosten waren bescheiden und man war wettergeschützt. Trotz diesen Vorzügen hatte der Bond Bug nur ein kurzes Leben.

Dale 1975

Dem Dale, der sich Mitte der Siebzigerjahre in den USA anschickte, für 2000 USD und mit minimalem Verbrauch von 3,3 Litern pro 100 km die Amerikaner zu begeistern, war kein Glück beschieden.

Morgan Threewheeler der Neuzeit (© Morgan / Werk)

Vor wenigen Jahren feierte dann der Morgan Threewheeler Wiederauferstehung als Freizeitvehikel und im Bereich umweltfreundlicher Fahrzeuge finden die Vorteile von drei Rädern immer wieder eine begeisterte Fangemeinde, wie es der furios gestartete, aber ebenso gescheiterte Aptera aus den USA beweist.

Aptera 2e 2009

Dreirädrige Fahrzeuge in Zwischengas-Berichten:

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