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Bild (1/3): Reliant Supervan III (1971) - so sahen praktische Alltagsfahrzeuge früher aus (© Bruno von Rotz, 2014)
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    Reliant Supervan III - Handwerker-Dreirad mit Charme

    3. Februar 2015
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Bruno von Rotz 
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    Fahren auf drei Rädern war vor dem zweiten Weltkrieg, aber auch danach populär, vor allem wenn fiskalische oder rechtliche Vorschriften dies begünstigten. England darf als eines der Länder gelten, das dem Dreirad die günstigsten Voraussetzungen bot, daher entstanden dort auch immer wieder Marken, die ihre Basis mit drei Rädern legten, darunter Morgan, Bond und Reliant.

    Reliant Supervan III (1971) - Stationswagen mit drei Rädern
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Aber auch andere Länder sahen im Weglassen eines Rades Vorteile und so entstand auch der Messerschmitt Kabinenroller, die Heinkel Kabine (teilweise) und die BMW-Isetta (für Exportmärkte) mit drei Rädern.

    Dreirad-Tradition

    1935 wurde das erste Reliant-Dreirad-Auto ausgeliefert, das Design basierte noch auf den Konstruktionen, die die Firma Raleigh (bekannt auch für ihre Fahrräder), entwickelt hatte. T. L. Williams und E. S. Thompson hatten ihr Wissen von Raleigh mitgenommen, als ihr damaliger Arbeitgeber entschied, mit der Produktion der Dreiräder aufzuhören.

    Von Anfang an waren die zwei Hinterräder angetrieben, während vorne ein Rad die Lenkung übernahm. Nach der Nutzung von JAP- und Austin-Motoren entschied sich die kleine Firma ganz nach dem Motto “bezahle niemanden für etwas, was Du selber machen kannst” eigene Vierzylindermotoren zu bauen.

    Reliant Regal (1957) - das Fahrgestell des Mk III
    © Zwischengas Archiv

    Auch den Weltkrieg überlegte Reliant unbeschadet und die Produktion der Dreiräder wurde fortgesetzt.

    Von Aluminium zum Kunststoff

    Auf den Reliant Regent, der im Prinzip einem vergrösserten und vor allem verbreiterten sowie verschaltem Motorrad glich, folgte 1953 der Regal. Wie beim Vorgänger sass auch beim Regal ein beplanktes Holzgestell auf einem Profileisenrahmen, für die Lenkung war das einzelne Vorderrad, montiert an einer Schwinge, zuständig, die Kraft übertrugen zwei angetriebene Hinterräder an einer Starrachse auf die Strasse.

    Reliant Regal (1957) - der Mk III wird von vielen als hübschesten aller Regals bezeichnet
    © Zwischengas Archiv

    Schon früh erkannte Reliants Verkaufsdirektor die Stärken des neuen Materials “Plastik”, das vor allem in Amerika schnell populär wurde. Bereits in den frühen Fünfzigerjahren wurden erste Experimente gemacht und schon der Regal Mk I erhielt Mitte der Fünfzigerjahre GFK-Panels, dessen Nachfolger dann bereits eine komplette GFK-Karosserie. Spätestens dann hiess es Abschied nehmen von Aluminium, das inzwischen auch sehr teuer geworden war.

    Der Regal Mk III und seine Nachfolger erhielten ab 1956 eine neu gestaltete und attraktiv geformte Karosserie, doch mit der Ankunft des Mini stiegen die Ansprüche deutlich an und auch die Konkurrenz in Form der Fahrzeuge der Firma Bond bedrängten den Reliant Regal.

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    Mehr Raum und mehr Auto

    Um den gewachsenen Platzbedürfnissen der Kunden und den gestiegenen Geschwindigkeitsanforderungen durch Autobahnen gerecht zu werden, stellte Reliant 1962 den Mk VII vor, der aber nun 3/25 hiess, was für drei Räder und 25 PS stand.

    Reliant Regal (1965) - 3/25 unter sich
    © Zwischengas Archiv

    Komplett neu karossiert sah der Regal nun aus wie ein “normales” Auto, nur die fehlenden Kotflügelöffnungen vorne wiesen auf das mittig montierte Vorderrad hin. Die Gestaltung des Dachs erinnerte wohl nicht ganz zufällig an den Ford Anglia.

    Der Grundform des 3/25 stand ein langes Leben bevor, rund 11 Jahre sollte sie beibehalten werden. Neben der zweitürgen Limousine wurde der 3/25 auch als Supervan, also als Stationswagen mit Hecktüre gebaut.

    Reliant Regal (1967) - das Modell "Super" löste den normalen 3/25 ab und war von Ogle dezent überarbeitet worden
    © Zwischengas Archiv

    Zum 110 km/h schnellen 3/25 gesellte sich später der 3/30, der es mit dem auf 700 cm3 vergrösserten Motor sogar auf rund 30 PS und annähernd 120 km/h brachte.

    Vorzug Ökonomie

    Die Werbung von Reliant wurde es nicht müde, die Vorzüge zu kommunizieren. Minimale Betriebskosten, günstige Steuersätze und Versicherungen, tiefer Verbrauch (4,5 Liter Normal-Benzin pro 100 km), drei Reifen, die 30’000 km halten sollten und weniger als vier kosteten, die rostfreie Karosserie und die insgesamt hohe Lebensdauer waren die Hauptvorteile, die gegenüber der Konkurrenz ins Feld geführt wurden.

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    Über 100’000 Regals

    Nach 22 Jahren war auch das lange Leben des Reliant Regal zu Ende. Über 100’000 Exemplare waren gebaut worden, einer von ihnen hatte mit 2,7 Liter Benzin pro 100 km für Verbrauchsrekorde gesorgt. ein anderer hatte es geschafft, fast 500’000 km zurückzulegen, viele hatten alltägliche und weniger alltägliche Transportprobleme gelöst. Mit dem Robin erhielt der Regal einen nicht minder dreirädrigen Nachfolger mit moderner Karosserie, der aber die Nachteile des Konzepts (siehe humoristisches Video in englischer Sprache) erbte.

     

    Minimalistisch

    Ein grosser Teil der Reliant Regal Produktion blieb in England und war mit Rechtslenkung ausgerüstet. Doch der Wagen wurde auch exportiert und so gelangte ein linksgelenkter Super Van auch in die Schweiz. Das Fahrzeug mit Jahrgang 1971 war irgendwann abgeschrieben und abgestellt worden, doch ein Enthusiast erbarmte sich des kleinen Kombis und restaurierte ihn zusammen mit der Firma Classic Car Connection in minutiöser Kleinarbeit, bis es wieder in neuwertigem Glanze dastand.

    Reliant Supervan III (1971) - Fahrerarbeitsplatz ohne unnötigen Komfort
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    “Einfach” ist wohl das passende Wort, um den Ausbaustandard zu beurteilen. Aber es ist eigentlich alles da, was es zum Fahren braucht. Und irgendwie hat die Kargheit ihren eigenen Charme.

    Das grosse Hauptinstrument vor dem Fahrer zeigt die Geschwindigkeit an, links und rechts sind Anzeigen für Benzinstand und Wassertemperatur untergebracht.

    Reliant Supervan III (1971) - Tacho bis 120 km/h
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die Sitze lassen sich nur mit dem Bordwerkzeug in der Horizontalen verstellen, die Sitzlehne kann nicht in der Neigung verändert werden. Zwei Einzelsitze vorne und eine Sitzbank hinten genügen, um vier Personen unterzubringen. Allzu viel Gepäck sollte die Familie trotz der Hecktüre nicht mitnehmen wollen. Handwerker demontierten damals  natürlich die hintere Sitzbank oder verzichteten bereits beim Kauf darauf.

    Reliant Supervan III (1971) - die Hecktüre ist aussen angeschlagen
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die Inneneinrichtung wirkt sehr rudimentär, aber niemand würde hochflorige Teppiche, ein lederüberzogenes Armaturenbrett oder Veloursüberzüge in einem Nutzfahrzeug erwarten.

    Nur nicht umkippen

    Gestartet wird mit dem Zündschüssel, die H-Schaltung fühlt sich zwar knöchern an, erlaubt aber die zielgenaue Sortierung der vier Vorwärtsgänge.
    Sehr handlich fährt sich der Supervan, der Wendekreis ist klein, der Wagen wenig. Nur etwas kippelig wirkt das Fahrgefühl, aber man muss sich wohl recht wild anstellen, um den Wagen wirklich auf die Seite zu legen, was im Falle des perfekt restaurierten Supervans natürlich eine Schande wäre.

    Der Supervan III lässt sich überraschend flott fahren und es ist eher der Respekt des Fahrers als die Motorleistung, die vom sportlichen Vorwärtskommen abhält und vielleicht auch der nicht unbeträchtliche Geräuschpegel, der auch mit der verkürzten Übersetzung des Vans zu tun hat.

    Reliant Supervan III (1971) - so englisch wie die Telefonzelle daneben
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Mausgrau ist nicht gerade die Farbe zum Auffallen, aber mit einem Reliant Supervan III wird einen trotzdem kaum einer übersehen, der Wagen dürfte in der Schweiz ähnlich selten sein wie ein Ferrari Daytona.

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    Der Reliant Regal von 1953 bis 1973

    Typ von bis ccm PS Kommentar
    Regal Mk I 1953 1954 748 16 vorgestellt bereits 1951
    Regal Mk II 1954 1956 748 16 erste Teile aus GFK
    Regal Mk III 1956 1958 748 18 komplette GFK-Karosserie
    Regal Mk IV 1958 1959 748 18  
    Regal Mk V 1959 1960 748 18 Übergangsmodell
    Regal Mk VI 1960 1962 598 24 neuer OHV-Motor
    Regal 3/25 1962 1965 598 24 komplett neues Design
    Regal Super, de Luxe 1965 1973 598 26  
    Regal 3/30 1968 1973 701 31  

     

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    te******:
    09.07.2019 (11:17)
    Sehr guter Bericht über ein Fahrzeug das in der Schweiz wenig bekannt war und ist. Das Konzept war eigentlich recht gut. Wenn man sich im Klaren war, dass die Kippgefahr im Grenzbereich da war, konnte man sicher gut damit umgehen. Leider sieht man heute fast keine solchen Fahrzeuge mehr, darum habe ich mir zum Ziel gesetzt, ein solches wieder zum Leben zu erwecken und auf die Strasse zu bringen.
    mo******:
    12.02.2015 (12:06)
    Das Ding kippt immer auf die Seite des Fahrers. Der war wohl zu fett!
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