BMW Z3 2.8 Coupé - ein Auto wie ein Turnschuh

Erstellt am 16. April 2019
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
43
BMW AG 
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Bruno von Rotz 
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Rallye Racing / Springer Verlag 
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BMW Group 
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Im Sommer 1995 führte BMW den Z3 “Roadster” ein, der schon kurz darauf im James-Bond-Film “Golden Eye” seine Aufwartung machte. Leider bekamen die Zuschauer nichts von den Q-Verfeinerungen zu sehen und der Wagen überlebte den Film sogar unzerstört, trotzdem aber bescherte das neue Cabriolet BMW einen Bestellboom.


BMW Z3 2.8 Coupé (2000) - Turnschuhe als Designeinfluss?
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

In ihrer Freizeit entwickelten einige BMW-Ingenieure die offene Version zum Coupé weiter. Das Ergebnis ihrer Aktivitäten, von dem schon 1995 in der Presse gemunktelt wurde, konnte dann an der IAA im September 1997 in Frankfurt bewundert werden. Und das Auto eckte sofort an.

Klassischer Shooting Brake

Weil man aus Kostengründen möglichst nahe am Roadster bleiben wollte, unterscheidet sich das Coupé nur in der Heckpartie vom offenen Bruder. Statt einfach ein festes Hardtop zu modellieren, griffen die BMW-Stylisten zu einem Shooting-Brake-Abschluss, also einer fast geradestehenden Heckklappe. Gleichzeitig stellten sie die Backen etwas aus und verschafften dem Wagen von hinten ein ungemein kräftiges Aussehen.


BMW Z3 2.8 Coupé (2000) - gleicht er nun einem Turnschuh, oder nicht?
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Wegen seiner langen Front und der gleichzeitig kurz gehaltenen Kabine glich die Silhouette das Z3 Coupé von der Seite gut sichtbar einem Turnschuh, womit der Wagen auch schon seinen Kosenamen auf sicher hatte. Das Design hatte Freunde und Feinde, dazwischen gab’s kaum etwas.

Technik vom Roadster

Die Bodengruppe wurde samt Aufhängungen (Querlenker/McPherson-Federbeine vorne und Schräglenker mit Schraubenfedern hinten) direkt vom Roadster übernommen, der Dachaufbau und Querverstrebungen machten das Coupé aber deutlich torsionsfester als die offene Variante. Das Fahrwerk wurde wegen des zusätzlichen Gewichts im Heck neu abgestimmt.


BMW Z3 Roadster (E36/7) von 1996
Copyright / Fotograf: BMW Group

Als Motoren kamen nur Sechszylinder zum Einsatz, die mit Fünfganggetrieben (oder einer Wandlerautomatik) gekoppelt wurden. Die Basismotorisierung stammte aus dem 3-er E36, hatte 2793 cm3 Hubraum und 193 PS bei 5300 Umdrehungen zu bieten.


BMW Z3 2.8 Coupé (1999)
Copyright / Fotograf: BMW AG

Im Innern profitierte das Z3 Coupé vom verbesserten Interieur, das bauähnlich wie im Sechszylinder-Roadster daherkam. Im Coupé waren die Klimaanlage genauso serienmässig wie das M-Lederlenkrad.

Mit etwa 10’000 Coupés pro Jahr rechnete BMW bei der Vorstellung in der Hoffnung auf eine finanziell interessante Nische. Auch über Ahnen hatte man bei BMW nachgedacht, der BMW 1600 GT hatte ja durchaus ähnlich Anlagen. Da man aber auch im Besitz der Rovergruppe war zu jener Zeit, zitierte man damals lieber den Triumph GT6. Der hatte mit dem Z3 Coupé immerhin einen Reihensechszylinder gemeinsam, war allerdings kein riesiger Erfolg in den Sechzigerjahren.

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Nicht billig

Dass sich die neuen Z3 Coupés nicht gerade wie warme Brötchen verkaufen liessen, lag auch am Preis. Mit DM 64’000 stand der 2,8-Liter in der deutschen Preisliste, CHF 52’900 waren in der Schweiz fällig. Ein Audi TT war deutlich günstiger, ein Fiat Coupé mit Fünfzylinder-Turbo-Motor ebenfalls.

Trotzdem stiess der BMW gerade bei den Autotestern auf viel Wohlwollen. Dies lag nicht zuletzt am herrlichen Reihen-Sechszylindermotor. “Den 2,8-Liter kennzeichnet souveräne Kraftentfaltung aus jedem Drehzahlbereich heraus”, schrieb Birgit Priemer für AMS.


BMW Z3 2.8 Coupé (2000) - typisch Neunzigerjahre, vom Motor sieht man nur noch Abdeckungen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dem Interieur jedenfalls waren die BMW-Sympathien allerdings nicht geschuldet, denn dieses habe das Flair einer gutbürgerlichen Traditionsstube.
Im Vergleich mit Audi TT 1.8 T Coupé (180 PS) und Alfa Romeo GTV V6 24 V L (220 PS) jedenfalls erwies sich das BMW Coupé als der sparsamste Mitbewerber, fahrleistungsmässig musste es sich knapp vom Alfa geschlagen geben. Im Eigenschaftskapitel ging der BMW als Sieger hervor, nur die Kosten verhinderten den Sieg knapp, den sich der Audi TT holte.

Auch die Automobil Revue nahm sich das BMW Z3 Coupé vor und verglich 2,8- und M-Version:
"Wenn man die beiden äusserlich so ähnlichen Sportcoupés unter die Lupe nimmt, treten die Unterschiede kristallklar zutage: Der 2.8 ist der Gentleman-Sportler für Nonkonformisten, der M der Profi für Hardcore-Sportfahrer. Eine automobile Spezialität und damit Nischenprodukte sind  sie beide, nicht zuletzt wegen ihrer unkonventionellen Karosserieform.”

Erwähnt soll noch werden, dass die AR-Tester im Schnitt 10 Liter pro 100 km verbrauchten, was sicherlich an den niedrigeren Tempolimits in der Schweiz lag.

Herz ist Trumpf

Im Dezember 1998 publizierte auch Rallye Racing einen Vergleichstest. Dieses Mal waren neben dem Audi TT Quattro der deutlich teurere Boxster von Porsche angetreten. Das Z3 Coupé hielt locker mit, liess sich nur gerade um eine Zehntelssekunde abhängen beim Sprint von 0 auf 100 km/h (6.9 anstatt 6.8 Sekunden). Die Spitze des Z3 lag mit 234 etwas unter der Konkurrenz, dafür bremste das BMW-Coupé am vehementesten. Nach 35,8 Meter stand der Münchner Zweisitzer. Auch beim Verbrauch übertrieb er es nicht, auch wenn der Porsche zwei Deziliter weniger zu sich nahm pro 100 km.


BMW Z3 2.8 Coupé (2000) - keine 1,8 Meter breit
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Vor allem aber überzeugte das vorhersehbare Fahrverhalten mit den grossen Reserven und dem weit oben angeordneten Grenzbereich. Einen eindeutigen Sieger gab es damals nicht, es sei wohl eher eine Frage des Geschmacks, für welchen der drei Sportwagen man sich entscheiden würde.

20 Jahre später

Zwei Jahrzehnte danach sind die Meinungen offenbar gemacht, denn ein BMW Z3 Coupé kostet als Youngtimer deutlich mehr als ein Audi TT oder ein Porsche Boxster. Der “Turnschuh” hat seine eigene Fan-Gemeinde und die ist treu. Man kann es gut verstehen, denn damals wie heute ist das Fahren im Z3 Coupé eine erfreuliche Angelegenheit.


BMW Z3 2.8 Coupé (2000) - sportlich geformte Schalensitze
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Im Vergleich zu moderneren Fahrzeugen wirkt alles herrlich analog. Da gibt es keinen Computer, der automatisch Zwischengas gibt, die Servolenkung funktioniert noch per Pumpe und nicht rein elektrisch. Natürlich gibt es auch im Z3 Steuergeräte und elektronische Helfer (z.B. ABS), aber im Grossen und Ganzen ist immer noch der Fahrer der Kapitän auf dem Schiff.


BMW Z3 2.8 Coupé (2000) - gut ablesbare Anzeigen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Und der geniesst es, wechselt die fünf Gänge aus dem Handgelenk, lässt den Motor hochjubeln, um seinen feinen und doch sportlichen Tenor ertönen zu lassen. Man muss sich nicht einmal bis zum Grenzbereich vortasten, um am Zweisitzer Freude zu machen. Auch 80 oder 100 km/h reichen, um im Z3 Coupé echte Fahrfreude zu vermitteln.


BMW Z3 2.8 Coupé (2000) - liegt satt auf der Strasse
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die tiefe Sitzposition, die gute Rundumsicht und der bequeme Innenraum erlauben ein stressfreies Fahren, das wenig ermüdet. Das ganze Auto passt wie ein perfekt anliegender Turnschuh. Sic!

193 PS reichen auch völlig aus, um die 1,3 Tonnen Leergewicht artgerecht zu beschleunigen, jedenfalls kommt nur selten die Lust auf mehr, jedenfalls solange man den Wagen klassikergerecht und gesittet bewegt. Freude am Fahren!


BMW Z3 2.8 Coupé (2000) - BMW-Niere
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Vom 2,8 zum 3,0

Im Juni 2000 rüstete BMW nach, setzte statt des 2,8-Liters neu nun den Dreiliter-R6-Motor ein, der auf 231 anstatt 193 PS kam und das 4,025 Meter lange und 1,74 Meter breite Coupé aus dem Stand in nur noch sechs Sekunden auf 100 km/h beschleunigte. Auch die Spitzengeschwindigkeit stieg an, glatte 250 km/h waren möglich. Dabei verbrauchte das Coupé eher noch etwas weniger als die 2,8-Liter-Version, hatte alle ihre guten Tugenden aber beibehalten.

Den erneuten Vergleich mit dem Audi TT Quattro jedenfalls gewann das Z3 Coupé 3.0 im Test von Auto Motor und Sport im Herbst 2000 mit Siegen beim Antrieb und in den Kosten, musste sich allerdings weiterhin bei Karosserie, Fahrkomfort und Sicherheit knapp geschlagen geben.

Er war und blieb ein kompaktes Sportcoupé mit Platz für exakt zwei Personen und etwas Gepäck. So wollten ihn auch die Fans haben und so halten sie ihm bis heute die Treue.

Nur gut vier Jahre lang

Im Juli 2002 wurde dann allerdings die gesamte Z3-Baureihe eingestellt, einen Nachfolger mit Shooting-Brake-Heck gab es beim Z4 dann nicht mehr. Nur gerade 17’815 Coupés wurden ingesamt gebaut, 7671 davon hatten den 2,8-Liter, 3853 den 3,0-Liter-Motor hinter der Vorderachse. Vom M Coupé entstanden immerhin 6291 Exemplare.

Die vor allem im Vergleich zum Roadster (279’273 Autos) überschaubaren Stückzahlen sind sicherlich mit dafür verantwortlich, dass die Z3 Coupés nie ganz billig wurden und heute ansehnliche Klassikerpreise erzielen. Wetten, dass sie auch in Zukunft nicht mehr billiger werden? Schliesslich zeigten Charakter und Designschrullen schon oft einen positiven Einfluss auf die Wertentwicklung.


BMW Z3 2.8 Coupé (2000) - trotz Heckklappe kein riesiges und vor allem kein wandelbares Gepäckabteil
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von bl******
24.04.2019 (12:21)
Antworten
Hm, die Aussage "...Triumph GT6. Der hatte mit dem Z3 Coupé immerhin einen Reihensechszylinder gemeinsam, war allerdings kein riesiger Erfolg in den Sechzigerjahren." kann ich nicht ganz teilen. 40.926 Stück ('66-'73) eines absoluten Nischenprodukts waren für einen kleinen Hersteller wie Triumph doch ganz beachtlich. Der Schwerpunkt der Produktion lag schliesslich auf Roadstern und Limousinen.
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