Der grösste Erfolg

Bruno von Rotz
16.09.2014

Volvo PV 544 von 1959 (© Volvo/Werk)

Mitte der Sechzigerjahre, also vor beinahe 50 Jahren, gab der schwedische Autoproduzent Volvo eine Festschrift heraus, in der natürlich auch die wichtigsten Meilensteine in der Entwicklung der Firma beschrieben wurden.

Unter dem Titel “Der grösste Erfolg” wurde die Entwicklung des Volvo PV 444/544 dokumentiert.

Die Entwiclkung des Volvo PV 444

Statt nachzuerzählen, was die Volvo-Presseleute damals verlauten liessen, geben wir hier einfach den Originaltext wieder:

“Der PV 444 wurde zum ersten Mal auf einer Spezialausstellung in Stockholm 1944 gezeigt. Das Auto war eine Sensation. Die Stromlinienform, die technische Lösung, Leistung, Größe — ja, es waren alles Neuheiten. Dieser Wagen wurde auch der größte Volvo-Erfolg unter den Modellen, die jetzt nicht mehr hergestellt werden. Insgesamt wurden 440.000 Wagen von diesem Modell hergestellt. Von diesen wurden 160.000 exportiert. Nur der Export brachte Schweden mehr als eine Milliarde skr ein!

Das bescheidene Ziel, das man im Jahre 1944 erstrebte, wurde zu allen Teilen erreicht. Das Ziel war, daß der PV 444 nach Kriegsende der schwedischen Öffentlichkeit und auch zu einem bestimmten Teil dem Ausland zugute kommen sollte.

Schon vor dem 2. Weltkrieg war die Entwicklung in Europa von dem größeren amerikanischen Automobilmodell auf kleinere, sparsame Personenwagen gegangen. Volvo kalkulierte schon zeitig damit, daß diese Entwicklung nach dem Krieg noch markanter werden sollte. Unter anderem sollten die Kraftstoffe teurer werden und die Nachfrage mußte daher auf Automobile konzentriert werden, die sparsam im Verbrauch waren.

Mit diesen Tatsachen vor Augen fingen die Ingenieure Helmer Pettersson und Erik Jern im Mai 1943 mit der Arbeit an dem neuen Modell an. Schon ein Jahr zuvor hatte der Volvo-Vorstand, vor allem Assar Gabrielsson und Gustaf Larson neue Richtlinien für das Projekt gezogen. Der neue Wagen sollte eine moderne Stromlinienform, selbsttragende Karosserie und einen Vierzylindermotor haben.

Die Herstellung des größeren Motortyps wurde jedoch nicht eingestellt. Der PV 60 - der gleichzeitig mit dem PV 444 eingeführt wurde - hatte einen Sechszylindermotor.

Eilig hatten es die Konstrukteure nicht. Der Krieg währte immer noch in Europa und keiner wußte, wann der Wagen in die Produktion kommen sollte. Man konnte durch Diskussionen in aller Ruhe zu den besten Lösungen kommen.

Durch die selbsttragende Karosserie sparte man an Gewicht und Raum. Trotzdem wurde der PV 444 kein leichter Wagen. Da sich Volvo amerikanischer Unterlieferanten bediente, wurde der Wagen schon im Konstruktionsstadium um Bauteile aufgebaut, die für größere und schwerere Wagen, die in den USA hergestellt wurden, bemessen waren. Der PV 444 war ein außergewöhnlich robuster Wagen für seine Größe. Schon bei der Präsentation im Jahre 1944 konnten Interessenten den Wagen bestellen. Der Preis war für damalige Begriffen verhältnismäßig hoch - 4.800 skr - viele hatten keine Einwände gegen den Preis und bestellten trotzdem. Die Nachfrage stieg rasch. Die Lieferzeiten wurden immer länger.
Es dauerte aber 3 Jahre, bevor der Wagen in  die Produktion  ging. Der Mangel an

Rohmaterial war in der Nachkriegszeit in Schweden enorm. Blech gab es nur in sehr begrenztem Umfange. Unter sehr großen Schwierigkeiten gelang es jedoch Volvo, ein paar tausend Wagen pro Jahr herzustellen. Alle Wagen wurden sofort von dem automobilarmen Markt aufgesaugt.

Die Situation verbesserte sich in den nächsten Jahren. Der Zugang an Rohmaterial verbesserte sich und immer mehr PV 444 verließen das Fließband in Göteborg. Die Nachfrage stieg im gleichen Tempo mit dem Zugang. Der Höchststand wurde in der 2-Jahres-Periode 1958-1960 erreicht, als man 100’000 Wagen herstellte. 1965 - 21 Jahre nach der Einführung - wurde die Produktion des PV 444/544 eingestellt.

Die Trauer war groß unter den vielen Leuten, die vielleicht nie einen anderen Wagen gehabt oder sogar gefahren hatten. Aber die Produktionseinstellung war notwendig. Die Forderung nach einer Produktionssteigerung des 120er Modells war groß und die ganze Produktionskapazität in der Torslanda-Fabrik war für dieses Modell erforderlich. Die Fabrik in Göteborg hatte auch keinen Platz für den PV 544. Dieses Werk wurde für die Lastwagenproduktion gebraucht. Die Besitzer der PV 544 konnten die Wagen jedoch getrost weiterfahren. Volvo garantiert nämlich dank einer großzügigen Lagerhaltung Ersatzteile für weitere 12 Jahre in der ganzen Welt.”

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