Supersportwagen waren schon damals (fast) zuviel …

Bruno von Rotz
03.09.2020

Ferrari 212 Export Vignale von 1951 (© Automobil Revue)

Es ist eine Weile her, dass wir unseren 2011 publizierten historischen Test zum Ferrari 212 Export Vignale zum letzten Mal angeschaut haben. Als wir ihn nochmals durchlasen, fielen uns Passagen auf, die man heute über die Hypersportwagen auch wieder schreiben könnte, zum Beispiel:
“Als Gebrauchsfahrzeug hat er indessen – so mag es auf den ersten Blick erscheinen – wenig Existenzberechtigung. Geschwindigkeiten von fast 200 km/h sind heute für alle Durchgangsstrassen in Europa, auch die Autobahnen, zu viel, denn der Verkehr und die verhältnismässig geringe Breite auch der besten Strassen lassen solche normalerweise nicht zu.
Wirtschaftlich gesehen lohnt sich der Zeitgewinn, den man bei verantwortungsvoller Fahrweise auch mit diesem in jeder Beziehung fahrsicheren Wagen erringen kann, bestimmt nicht, da er mit einem sehr hohen Herstellungspreis, nur zwei Sitzen, wenig Gepäckraum und einem nicht gerade niedrigen Treibstoffverbrauch erkauft wird.”

Jetzt muss man wissen, dass dieser Ferrari 212 nur gerade 372 x 156 cm (Länge x Breite) mass, also etwa so gross wie der spätere Ur-Golf war. Und dass er in der niedriger verdichteten Version gerade einmal über 140 PS verfügte, die sein 2,5-Liter-Zwölfzylinder produzierte. Er war aber auch rund CHF 40’000 teuer, was die Testautoren als “kleines Vermögen” beschrieben und was immerhin das Siebenfache des Preises eines VW 11A (Käfers) war. Ein Rolls-Royce Silver Dawn war etwa gleich teuer und bot immerhin fünf Sitzplätze und einiges an Kofferraumvolumen.

Interieur des Ferrari 212 Export Vignale von 1951 (© Automobil Revue)

Doch zurück zum Ferrari 212. Er überzeugte die damaligen Testfahrer auf der ganzen Linie, verhielt er sich doch überraschend alltagstauglich und offerierte Fahrleistungen, wie sie sonst kaum ein Konkurrenzprodukt mit Ausnahme reiner Rennwagen erreichte.

Es muss schon ein ganz besonderes Privileg gewesen sein, damals einen derartigen Wagen zu fahren und man kann sich kaum vorstellen, dass Neid und Missgunst dem Glücklichen in ähnlicher Weise entgegengeschlagen haben wie dies heute den Fahrern von Bugatti Veyron, McLaren P1 oder Ferrari Enzo passieren kann.

Ein weiteres Zitat wollen wir hier noch anfügen, weil es doch auch zeigt, wie alltagspraktikabel der Über-Sportwagen von damals war:
“Selbst auf gewellter Fahrbahn ohne Hartbelag gleitet der Ferrari ohne Erschütterungen dahin und schreibt kaum eine Reduktion des Tempos vor. Beim Fahren im Stadtverkehr, bei dem sich der Wagen über eine hervorragende Manöverierfähigkeit ausweist, genügt ein geringes Lockern der Stossdämpfer und eine vorschriftsmässige Einstellung des Reifendruckes, um selbst empfindlichsten, älteren Personen ein Kompliment über den Fahrkomfort zu entlocken.”

Wer den gesamten Test nachlesen möchte, der kann das natürlich in unserem Berichtarchiv tun, wer eine gedruckte Version vorzieht, sollte am 17. September 2020 die Automobil Revue Nummer 38 kaufen, in deren Klassikbeilage der Test nochmals wiedergegeben wird.

P.S. Jetzt warten wir nur eigentlich noch auf einen Leser, der uns einmal einen solchen Wagen für einen Fahrbericht zur Verfügung stellen möchte …

Archivierte Einträge:

von rt******
09.09.2020 (06:01)
Antworten
Una verdadera joya de Michellotti- Vignale y una temprana muestra de los Ferrari. Para mí, el más bonito......
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