Immer wieder 30 Jahre Fortschritt

Bruno von Rotz
08.11.2019

Es wird ja immer wieder darüber diskutiert, wann das Automobil die meisten Fortschritte machte. Nun, dies ist eine wahrlich philosophische Fragestellung und die Antwort dazu noch eine Frage des Betrachtungswinkels. Aber versuchen wir es doch mit vier Fahrzeugen, die wir in den letzten Wochen gefahren sind.

Lagonda 2 Litre von 1931 (© Daniel Reinhard)

Beginnen wir also mit dem Lagonda 2 Litre, der die Zwanzigerjahre repräsentiert, ein durchaus sportliches Automobil mit starkem Vierzylindermotor, allerdings mit wenig Komfortmerkmalen. Das Gaspedal sitzt in der Mitte, das “H” der Schaltung ist seitenverkehrt, der erste Gang also rechts vorne. Man sitzt rechts, eine Türe für den Einstieg des Fahrers aber findet sich nur links. Die Fahreigenschaften sind, obwohl vermutlich überdurchschnittlich für die Zeit damals, zumindest gewöhnungsbedürftig.

Alvis Graber Special von 1957 (© Daniel Reinhard)

Dreissig Jahre später entstand der Alvis Graber Special, ein Coupé für gehobene Ansprüche, spezialkarossiert von Herrmann Grabers Blechkünstlern. Fast alles funktioniert schon fast wie im modernen Auto von heute, kleine Unterschiede kann man schon fast als Charakterbeispiele auffassen. Allerdings, moderne Komfortmerkmale wie Klimaanlage oder Intervallscheibenwischer fehlen. Trotzdem, dieses Auto konnte man jedem Fahrtüchtigen anvertrauen, es lässt sich auch ohne Zwischengas-Kenntnissen fahren, nur einen sauberen Strich auf der Landstrasse erfordert etwas Übung.

Aston Martin Virage von 1990 (© Daniel Reinhard)

Weitere 30 Jahre später wurde der der Aston Martin Virage gebaut, mit einem starken Achtzylinder im Bug und einer Menge Elektronik an Bord. ABS hilft beim Verzögern, breite Reifen und ein austariertes Fahrwerk halten das Coupé auf der Strasse. Die Unterschiede zum heutigen Auto scheinen gering, zumindest was die Bedienung anbelangt. Meint man zumindest.

BMW i8 von 2014 (© BMW AG)

Doch wer vom Virage in einen BMW i8 umsteigt, merkt, wie stark sich das Auto auch in den letzten 30 Jahren nochmals verändert hat. Ein volldigitales Cockpit mit Headup-Display, zwei Elektromotoren und ein Benziner, die für den Vorwärtstrieb verantwortlich sind, Soundsysteme, modernste Materialtechnik, die das Gewicht trotz Batterien und komplexem Antriebsstrang auf rund 1400 kg senken, im Vergleich zum Virage wirkt der i8 wie ein Raumschiff aus der Zukunft.

Gehen wir zurück zur eingangs gestellten Frage. Sicherlich war der Unterschied zwischen 1930 und 1960 grosse, zwischen 1960 und 1990 kleiner, aber der Technologiesprung, den wir mit den aktuellen Fahrzeuggenerationen mitmachen, dürfte mindestens ebenso gross sein wie die Entwicklung, die zwischen 1930 und 1960 geschah. Am grössten waren die Fortschritte allerdings sicherlich zwischen 1900 und 1930, nicht von ganz ungefähr hatte man schliesslich in den Zwanzigerjahren das Gefühl, das Auto sei jetzt fertigentwickelt … Dass die Pioniere damit nicht ganz richtig lagen, wissen wir heute …

von ju******
12.11.2019 (10:13)
Antworten
auch einverstanden :-)
...und mein Kompliment zur Fahrzeugwahl! ;-)
von ju******
12.11.2019 (09:56)
Antworten
Anmerkung zu den im Artikel genannten "zwei Elektromotoren" beim I8: Hierbei wäre dann aber der (relativ schwache) Startermotor mitgezählt, der zwar in der Tat zum Drehmomentausgleich teilweise den Verbrenner auf der Hinterachse unterstützt - aber im normalen "Fahrbetrieb" verfügt der I8 nur über einen Elektromotor (der die Vorderachse antreibt).
Beste Grüße eines sehr zufriedenen I8-Fahrers
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
12.11.2019 (10:10)
Einverstanden. Aber wie wichtig der relativ schwache hintere Motor ist, merkt man dann, wenn er ausfällt. Das Anfahren wird dann ziemlich ruppig. Ein anderer i8-Fahrer ;-)
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