Der Diesel - Höhenflug und Abgesang

Bruno von Rotz
19.11.2018

Mercedes-Benz 190 D

In Deutschland soll jetzt ein Autobahnstück für Diesel verboten werden. Nicht mehr nur Haupt- und Quartierstrassen in Innenstädten werden also nun zum Sperrgebiet, sondern auch überregionale Verbindungs- und Schnellstrassen. Der Diesel hat in den letzten drei Jahren viel an Prestige verloren, obschon die Technologie eigentlich problemlos eine relativ saubere und vor allem sparsame Fortbewegung zulässt.

Dass es überhaupt zu einem derartig hohen Dieselanteil kommen konnte, wie wir ihn heute haben, das haben Politiker mitverursacht, die den Dieseltreibstoff gegenüber dem Benzin steuerlich deutlich bevorteilten (z.B. in Deutschland oder Frankreich). Damit wurden Dieselautos interessant, schon als sie technisch noch weit hinter ihren Ottomotor-Kollegen hinterherfuhren und dies nicht nur bezüglich der Fahrleistungen, sondern auch bezüglich Bedienungs- und Fahrkomfort.

Dieselzeichen beim VW Golf 1

Mit dem VW Golf Diesel oder dem Peugeot 205 Diesel wurde der Selbstzünder in den Siebziger- und Achtziger-Jahren auch im Kompaktwagen interessant und bis ins neue Jahrtausend hatte sich der Diesel längst als Standardantrieb für jede Fahrzeugkategorie hochgearbeitet. Die Autohersteller investierten und erreichten eine “Diesel-Performance”, die man in den Sechzigerjahren noch kaum für möglich gehalten hätte.

Renault Espace mit Dieselmotor

Die Leistung pro Liter Hubraum zog mit dem Benziner gleich, beim Drehmoment hatte der Selbstzünder sogar die Nase vorne. Nur das Nageln hat er nie ganz verlernt, aber auch hier wurde mit neuer Technologie und Kapselung Linderung geschaffen. Sogar Cabriolets und Sportcoupés erhielten Dieselmotoren und mit Partikelfiltern sowie Abgasnachbehandlung unterschritten die Diesel die strengsten Umweltschutznormen – zumindest im Labor, wie wir jetzt wissen. Was aber nicht heisst, dass es nicht generell möglich gewesen wäre.

Durch die Schummeleien (“Diesel Gate”) der Autohersteller, getrieben von Spar- und Rentabilitätseifer, wurde der Diesel in Missgunst gebracht. Und dieselben Politiker – natürlich sind es nicht mehr exakt dieselben – tragen nun den Diesel zu Grabe. Jetzt, wo man ihn wegen der CO2-Probleme vielleicht dringender brauchen würde denn je.

So schliesst sich ein Kreis, ohne dass eine wirkliche Lösung für die Mobilitätsprobleme der Zukunft gefunden wäre, denn das Elektroauto ist in der heutigen Ausgestaltung ziemlich sicher nicht die Antwort auf alle Fragen …

Nachtrag: Bei den Oldtimern spielte der Diesel bisher nie eine grosse Rolle, die aktuelle Verdammung der Technologie dürfte dazu führen, dass es auch in Zukunft so bleibt, trotz der heutigen hohen Dieselanteile im Bestand der Fahrzeuge der Jahrgänge ab 1990 …

von 219w105
20.11.2018 (08:32)
Antworten
Von Politikern ist man doch fast nur Absurditäten gewohnt! Schließlich kennen die sich mit den Themen nicht aus und beschließen also durch Lobbyisten verbreiteten Blödsinn.
von 0d******
19.11.2018 (19:05)
Antworten
Grenzwert an der Strasse: 40 mcg/m²
(in D misst man an der Bordsteinkante, in Frankreich in 10-20 m Entfernung)

Am Arbeitsplatz (Deutschland): 950 mcg/m²
Am Arbeitsplatz (Schweiz): 6000 mcg/m²

Eine Zigarette erzeugt: 100.000 mcg/m² .... da müssen alle Raucher sofort tot umfallen......
Antwort von 0d******
19.11.2018 (19:08)
Da fragt man sich, was wollen die mit dieser absurden Panikmache erreichen?
Antwort von ra******
22.11.2018 (09:30)
Was ist das für eine Dimension, mcg? Milli-centi-gramm? Und das per Quadratmeter, nicht Kubikmeter?
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