Ferrari oder Aston Martin?

Bruno von Rotz
14.01.2018

Aston Martin DB2 von 1953 (© Bonhams)

Auf den ersten Blick hätte man sicherlich auf einen Ferrari der Fünfzigerjahre getippt, vermutlich ein 212 aus der Küche von Vignale oder Touring, vielleicht auch von Pinin Farina. Aber nein, es handelt sich hier um einen Aston Martin DB2.

Der Aston Martin DB2 war in den frühen Fünfzigerjahren erfolgreich im Rennsport, kein Wunder blieb der kommerzielle Erfolg für den eleganten zweisitzigen GT mit dem 105 PS starken Reihensechszylindermotor nicht aus.

Beim abgebildeten Wagen handelt es sich um das Chassis LML/50/118, das im Juli 1953 an den Hauptimporteur der Schweiz ausgeliefert wurde.

Erstbesitzer wurde der Waadtländer Alfred Ouvelay, notabene der Vorsteher des Finanzdepartements der Stadt Lausanne. Er behielt den Wagen einige Jahre und man wundert sich, dass dies damals ging, würde doch ein Aufschrei durch die Bevölkerung gehen, wenn ein hoher Beamter heutzutage mit einem Pagani Zonda herumfahren würde, und der Aston hatte damals sicherlich einen ähnlichen Status.

Im Jahr 1960, also erst nach sieben Jahren aber verkaufte Ouvelay den rechtsgelenkten Aston an einen Herrn Desmeules. Damals dürfte der Aston noch so ausgesehen haben:

Originaler Aston Martin DB2 von 1953 (© Bonhams)

Der neue Besitzer liess die Front des Coupés in der Schweiz umgestalten, um dem damals bekannten Überhitzungsproblem des DB2 Herr zu werden, aber wohl auch, um einen erlittenen Blechschaden zu reparieren, wie sich Beobachter erinnern. Ein grosser Kühlergrill, der vermutlich nicht ganz zufällig an Michelotti-/Pinin Farina-Entwürfe für Ferrari erinnerte, wurde angefertigt und die gesamte Front umgestaltet.

Frontansicht des Aston Martin DB2 von 1953 (© Bonhams)

Das Ergebnis erinnerte in seiner ganzen Erscheinung durchaus den Ferrari-Sportwagen der Fünfzigerjahre. Auch das Heckfenster wurde vergrössert und einige weitere Anpassungen vorgenommen.

Heckansicht des Aston Martin DB2 von 1953 (© Bonhams)

Herr Desmeules blieb dem modifizierten Aston bis ins Jahr 2016 treu, dann verkaufte ihn die Witwe nach dem Tod des Besitzers. Noch zuvor war der Wagen teilweise restauriert worden.

Jetzt wird Bonhams den Aston Martin von 1953 am 8. Februar 2018 im Grand Palais in Paris versteigern . Als Schätzwert wurden EUR 220’000 bis 260’000 (CHF 260’000 bis 310’000) angesetzt. Es wird interessant zu beobachten sein, ob dieser modifizierte Aston höher oder niedriger bewertet wird als ein komplett originales Exemplar.

Archivierte Einträge:

von mi******
15.01.2018 (13:14)
Antworten
Könnte es eventuell sein, dass das Beispielbild für den Aston vor dem Umbau keinen DB2 zeigt, sondern einen DB2/4?
von ra******
15.01.2018 (21:38)
Antworten
Nicht nur das Heckfenster, sondern auch das hintere Seitenfenster sieht beim Stand 1960 anders aus als danach.
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