Überall erfolgreich - Dan Gurney (1931-2018)

Daniel Reinhard
16.01.2018

2012 wurde Dan Gurney in Goodwood gefeiert

Der Rennwagenbauer Eagle hätte das Potenzial gehabt, wie McLaren bis heute im Motorsport zu verweilen.

Eagle Weslake V12 Formel 1

Der Eagle war in den Sechzigerjahren das wohl mit Abstand schönste Auto seiner Zeit. Es war aber nicht nur schön, sondern er konnte auch siegen, zumindest in einem Grand Prix.

Dan Gurney, der Teambesitzer gewann 1967 mit seiner eigenen Konstruktion nur acht Tage nach seinem triumphalen Le Mans Sieg und ein paar Tage mehr nach seinem 2. Platz beim Indy 500 Rennen hinter Mario Andretti auch noch den GP von Belgien in Spa Francorchamps.

Gurney pulverisierte bei diesem Rennen sämtliche bestehenden Rekorde. Mit einem Gesamtschnitt von 234,945 km/h für die 395 km lange Strecke fuhr er einen neuen Distanzrekord, auch ein neuer Rundenrekord ging mit 3`31``9 (239,547 km/h) an den sympathischen Amerikaner. Dass Gurney seinen ersten Sieg mit dem Eagle gerade auf der Ardennenrundstrecke erreichte, wo er drei Jahre zuvor sein grösstes Pech zu verkraften hatte, als er nach überlegener Führung im Brabham-Climax kurz vor Schluss ohne Benzin stehen blieb, ist wohl die Ironie des Schicksals.

In seiner überschäumenden Freude über die beiden Grosserfolge liess er den Champagner auf dem belgischen Podium zum zweiten Mal nach Le Mans derartig in die Luft spritzen, dass dieses Zeichen für die weitere Zukunft im Automobilrennsport Schule machte. Bis heute wird auf dem Podest Champagner verspritzt.

Dan Gurney und Francois Cevert 1970 in Sebring

Auch technisch hinterlässt der US-Amerikaner mit den sogenannten “Gurney-Flaps”, auch "Gurney Lippe” genannt, dem Rennsport eine bedeutende aerodynamische Raffinesse. Dank diesen nach ihm benannten Flaps, einer kleinen nach oben geneigten Abrisskante am Ende eines Flügels, wird der Abtrieb verbessert, ohne dass dabei der Luftwiderstand markant erhöht wird.

Dan Gurney war 1968 mit dem ersten Einsatz eines Vollvisierhelmes auch Pionier eines heute nicht mehr wegzudenkenden Sicherheitsaspekts im Motorsport.

Dan Gurney verbrachte die letzten Jahre mit seiner Frau Evi Gurney-Butz in Newport Beach in Kalifornien. Die bekannte Motorsportjournalistin der Sechzigerjahre und Sekretärin des damaligen Porsche-Rennleiters Huschke von Hanstein lernte Gurney in seiner Zeit als Porsche-Werksfahrer kennen und lieben. Geboren worden war Dan Gurney als Sohn des Opernsängers John Gurney und dessen Frau Roma Sexton am 13. April 1931.

Seine Rennfahrerkarriere begann 1955 mit einem Triumph TR2. Vom Amateur zum Profi wurde er 1957, als Teamchef Frank Arciero ihn einlud, den kaum fahrbaren Arciero Special zu bändigen. Gurney jagte das Biest auf den zweiten Platz im Riverside Grand-Prix.

Schnell führten seinen Ambitionen nach Europa, wo er schon 1959 Werksfahrer bei Ferrari wurde. Unglücklich wechselte er nach nur einem Jahr von Italien nach England und startete für BRM. Der Erfolg hielt sich in Grenzen und so kam er 1961 zu Porsche, wo die Hoffnungen im Zusammenhang mit dem Typ 787 sehr gross waren. Zusammen mit Joakim Bonnier und Hans Herrmann fuhr er aber bloss hinterher. Erst der neue 804 brachte Verbesserungen und Gurney siegte damit beim GP von Frankreich 1962 in Rouen. Dies blieb auch bis heute der einzige Sieg eines Porsche in der F1-Weltmeisterschaft. Nach dem Rückzug von Porsche Ende 1962 wechselte er zum neuen Team des Australiers Jack Brabham und gewann 1963 wieder in Rouen den GP Frankreich.

Dan Gurney mit Carroll Shelby (© Dave Friedman)

Zusammen mit Carroll Shelby gründete er 1962 das "All-American Racers" Team und entwickelte ab 1965 einen eigenen Monoposto für das Indy 500 Rennen und die F1 Weltmeisterschaft unter dem Namen AAR Eagle. Für die F1 wurde die wunderschöne dunkelblaue Zigarre von einem Weslake V12 angetrieben. Der Motor kam 1967 endlich, nach langer Verspätung, zum Einsatz und Gurney gewann damit zuerst in Brands Hatch ein nicht zur WM zählendes Rennen und später dann wie bereits erwähnt den GP von Belgien.

Beim GP Deutschland auf dem Nürburgring fuhr er in Führung liegend die schnellste Rennrunde, musste aber mit der defektanfälligen Konstruktion leider die Hoffnungen auf einen weiteren Sieg am Streckenrand begraben.

Dan Gurney im Lotus 38

Hinter Mario Andretti ist Dan Gurney sicher der erfolgreichste US-amerikanische Autorennfahrer. Er bestritt 303 Rennen auf 25 verschiedenen Fahrzeugen, gewann dabei sieben F1-Rennen (drei zählten damals nicht zur WM), ebenfalls sieben Indy-Car-Rennen und fünf NASCAR-Winston-Cup Rennen. Dazu kamen Siege in der CanAm- und Trans-Am-Serie.

Dan Gurney im Lotus in Sebring 1965 (© Dave Friedman)

Dan Gurney starb am 14. Januar 2018 im Alter von 86 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.

Alle Bilder in hoher Auflösung findet man in dieser "Dan Gurney"-Kollektion .

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