Das sieht man heute kaum mehr …

Bruno von Rotz
21.01.2018

Vergleichstest in AMS 12/1969 - Titelblatt Ausschnitt

Ja, die abgebildeten Autos - Opel Kadett LS, Ford Escort GT, Peugeot 204 GL oder Simca 1100 GLS - sind selten geworden, aber darauf zielen wir gar nicht. Was es heute auch kaum mehr gibt, sind derartig untersteuernde und vorne einknickenden Autos. Tatsächlich hat sich die Fahrwerkstechnik seit 1969 stark weiterentwickelt. Aber nicht nur beim Fahrverhalten wurden grosse Fortschritte gemacht, auch beispielsweise im Verbrauch. So konsumierten die fünf Testkandidaten im Vergleichest von Auto Motor und Sport im Heft 12/1969 (auch der Fiat 124 S gehörte noch zur Runde) zwischen 10,3 und 11,2 Liter pro 100 km, der Sparsamste war der Opel. Heute würde man in dieser Fahrzeugklasse Werte um 6 bis 8 Liter im Testbetrieb erwarten.

Dabei waren die Autos fast schon federleicht! Tatsächlich zeigte die Waage bei den fünf Fahrzeugen nur zwischen 820 und 945 kg an, der Escort war der Leichteste, der Simca wog am meisten.

Dass vor fast 50 Jahren noch andere Zeiten herrschten, zeigte auch die Ausstattungstabelle. Keiner der vier Wagen im Test hatte eine heizbare Heckscheibe, keiner eine Verbundglasfrontscheibe und auch die Warnblinkanlage fehlte bei allen fünf.

Billiger waren die Autos auch damals, den Escort gab es für DM 6593, den Kadett für DM 6488, der Fiat 124 S kostete DM 6793, der Peugeot DM 6680 und der Simca DM 6798. Preislich lagen sie also nahe beieinander und auch in der Länge betrug die Differenz zwischen dem Längsten (Opel Kadett, 4,182 m) und dem Kürzesten (Simca 1100, 3,944 m) nur gerade 20 Zentimeter. Und das waren Familienlimousinen, mit denen damals fünfköpfige Besatzungen über Tausende von Kilometern in die Ferien reisten, was mit einem Kofferraum von bis zu 376 Liter (Kadett) auch problemlos möglich war.

Titelblatt AMS 12/1969

Wer nun der beste der fünf Vergleichstestkandidaten war, das erfuhr man allerdings im Heft 12/1969 von Auto Motor und Sport noch nicht. Dazu musste man sich das nächste Heft 13/1969 auch noch kaufen. Und dort zeigte es sich dann, dass der Peugeot 204 GL den knappen Vorsprung auf Opel und Simca aus dem ersten Heft schlussendlich nicht halten konnte. Als Sieger fuhr nämlich der Fiat 124 S mit 314 Punkten nach Hause, gefolgt vom Simca 1100 mit 312 und dem Peugeot mit 308 Punkten. Der Opel Kadett landete auf dem letzten Platz.

Vergleichstest in AMS 13/1969

Zum Fiat-Sieg schrieben die AMS-Macher:
“Ein unproblematisches, einfach gebautes Auto mit leistungsfähigem, elastischem Motor und geräumiger, gut ausgestatteter Karosserie. Die starken Seiten des 124 S sind sein Temperament und seine Handlichkeit. Der Fahrkomfort ist durch die harte, kurzhubige Federung begrenzt, jedoch sorgt eine korrekte Abstimmung für gutmütige, sichere Fahreigenschaften und gute Bodenhaftung.”

Drei Importautos schwangen also vor zwei einheimischen Fahrzeugen obenauf im Vergleich, da konnte man an der Neutralität der Tester sicherlich nicht zweifeln …

Archivierte Einträge:

von al******
23.01.2018 (10:44)
Antworten
>>> ... da konnte man an der Neutralität der Tester sicherlich nicht zweifeln. <<<
Was man heute m.E. leider nicht mehr sagen kann.
Egal was passiert, es gewinnt immer der Golf oder die S-Klasse von Mercedes.
Woran das wohl liegen mag ?
Sicher nicht daran, dass andere Hersteller keine guten Autos bauen können.
AutoBild verglich ma die S-Klasse mit dem VW-Phaeton. Der Phaeton verlor,
weil er angeblich zu hohen Wertverlust hätte. Dabei kostete der Phaeton nur
die Hälfte. Jahre später schrieb AutoBild: "VW baut ein richtig gutes Auto, nur
keiner hats gemerkt. Es war hoffentlich nicht der gleiche Reporter . . .
von sp******
23.01.2018 (08:21)
Antworten
Dass sie den 124er FIAT auf den Thron hoben, spricht für die damaligen Tester. Der 124er war wirklich ein tolles Auto - und ist es als russisches Lizenz Produkt noch heute. Als "Shiguli" wurde er in der ehemaligen Sowjetunion hunderttausendfach gebaut und viele von ihnen fahren heute noch tagtäglich, mit Kilometerleistungen von weit über einer halben Million. Im Vergleich zu den einheimischen russischen Limousinen stach er immer oben aus. Unverwüstlich und mit ansprechendem Komfort. Ein solcher "Shiguli" hat mir vor Jahren in Armenien über viele Kilometer treuste Dienste geleistet.
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