Kulturerbe oder Schrott? Verwunschene Autos in Kyrkö Mosse

Uwe Klingel und Daniel Reinhard
22.08.2017

Autofriedhof in Kyrkö Mosse (© Uwe Klingen/Daniel Reinhard)

In Kyrkö Mosse, einer Ortschaft im Süden Schwedens, haben 150 Schrottautos aus der Mitte des 20. Jahrhunderts - gemeinsam mit Fahrrädern und Mopeds - ihre letzte Ruhestätte gefunden. Jedes einzelne dieser Objekte lässt einen Blick in Vergessenes werfen, erzählt vom ersten Autourlaub, erinnert an die örtliche Fleischerei, oder an den Maler im Nachbarort Ryd. Spuren hat auch der zweite Weltkrieg hinterlassen - mit den Resten eines 1943 abgestürzten Bombers über dem zugefrorenen See Asnen. Geschichte oder Märchen. Kulturerbe oder Schrott? Schauen Sie selbst!

Autofriedhof in Kyrkö Mosse (© Uwe Klingen/Daniel Reinhard)

Die wichtigste Erzählung ist jedoch die über den Gründer dieses besonderen Ortes Ake, genannt "Ake vom Moor". 1914 in der Siedlung Tröjemala geboren, arbeitete er nach der Schulzeit und Konfirmation in den südschwedischen Provinzen Skane und Smaland als Knecht.

Autofriedhof in Kyrkö Mosse (© Uwe Klingen/Daniel Reinhard)

1935 kaufte er dann dieses Torfmoor und einen Spaten mit breitem Blatt. Mit Torfmull liess sich Geld verdienen und Torf war hier das, was es in grosser Menge gab. Der Torf wurde dann vom Vieh im Stall noch "angereichert", das Endprodukt war gefragtes Düngemittel. Technisch geschickt, wie Ake war, baute er eine Torffabrik, deren Torfreisser er mit alten Automotoren antrieb.

Autofriedhof in Kyrkö Mosse (© Uwe Klingen/Daniel Reinhard)

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Leben einfacher und bereits in den 50er Jahren galt das Auto als "Eigentum des kleinen Mannes". Viele dieser neuen Autos wurden jedoch, sobald sie nicht mehr fuhren, im nächsten Wald abgestellt.

Autofriedhof in Kyrkö Mosse (© Uwe Klingen/Daniel Reinhard)

Ake erkannte hier eine Chance und sammelte diese Wagen ein. Er brachte sich die verschiedenen Modelle bei und war schon bald ein Experte für Ersatzteile, die er von seinem Sammelplatz aus verkaufte. So wurde er sozusagen ein Pionier der Wiederverwertung.

Autofriedhof in Kyrkö Mosse (© Uwe Klingen/Daniel Reinhard)

Übrig blieben jedoch die radlosen Karosserien, die trotz ihrer erbärmlichen Erscheinung immer noch als Fotomotiv herhalten können.

Autofriedhof in Kyrkö Mosse (© Uwe Klingen/Daniel Reinhard)

1974 wird das letzte Schrottauto gekauft, aber das Lager ist voll mit Ersatzteilen, die noch viele weitere Jahre verkauft werden. 1992 zieht Ake in das Altersheim von Ryd. Der Autofriedhof wird Gegenstand zahlreicher Debatten.

Autofriedhof in Kyrkö Mosse (© Uwe Klingen/Daniel Reinhard)

2001 beschliesst die Kommune, dass die Wracks verbleiben dürfen und die Natur den Ort zurückerobern soll. Der Autofriedhof wurde mit einem sich selbst zerstörenden Bild verglichen. Über dem Ort schwebt eine gewisse Andächtigkeit.

Haargenau die gleiche Situation gab es auch in der Schweiz. Doch der noch viel grössere, ebenfalls von der Natur bereits eingenommene, Autofriedhof in Kaufdorf (Kanton Bern) musste geräumt werden. Alle damals geführten Debatten liessen leider keine Alternative zu.

Archivierte Einträge:

von RonyA.
22.08.2017 (11:06)
Antworten
Genau zu dem Thema gibt es eine Multimedia-Foto-Show
mit Live-Vortrag von
Dieter Klein
über das Projekt Forest Punk oder the making off der fabelhaften Gefühlen.
Ein Querschnitt durch die automobile Geschichte.
Im Hangar beim Restaurant Flügerli in 3368 Bleienbach am 21. Oktober 2017 ab 17.30h
Auch wenn man die Bücher von Dieter Klein nicht kennt, jeder kennt die Bilder der vom Weg abgekommenen Autos, die je nach Licht und Wetter ihre eigene Geschichte erzählen. Ganz besondere Geschichten kann uns dazu Dieter Klein selber erzählen.
Als er Rosalie mitten in einem Holunderbusch im französischen Aquitaine entdeckte, war es um Klein geschehen. Die märchenhafte Szenerie mit dem 80 Jahre alten Citroën-Laster im Dornröschenschlaf fesselte den Kölner Fotografen so sehr, dass er sich auf die Suche nach ähnlichen Orten in Europa machte und fündig wurde, so auch in Kyrkö Mosse.
In einem Wettlauf gegen die Zeit besuchte Klein vergessene Schrottplätze, bevor sie abgeräumt wurden, hielt mit seiner Kamera die Schönheit des Zerfalls und automobile Szenerien des in-der-Zeit-Versinkens fest.
Alleine die Bilder verraten schon viel, doch im Vortrag erzählt Dieter Klein wie er Autos gefunden hat, welchen Aufwand er betrieben hat, das Bild einzufangen. Die Geschichten rund um die Automobile sind spannender als mancher Hollywood-Film. Nach seinem ersten Buch Forest Punk ist nun ein Doppelband erschienen von seinen USA-Reisen. Mit 42000 Kilometern er-fuhr er kreuz und quer den nordamerikanischen Kontinent und brachte Fotografien aus 39 Bundesstaaten mit.
Nach dem genaueren Betrachten der Bilder will man mehr darüber wissen. Nun gibt es Gelegenheit dazu und ich freue mich auf einen gemütlichen Abend in einem besonderen Ambiente. Es gibt die Möglichkeit, vorher zusammen gemütlich zu essen und die Stimmung aufkommen zu lassen. Der Vortrag zu den Bildern dauert 90 spannende und - vielleicht - viel zu kurze Minuten. Danach können wir den Abend mit einem Dessert ausklingen lassen und den Fotografen mit Fragen löchern.
Wer sich den Abend nicht entgehen lassen möchte bitte ich um Anmeldung, da die Anzahl der Plätze auf 101 begrenzt ist.

Name : ..
E-Mail .
Anzahl Plätze .mit Essen Ja/Nein

Der Eintritt ist CHF 20.-- pro Person für den
90 Minütigen Vortrag, Start 20.30h
Die Bewirtung ist vom Restaurant Flügerli

Anmeldung bitte an rony@carart.ch 079 434 51 88
Infos zu den Bildern www.dieterklein.de
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Weitere Blog-Einträge:

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.