Weiter denken - wenn der Motor des Oldtimers immer wieder ausgeht

Karlheinz Jung
27.08.2017

BMW 502 Cabriolet - Motorraum

Nach dem Kauf des BMW 502, Baur Cabriolet aus dem Jahr 1955 wurde die Besitzerfreude bald ein wenig getrübt, blieb doch das Fahrzeug mehr oder minder immer irgendwo stehen, manchmal mitten in der Stadt, ab und zu auf Landstrassen oder auf der Autobahn.

Die Pannen traten in unregelmässiger Folge auf, genaue Hinweise, warum der rüstige Klassiker plötzlich ausging, gab es nicht.

Nach kurzer Wartezeit von 15 bis 20 Minuten liess sich der Wagen dann jeweils wieder starten und die Fahrt konnte fortgesetzt werden. Natürlich wandte ich mich an die Fachleute. Diese machten zunächst das Benzin verantwortlich, sprachen von Dampf-Blasen-Bildung als Ursache und vielem anderen mehr. Auch einige versponnene Theorien wurden entwickelt.

Schliesslich wurde die mechanische Benzin-Pumpe durch eine elektrische Pumpe ersetzt. Die Benzin-Leitungen wurden in kühlere Gefilde im Motorraum verlegt und gegen Wärme  mit Hitzeschutzband aus dem Rennsport isoliert. Die Vergaser wurden mehrfach auf Fehlfunktion überprüft, die Zündung wurde in mehreren Anläufen überprüft.

Trotzdem, es war, es war ein Albtraum, mit dem Fahrzeug zu fahren. Denn die Pannen traten weiterhin auf. Zwischendurch lief dann der Wagen auch mehrere Monate einwandfrei, ohne dass man die tatsächliche Ursache des Motorausgehens erkannt hatte.

Trotzdem wurde eine Rallye nach Alba ins Piemont gebucht. Über die Autobahn ging die Fahrt nach Basel, über Luzern durch den Gotthard-Tunnel, zur Übernachtung nach Ascona. Alles lief bestens bis zum Flugplatz Ascona, dort blieb die „Büchse“ wieder einmal stehen, nach rund 15 Minuten Wartezeit lief alles wieder einwandfrei.

Am nächsten Tag wurde in einer lokalen Werkstatt die Benzin-Pumpe gewechselt und alles lief wieder gut. Die Weiterfahrt entlang des Lago Maggiore nach Stresa klappte problemlos, dort wurde vollgetankt, dann ging es 10 km steil bergauf zur Autobahn nach Turin. Genau in der Autobahn-Einfahrt blieb der BMW wieder stehen. Nach 10 Minuten lief er wieder wie eine eins. Also weitergefahren!!!

Jetzt begann ich selber nachzudenken, denn etwas ähnliches war mir mit einem einem DKW 3/6 in den Sechzigerjahren bereits einmal passiert. Damals entfernte ich den Dichtungsgummi des Tankdeckels und der Zweitakter lief wieder problemlos.

Ich hielt also in einer Parkbucht an, drehte den Tankdeckel auf, bis er nur noch ganz lose auf der Öffnung sass, und ab diesem Zeitpunkt lief die “Karre“ tatsächlich ohne irgendwelche Probleme.

Zu Hause angekommen habe ich mir mal den Tank vorgenommen und entdeckt, dass dieser ein Tankentlüftungsröhrchen hat, das durch den Tank geht und am Boden zur Strasse offen ist.

Nun wurde dieses Tankentlüftungsröhrchen mit einem Draht und einem Drahtbürstchen gereinigt und ich konnte nur staunen, was dabei alles zum Vorschein kam: Zusammen gebackener Strassenstaub, eine eingetrocknete grosse Spinne, vertrocknete Gräser, Blätter und viel anderer Schmutz aus 55 Jahren Betriebszeit.

Dazu kam, dass der verkrustete Schmutz vermutlich noch mit Benzin beim Betanken in Berührung kam, wenn bis zuoberst getankt wurde.

Dies führte nun zu folgender Erklärung: Das Tankentlüftungsröhrchen war zu 95% dicht, die restlichen 5% reichten jeweils, um ein entstandenes Vakuum immer wieder aufzulösen. Deshalb lief die Motor auch nach rund 15 bis 20 Minuten wieder normal.

Obwohl das Fahrzeug von einem als sorgfältig bekannten Restaurator restauriert wurde, dachte offenbar niemand an den Tank und das Tankentlüftungsröhrchen damals. Verzeihlich!

Sollte jemandem Ähnliches widerfahren, dann bemerkt man dies vielleicht schon beim Betanken, dann nämlich wenn der Tankrüssel immer wieder abschaltet. Eventuell ist das Tankentlüftungsröhrchen schon teilweise verstopft, also sofort reinigen. Es gehört zum Betrieb eines älteren Wagens, das Tankentlüftungsröhrchen von Zeit zu Zeit zu reinigen.

Bei anderen Fahrzeug-Typen, auch Motorräder mit Tankentlüftung durch den Tankdeckel muss das Belüftungsloch bzw. das Ventil immer wieder gereinigt werden.

Archivierte Einträge:

von vo******
30.08.2017 (23:59)
Antworten
Gut wieder daran erinnert zu werden.
Hatte dieses Problem schon vor Jahrzehnten mit div. Fahrzeugen. U.a. auch im Winter durch Zueisen des Roehrchens.
Man merkt das Vakuum im Tank beim Oeffnen des Tankdeckels (Luftansauggeraeusch).
von phantom
28.08.2017 (10:14)
Antworten
Thanks für den Tipp, Karlheinz Jung. Diese Story zeigt einmal mehr: Letzten Endes kann der Oldtimer-Besitzer die Verantwortung für ein einwandreies Funktionieren seines Fahrzeugs nicht delegieren, gerade bei solchen, schwierig zu eruierenden Fehlern. Man kann den Werkstätten deswegen überhaupt keinen Vorwurf machen, die Spezialisten geben -nach meiner Erfahrung- ihr Bestes.
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