Braucht es mehr Augenmass bei der Beurteilung von Oldtimern?
Mit den Privilegien, die in manchen Ländern dem Oldtimer gegönnt sind, aber auch mit der Hochstilisierung als Kulturgut, wird die Originalität und die Nachvollziehbarkeit der Geschichte beim alten Auto immer wichtig, ja sogar essentiell.
Wer etwa einen alten Wagen günstig verzollt nach Deutschland einführen will oder in der Schweiz die begehrte Veteranenzulassung erhalten möchte, muss immer öfter die historische Korrektheit seines Fahrzeugs nachweisen.
Doch nicht immer ist dies so einfach. Sei es, dass Vorbesitzer verstorben, Aufzeichnungen verloren gegangen sind oder ein Fahrzeug sich über die Jahrzehnte deutlich von seinem Ursprungszustand entfernt hat. Interessante Beispiele in diesem Kontext sind Fahrzeuge, die in den Fünfzigerjahren oder später mit Kunststoffkarosserien ausgerüstet wurden. Oder die Buggies? Ist ein Buggy mit dem Chassis eines Käfers von 1964 nun ein 50-jähriger Oldtimer und muss sich am Originalzustand des entsprechenden Volkswagens messen lassen? Was ist mit dem Lotus Elan, der Ende der Sechzigerjahre mit Verbreiterungen und Spoileransätzen ausgerüstet wurde? Was machen mit Siebzigerjahre-Schalensitzen im Alfa Romeo Duetto?
Wir empfehlen, bei der Beurteilung von alten Fahrzeugen Augenmass anzuwenden. Nicht nur die Originalfahrzeuge sind erhaltenswert, sondern auch deren Evolutionen. Natürlich muss irgendwo eine Grenze sein, LCD-Monitoren haben im Ford Mustang von 1968 nichts verloren, wenn der Wagen als Oldtimer durchgehen soll, genauso wenig wie moderne Chromräder mit Niederquerschnittsreifen.
Aber war damals und während der aktiven Nutzungszeit möglich und erlaubt war, soll auch heute noch als Kulturgut durchgehen. Und gerade bei den stabilen Fahrgestellten der Dreissiger- bis Sechzigerjahre war die Nutzungszeit halt deutlich länger als was heute möglich ist, daher erhielt ja auch mancher ausrangierte Käfer ein zweites Leben als Buggy. Und ist damit schützenswert, selbst wenn akribische Aufschriebe und Rechnungen der Umbauten fehlen.
Für einen vernünftigen und sachgerechten Umgang mit dem Begriff “Originalität” sollten sich auch die Oldtimer-Verbände einsetzen, die ja dafür sorgen sollen, dass die alten Autos auch in Zukunft rollen dürfen.

































