Elektrifizierung des Oldtimers - Segen oder Untergang?

Bruno von Rotz
05.05.2014

Jaguar E Type Elektroauto von Windreich

Elektromobilität ist “in” und zeitgemäss, die Autohersteller investieren Millionen in Elektrofahrzeuge, die im Markt nur zögerlich Aufnahme finden. Staaten subventionieren die unter den meisten Betrachtungswinkeln umweltfreundliche Technologie. Da liegt der Gedanke ja nahe, ob nicht auch Oldtimer von dieser Entwicklung profitieren sollen. Oder eher, ob man nicht auch den Sympathieträger “Oldtimer” für die Promotion der Elektromobilität nutzen soll?

RWE Heinkel - Microcar mit Elektroantrieb

Windreich hat also einen E-Type auf Elektromotor umgerüstet, RWE einen Heinkel. Ob das richtig ist und so Sinn macht? Zum “richtigen” Oldtimer gehört halt auch der Duft und das Knattern (im Falle des Heinkel Kabinenrollers) oder das Schnurren (im Falle des E-Types). Richtige Oldtimer sind diese umgerüsteten Fahrzeuge halt nicht mehr.

Dass sich gerade Kabinenroller gut eignen für eine Umrüstung, versteht sich von selbst, denn sie sind klein und leicht und bieten dem Elektromotor damit wenig Fahrtwiderstand.

Detroit Electric 1922

Übrigens gab es in den Anfangszeiten des Automobils ja praktisch gleichberechtigt Benzin-, Dampf- und Elektromobile und letztere hatten den anderen einiges an Bedienungsfreundlichkeit und Alltagstauglichkeit voraus. Ein Detroit Electric fuhr schon in den Zwanzigerjahren über 100 km weit und dies mit einer Geschwindigkeit von über 40 km/h. Erst als die Wagen mit Ottomotoren immer schneller wurden, konnte der Elektroantrieb nicht mehr mithalten.

Wer also heute auf einen Oldtimer mit Elektromotor setzen will, soll doch besser eines dieser frühen Fahrzeuge restaurieren und öffentlich zeigen, statt einem ehrwürdig ergrauten Benzin-Veteranen seinen Motor wegnehmen und ihn modern umrüsten. Da könnte man als Alternative ja auch gleich einen Benzin-Zweizylinder-Turbo-Motor oder einen kleinen Turbodiesel in den E-Type einbauen, um das Sparpotential moderner Technik zu zeigen.

Mazda MX5 mit Elektroantrieb

Uns graut vor einer Zukunft, da Oldtimer nurmehr Hüllen der Vergangenheit sind, in denen moderne Technik arbeitet, um einen möglichst gesetzeskonformen und komfortablen Vorrieb zu ermöglichen.

Dies ist natürlich unsere Meinung, aber was meinen unsere Leser? Um dies zu erfahren, stellen wir diese Woche die Frage: “Sollen Oldtimer auf Elektroantrieb umgerüstet werden?”

Archivierte Einträge:

von da******
06.05.2014 (10:53)
Antworten
Nein, nein, nein und nochmals nein! Oldtimer sind ein historisches Kulturgut und müssen als solches erhalten werden. Ganz einfach. Elektrifizierung von klassischen Autos (egal ob selten oder Volumenmodell) geht in die absolut gleiche Richtung wie eine Umrüstung von echten, originalen Oldtimern auf moderne Technik. Das hat NICHTS aber auch GARNICHTS mehr mit einem Oldtimer zu tun!

Das ist eine Disneyland-Einstellung: Hauptsach die Fassade sieht irgendwie so aus, wie ein Oldtimer, weil die ja grad soooo modisch sind!

Geht es um Youngtimer, wäre ja noch was denkbar, zumal es ab den 70er Jahren mehrere Elektrische Experimentalautos gegeben hat, von denen man einen garnicht so originalitätsfernen Nachbau fertigen könnte.

Man stelle sich vor, man würde einen Detroit Electric oder gar einen Lohner-Porsche einfach aus Praktikabilitätsgründen mit einem (womöglich modernen!) Benzin/Dieselmotor ausrüsten!!! Das ist exakt das gleiche.

Den Umweltfanatikern sage ich immer: Einen Oldtimer fährt man VIELLEICHT mal 1000-2000 km/Jahr. Und es gibt extrem wenige davon. Deren Anteil an der Umweltverschmutzung ist im Millionenstel-Promille-Bereich.

Nein, ich bin kein Fanatiker in der anderen Richtung. Ja, es sind für mich Ausnahmen von dieser Regel denkbar. Ein Beispiel: In Deutschland tauchte kürzlich eine völlig verrostete, ausgebeinte 66er oder 67er VW-Samba-Bus-Karosserie ohne jegliche Technik und ohne Fenster auf dem Internet auf. Vermutlich ein um mehrere Fenster erweiterter Transporter, also so schon nicht original. Da da praktisch keine Technik mehr vorhanden war und die Rettbarkeit dieses Dings in Frage stand, hätte ich an der Stelle gesagt: Warum macht man auf dieser Basis nicht einen Nachbau der elektrischen Samba-Studie von VW (von vor ein paar Jahren)? Es gibt also Fälle, wo es Sinn machen würde und ein spannendes (stromendes?) Experiment wäre.

Die müssen aber die Ausnahme bleiben: Denn wenn originale Substanz UNWIEDERBRINGLICH zerstört wird, um irgendwelche Disney-Fantasie-Gebilde zu bauen, gehen Menschen, die nach originaler Substanz suchen, leer aus. Und die Geschichte wird unumkehrbar zerstört.

UND: Es gibt so viele Oldtimer-artige Nachbauten, die teilweise einem Original sogar sehr ähnlich sehen! Und was es nicht gibt, lässt sich so leicht in GFK abbilden! Warum nimmt man nicht so etwas her, um einen E-Oldtimer zu bauen? Warum keinen Apal/Scheib-"Porsche"-Speedster mit Elektroantrieb oder einen Kunststoff-MG- oder -Bugatti-Bausatz? Da hat man dann auch alle technischen Freiheiten! Und es sieht toll nach modischem Oldtimer aus! Letzteres sollte man sogar propagieren und auch an die Hersteller dieser Nachbauten weiterleiten! Ein völlig neuer und sogar begrüßenswerter Markt!
von Sp******
06.05.2014 (09:32)
Antworten
Bitte nicht! Solche Umrüstungen passen gar nicht und sind absoluter Nonsens.
Diese umgerüsteten Fahrzeuge dürften in "zwischengas" nur als abschreckende Beispiele gezeigt werden.
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