Der ultraschnelle Eigenbau
Früher war manches anders und vieles einfacher. So konnte man sich etwa einen Eigenbau aus Teilen verschiedenster Fahrzeuge zusammenstellen und erhielt damit sogar eine Strassenzulassung, wie mein eigenes Beispiel zeigt.
In ein aus Stahlrohren mit 50 Milimeter Durchmesser zusammengeschweisstes Fahrgestell wurden Ende der Sechzigerjahre die Vorderachse einer BMW Isetta und die hinterachse eines NSU TT eingebaut. Den Motor entnahm ich ebenfalls einem NSU TT, später wurde gar ein Rennmotor mit offenen Auspuff montiert, aber darüber später. Trommelbremsen hinten und vorne wurden über ein Jaguar-Zweikreissystem betätigt. Die vorderen Felgen kamen vom Mini (10 Zoll), die hinteren vom NSU 1000 (12 Zoll). Als Benzintank musste es ein Plastikkanister mit 10 Litern Inhalt tun.
Auf das Fahrgestell kam eine nach eigenen Vorstellungen gestaltete Kunststoffkarosserie in die vorne die Heckscheibe eines Goggomobil eingepasst wurde. Zusätzliche Stabilität gab ein Karosseriegerippe aus dünnen Röhren, auf die eine 0,5 mm dicke Polyesterfolie aufgenietet wurde. Die Übergänge habe ich laminiert.
Zur Erzeugung einer sportlichen Optik und zur Vergrösserung des Abtriebs wurde vorne ein Spoiler aus Polyester konstruiert. Den Kühlergrill am Heck lieferte ein Austin Mini 850, die Schlusslichter ein Simca 1000. Die Scheinwerfer stammten von Austin, die Weitstrahler von Hella. Als Stossstange kam ein Sanitärrohr mit PU-Isolation zum Einsatz. Das “Armaturenbrett” wurde aus 1,5 mm dickem Alublech gefertigt, Instrumente von VDO eingepasst.
Das Ergebnis war atemberaubend. Rund 390 kg war die Fuhre schwer, die Spitzengeschwindigkeit betrug an die 200 km/h. Der Benzinverbrauch pendelte sich bei sieben bis neun Litern ein, so dass alle 130 bis 150 km getankt werden musste, längere Etappen wären auch wegen der nötigen Konzentration am Lenkrad nicht sinnvoll gewesen.
Wer nun glaubt, der Wagen sei nur auf Kurzstrecken und für schnelle Passfahrten eingesetzt worden, der irrt. Für ein Jahr diente die Eigenkonstruktion als Alltagsauto in Genf.
Auch Langstrecken wurden in Angriff genommen, die letzte via italienischer Autobahn nach Jugoslawien, wo der Wagen dann in der Nähe des Flughafens abgestellt wurde. Diesem weisen Entschluss habe ich wohl ein längeres Leben zu verdanken.
Man stelle sich einmal vor, dass der leichte Zweisitzer mit knapp 100 PS aus dem Rennmotor ein Leistungsgewicht hatte, das weder damaligen Sportwagen von Ferrari, Alfa Romeo noch Porsche eine Chance liess. Zwar dämpfte ab 100 km/h der Luftwiderstand die schnelle Beschleunigung, aber unter 100 km/h konnte höchstens ein Motorrad dem Eigenbau gefährlich werden.

































