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So erlebte ein Amateur-Rennfahrer die 24 Stunden von Spa im Jahre 1948

Bruno von Rotz / Hardy Fortmann - 29.10.2011

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MG von Fortmann-Anner beim 24-Stunden-Rennen von Spa im Jahre 1948

Gefunden in einer Ausgabe der Automobil Revue 1948, beeindruckte mich dieser Bericht eines unentwegten Berner Rennfahrers, der zusammen mit einem Beifahrer im Jahre 1948 die 24 Stunden von Spa auf einem offenen MG (TC? Kompressor?) bestritt.
Die beiden Teilnehmer hiessen Fortmann und Anner und sie waren damals die einzigen Schweizer an diesem international besetzten Rennen in Belgien. Bis knapp vor Schluss rangierten sie auf dem vierten Platz in ihrer Gruppe, doch ein Kupplungsmalheur liess sich noch auf den sechsten Platz zurückfallen.

Doch lassen wir den Rennfahrer Hardy Fortmann selber “sprechen” und aufzeigen, wie sehr sich der Rennsport von damals mit dem von heute unterscheidet!

“Es war mein erstes Langstreckenrennen, wird aber bestimmt nicht mein letztes sein, so sehr hat mir die Sache gefallen und mich in ihren Bann gezogen. Sportlich gesehen schätze ich diese Art von Rennen ungleich höher ein als alles, was ich bisher gefahren habe. Schade nur, dass nicht mehr Schweizer dabei mittaten. Denn was diese 24 Stunden, eine Angelegenheit, die dem richtiggehenden Sportfahrer sozusagen auf den Leib zugeschnitten ist, was sie an Erlebnissen und Eindrücken vermitteln, das bleibt unauslöschlich, in jeder Einzelheit in der Erinnerung haften. Was tat's schon, dass wir uns nachher vor Müdigkeit kaum mehr aufrecht halten konnten? Ein Rennen dieser Sorte verlangt nicht nur physische Widerstandskraft, es braucht auch Nerven dazu. Nicht ein jeder hatte sich, wie wir mit eigenen Augen sahen, soweit in der Gewalt, dass er sie beisammenhielt.

Die Belgier bereiteten uns einen sehr herzlichen Empfang, und auch während des Rennens selbst bekundeten uns die Zuschauer immer wieder ihre Sympathie, nicht zuletzt vielleicht auch deshalb, weil wir uns selbst behalfen und selbst schafften und schufteten, dieweil andere das den Mechanikern überliessen. Als einziger Helfer an unserer Boxe wirkte nämlich meine Frau; treu und tapfer harrte sie während 24 Stunden — und noch ein Stück darüber hinaus — auf ihrem schweren Posten aus, sie beschaffte uns die Zeiten der andern', sie bereitete Kaffee, sorgte für unsere Verpflegung und machte die 'Lagerstätte' bereit, auf der wir uns während der Ablösungen etwas ausruhten. Denn von Schlafen war selbstverständlich keine Rede.

Vier Stunden vor Schluss kam mein Mitfahrer Anner an die Boxe: Oel in der Kupplung. Wir fingen an, zu bauen und versuchten, des Übels durch Hineingiessen von Benzin Herr zu werden. Umsonst, nach einer Runde musste ich wieder anhalten. Abermals Kupplung öffnen und Benzin hinein, dann schob Anner los. Und siehe, jetzt tat sie ihren Dienst wieder, so dass Anner bis zum Schluss seine Runden drehen konnte.

Natürlich hatten wir uns einen Plan zurechtgelegt und eine bestimmte Rundenzeit ausgeheckt, die wir während der ganzen Renndauer mit geringen Abweichungen nach oben und unten einhalten wollten, je nach Tageszeit. Und natürlich wurde der Wagen nie voll ausgefahren. Wer gegen diese elementare Regel sündigte — und es gab welche, die sich darüber hinwegsetzten — der büsste dafür mit dem Ausscheiden.

Überhaupt wurde in den ersten Stunden, trotz des scheusslichen Wetters mit Regen und einem Nebel, der etwa drei Kilometer der Strecke auch bei Tage in Nacht verwandelte, von den 'Grossen' ein Höllentempo vorgelegt, als gelte es ein Rennen über bloss eine oder zwei Stunden. Kann es da noch verwundern, wenn sich die Ausfälle, fast durchwegs verursacht durch Unfälle, in fast ununterbrochener Serie aneinanderreihten? Beim Tagesgrauen am Sonntagmorgen boten die am Strassenrand liegenden «Wagenleichen» denn auch einen etwas sonderbaren, ungemütlichen Anblick. Auch der tödlich verlaufene Unfall des Engländers Stallebrass, der, wie es heisst, sein erstes Rennen fuhr, ist übersetzter Geschwindigkeit in der Kurve zuzuschreiben. Fünfmal überschlug sich dabei sein Wagen in der Fahrrichtung, also nach vorn. Im übrigen verdient das fair play, die vorbildliche sportliche Haltung der Engländer, die sich immer wieder manifestierte, besondere Erwähnung. Staunen erregte die minutiöse Vorbereitung der HRG-Mannschaft, deren drei Wagen, mit Sende- und Empfangsgeräten ausgerüstet, nicht nur unter sich, sondern selbstredend auch mit der Boxe ständig in Verbindung standen. Neben ernsteren Dingen unterhielten sie dabei auch mit ...Witzen. Na ja, warum denn nicht? Das erhält wach!

Und die Organisation? Man hätte sie sich, in einzelnen Punkten wenigstens, noch etwas besser wünschen können. Am Tage funktionierte der Streckendienst gut, während der Nachtstunden aber wurden die havarierten Wagen, die teilweise noch in die Fahrbahn hineinragten, nicht mit Lichtern markiert, was mir beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Beim Fahren in Nacht und Nebel versuchte, beiläufig bemerkt, ein jeder, sich einem andern anzuhängen, um sich besser in der Dunkelheit zurechtfinden zu können.

Alles in allem: ein sportlich grossartiges Erlebnis, das in mir spontan den Entschluss geweckt hat, bei noch mehr solchen Langstreckenrennen mitzutun.”

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