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Die Kunst des Bremsens und die helfende Technik

Bruno von Rotz - 22.01.2011

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Bremsen sind in der aktuellen Fahrzeugliteratur kaum mehr ein Diskussionspunkt und auch in Fahrtrainings und Antischleuderkursen ist der einzige Schwachpunkt bei modernen Fahrzeugen der Fahrer, der aus irgendwelchen Gründen nicht genügend stark auf das Pedal drückt und damit Bremsleistung vergibt. Jeder moderne Autofahrer kann ein zeitgenössisches Auto in weniger als 40 Metern aus Geschwindigkeit 100 km/h zum Stehen bringen, wenn die Strasse trocken ist und Sommerreifen aufgezogen sind. Das Fahrzeug übernimmt den grössten Teil der Optimierung.

Vollbremsung mit einem Monteverdi high speed 375 S

Das war früher anders. Eine ganze Reihe von Innovationen, Erfindungen und technischen Verfeinerungen haben uns zum brems-sicheren Fahrzeug gebracht. Zählen wir mal ein paar davon auf:

Das ABS, das Anti-Blockier-System, ist wohl eine der wichtigsten technischen Errungenschaften, die in den 80er-Jahren zögerlich in teure Fahrzeuge eingebaut wurde, heute aber zum Standard gehört. Das ABS verhindert ein Blockieren der Räder und stellt insbesondere die Lenkfähigkeit bei Vollbremsmanövern sicher. Während der Bremsweg bei tieferen Geschwindigkeiten auch mit blockierten Rädern kurz sein kann, verlängert er sich ab Startgeschwindigkeit 40 oder 60 km/h stark, wenn die Räder stillstehen. Daher hilft das ABS auch bei einem geradlinigen Bremsmanöver. Insbesondere verhindert es aber auch ein Schleudern des Fahrzeugs und macht damit natürlich die Bremsung viel sicherer.

Vollbremsung ohne ABS

Viel viel früher kam man aber schon auf die Idee, dass es eine gute Sache sein könnte, alle vier Räder zu bremsen. Am Anfang waren viele Fahrzeuge nämlich nur an einer Achse und zwar üblicherweise der Hinterachse gebremst. Dass auf diese Weise auf den damals schlechten Strassen keine optimal kurzen Anhaltestrecken möglich waren, versteht sich von selber. Dazu kommt noch, dass die Hinterachse beim Bremsen im Vergleich zur Vorderachse nur einen geringen Teil beitragen kann, dass weiss jeder der Velo oder Motorrad fährt und entsprechend selber entscheiden kann, wie er bremsen möchte. Vor dem Krieg war es auf jeden Fall erwähnenswert, wenn ein Auto Vierradbremse hatte.

Jaguar führte in den Fünfzigerjahren in Le Mans die Scheibenbremse ein und holte sich damit einen grossen Vorteil, der allerdings nicht nur in der reinen Bremsleistung lag, sondern auch in Bedienbarkeit und Haltbarkeit. Mancher Autobauer begann damit, die neuen Bremsen zuerst vorne, dann später erst auch hinten einzubauen.

Servounterstützung macht das Bremsen leichter, nicht unbedingt besser. Doch mancher Autofahrer wäre heute wohl kaum mehr in der Lage oder willens, einen so starken Tritt auf das Bremspedal zu setzen, wie für eine Vollbremsung ohne Servounterstützung nötig wäre. Moderne Autos gehen noch einen Schritt weiter, die Fahrzeugelektronik analysiert die Tätigkeit des Fahrers und leitet daraus ab, ob eine Vollbremsung nötig ist und verstärkt den Bremsdruck dann überproportional. Zudem stellen moderne Bremssysteme autonom sicher, dass auch bei Nässe ohne Verzögerung gebremst werden kann, indem der Wasserfilm durch leichtes Ansetzen der Bremsblöcke auf die Scheibe immer wieder beseitigt wird.

Ein wichtiger Fortschritt ist aber auch die Verbesserung der Fahrwerke. Wenn Autos vorne stark eintauchen, entlasten sie die Hinterräder und vergeben Bremsleistung. Anti-Dive-Einrichtungen und ähnliche Konzepte helfen, den Wagen stabil und bremsbarer zu machen.

Einen grossen Anteil an der Verkürzung der Bremswege haben aber vor allem die Reifen. Dank besserer Gummimischungen, grösseren Auflageflächen und optimierten Profilen tragen sie wohl neben ABS und Vierradbremse am meisten zum heute bis auf 30 m verkürzten Bremsweg von 100 km/h auf 0 bei.

Wenn man jetzt also all diese Innovationen und Entwicklungen wegdenkt, kann man sich vorstellen, was für ein Abenteuer es gewesen sein muss, in den 20er-Jahren einen damals bereits über 100 km/h schnellen Wagen schnell zum Stillstand zu bringen! Viel Kraft und Geschick war nötig, wollte man nicht die Strasse verlassen oder das eventuelle Hindernis rammen. Aber auch in den 60er-Jahren lagen zwischen dem Könner und dem Anfänger viele viele Meter Bremsstrecke, wenn ein hartes Anhalten gefordert war. Stotterbremse, intermittierendes Bremsen, ein gesundes Sensorium im Hintern und viel Voraussicht halfen, Unfälle zu vermeiden und schnelle Runden auf Rennstrecken zu fahren.

Übrigens, den heutigen 30-40 Meter für das Bremsmanöver von 100 km/h auf 0 km/h kann man bei einem Auto aus den 60er-Jahren 45-60 Meter gegenüberstellen, die sich bis zu 120 oder 150 Meter verlängern können, wenn man  Autos aus den 20er- und 30-er-Jahren beizieht. Wenn das moderne Auto steht, kann ein gleichzeitig voll bremsendes altes Auto also noch mit 40 oder 60 km/h fahren und hat damit bei kurzem Abstand zum Vordermann keine Chance, den Crash zu vermeiden. Deshalb ist es auch so wichtig, dass Oldtimer-Fahrer sehr vorausschauend und aufmerksam hinter dem Steuer sitzen.

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