Very british – Reliant Scimitar GTE SE5 (1969)
Mein Name ist Rolf Binnemann, Jahrgang 1949. Ich wohne in der Nähe von Bremen, bin verheiratet, habe zwei Kinder und zwei Enkel.
Nach einem einschneidenden Erlebnis beschloss ich, mir einen Oldtimer zu kaufen. In einer Anzeige stieß ich auf einen Händler in Flensburg, der einen Lloyd Alexander TS Kombi anbot. Ich meldete mich zur Besichtigung an. Zusammen mit dem Händler fuhr ich aufs Land – zu einer Gerätescheune, in der mindestens 30 bis 35 abgedeckte Oldtimer standen. Zuerst sahen wir uns den Lloyd an. Die Substanz war in Ordnung, aber ich suchte ein fahrbereites, intaktes Fahrzeug, bei dem nur kleinere Reparaturen anfallen würden.
Nachdem wir unter alle Planen geschaut hatten, entdeckte ich ganz in der hintersten Ecke ein Auto, dessen Silhouette ich nicht erkannte – Capri? Jensen? Als die Plane herunterkam, stand ich vor einem Fahrzeug, das mich so beeindruckte, dass mir die Worte fehlten. Dunkelblaue GFK-Karosse, beiges Lederinterieur, silberne Speichenfelgen, rote Koni-Stoßdämpfer, Nardi-Holzlenkrad. Ein wunderschönes Holzarmaturenbrett mit vielen Instrumenten.
Mit diesen Eindrücken, die völlig anders waren als beim Lloyd, fuhr ich erstmal nach Hause. Den Händler bat ich, mir Bilder vom Unterboden zu schicken.
Die Fotos kamen schnell. Der Oldtimer war 1978/79 von England nach Schweden verkauft worden. Die Schweden hatten beim Reliant Scimitar GTE SE5 (Baujahr 1969) ganze Arbeit geleistet: Sie hoben die Karosserie vom Stahlrahmen ab und restaurierten alles. Der X-Stahlrahmen wurde grundiert, das Lenkrad von rechts nach links versetzt – damals gab es passende Umbausätze. Der Motor – ein Ford-Essex-V6 mit 3,0 Liter hubraum – wurde getunt: Fächerkrümmer, 40er Webervergaser, große Volvo-Ventile, bearbeiteter Ansaugtrakt, größere Düsen, rote Koni-Dämpfer.
2006 oder 2007 kam der Scimitar nach Flensburg und stand bis 2009 in der Scheune. Der Händler wollte eigentlich selbst mit dem Auto an Oldtimer-Rallyes teilnehmen.
Nach einem weiteren Besuch durfte ich eine Probefahrt durch Flensburg machen. Der Klang durch das 2-Wege-Abgassystem und den Fächerkrümmer war beeindruckend. Das Auto hatte ein tolles Ansprechverhalten, das Fahrwerk war hart – dank der roten Koni-Dämpfer fuhr es sich fast wie ein Gokart. Beim nächsten Termin ging es um den Preis und die Konditionen. Im Angebot enthalten waren die Erstzulassung in Deutschland, ein H-Kennzeichen, eine Inspektion und die fahrbereite Auslieferung. Das alles geschah im Herbst 2009, angemeldet wurde der Wagen im Januar 2010.
Der Händler war ehrlich, korrekt und zuverlässig. Ich konnte direkt losfahren – der Wagen war in einem guten Zustand (2-3).
2011 bemerkte ich einen erhöhten Ölverbrauch, etwa 2,0 Liter auf 100 km. Erst liess ich die Ventilschaftkappen tauschen, leider ohne Erfolg. Also plante ich eine Motorüberholung. Ich mietete mir eine Garagenscheune – genug Platz, um 2014 den Motor auszubauen, zu zerlegen und alle Verschleißteile zu ersetzen. Sogar der Zylinderblock wurde gehont und größere Kolben kamen hinein.
Im Laufe der Zeit habe ich viele Arbeiten zur Verbesserung der Zuverlässigkeit durchgeführt. Von 2016 bis 2020 habe ich jährlich an einer Rundstrecken-Gleichmäßigkeitsfahrt teilgenommen. Um gleichbleibende Rundenzeiten zu erzielen, muss man zügig fahren – das hat großen Spaß gemacht. Auch bei diversen Oldtimertreffen und -veranstaltungen war ich jedes Jahr dabei.
Am 11. Oktober 2021 wurde der Scimitar zum Lackierer nach Aachen transportiert. Eine neue Lackierung war nötig – hohe Temperaturen bei Veranstaltungen hatten der GFK-Karosse zugesetzt, es bildeten sich Risse und Abplatzungen. Die Oberfläche war nicht mehr H-Kennzeichen-würdig.
Die Lackierer sollten den kompletten Spachtel- und Lackaufbau bis aufs GFK abschleifen. Ich wollte die GFK-Oberfläche prüfen – zum Glück gab es keine größeren Schäden, sodass der Neuaufbau starten konnte. Den Prozess dokumentierte ich mit Fotos und Text.
Im Mai 2022 waren die Lackierarbeiten fertig. Danach folgten noch der Einbau der Frontscheibe und der Anbauteile, die ich vorher selbst demontiert hatte.
Zur Verbesserung der Sicherheit habe ich noch zwei RECARO- Sportsitze aus dem Jahr 1971 eingebaut. Vor der Lackierung hatte ich Fragen zur „H“-Abnahme beim TÜV. Diese wurde dann ohne Beanstandungen von der lokalen GTÜ durchgeführt.
Fazit: Wer einen englischen Oldtimer besitzt, erlebt viel und lernt ständig dazu. Die Pflege und Erhaltung eines solchen Fahrzeugs ist lehrreich und erweitert das Wissen über GFK-Karosserien und englische Technik.
| Modell: | Scimitar GTE SE5 |
| Motorisierung: | Ford V6 “Essex” |
| Hubraum: | 3 Liter |
| Leistung: | 130 PS |
| Bauzeit: | 1968–72 |
| Exemplare: | 4311 |


























