Warum fühlen sich alte Autos nicht wie neu an?

Bruno von Rotz
18.11.2020

Peugeot 205 GTI von 1991 (© Bruno von Rotz)

Ist es Ihnen auch schon so ergangen? Sie erhielten die Gelegenheit, ein Auto, das sie vor vielen, vielen Jahren als Neuwagen oder fast neuen Gebrauchten fuhren, erneut zu pilotieren. Und obwohl der Wagen in durchaus präsentablem Zustand bereitstand, fühlte es sich nicht so gut an, wie Sie es in Erinnerung haben?

Peugeot 205 GTI von 1987 als Neuwagen (© Bruno von Rotz)

Nun, neben unseren gestiegenen Massstäben kann dies auch physikalische Gründe haben. Die Werkstoffe in einem Auto altern. Gummi etwa wird härter, hydraulische Elemente reagieren nicht mehr so feinfühlig wie einst, Metalle nutzen sich ab, usw. Nur schon die Sitze sind nach 30 oder 40 Jahren natürlich nicht mehr so stützend und dämpfend, wie sie es damals waren. Da und dort fasten Verbindungen nicht mehr so fest ein, wie sie es beim Neuwagen taten.

All dies zusammengenommen bewirken eine Veränderung im Fahrgefühl. Natürlich kann man trotzdem Freude haben am einstigen Prunkstück, vielleicht muss es ja gar nicht mehr so gut sein wie damals, schliesslich schwingt nun auch Nostalgie mit und lässt uns toleranter urteilen.

Interessant wird es, wenn man ein nach Neuwagenmassstäben restauriertes Auto fahren kann, dann müssten diese beschriebenen Abnutzungserscheinungen eigentlich beseitigt sein. Und so ist es auch, aber trotzdem mögen wir Autos mit Patina und den Spuren eines langen Lebens eben manchmal doch mehr als einen perfekt erneuerten Klassiker mit tonnenweise Neuteilen.

Aber ich bin überzeugt, unsere Leser können gerade zu diesem Thema einiges sagen und ich freue mich darauf, Ihre Kommentare zu lesen!

von gr******
18.11.2020 (12:17)
Antworten
Ich habe 1979 einen neuen Mazda 626 gekauft. Als Alltagsauto bin ich dieses Modell 14 Jahre gefahren, bis der Rost das Ende bedeutete. Vor 3 Jahren konnte ich dasselbe Modell aus der Sammlung Macchi erwerben. Originaler Kilometerstand 5900! Autofahren in Reinkultur ohne elektronische Helfer. Am meisten Elektronik ist in der Digitaluhr. Ausser den nicht vorhandenen rechten Aussenspiegel vermisse ich an diesem Auto nichts. Kein ABS, kein ESP, keine Klimaanlage, fahren wie damals in der Fahrschule gelernt
von xj******
18.11.2020 (13:41)
Antworten
Keine Frage, das ist exakt so.

Aus meiner Sicht hat das mit der Gewöhnung an die moderneren Fahrzeugen, die anschließend gefahren werden, zu tun. Jahre später wieder zurück in "der alten Welt" fragt man sich schon, wieso man damals und somit ursprünglich das Fahrverhalten und generelle Feeling so anders beurteilt hat wie jetzt.

Da ich permanent zwischen den Welten Alt und Neu wechsle, zudem teilweise vollkommen unterschiedliche "alte" Charaktäre bewege, fällt mir das jedoch nicht mehr so stark auf. Jeder Wechsel ist mit einem erfrischenden "sich darauf Einlassen" verbunden. Ein sehr schönes Privileg wie ich finde.
von st******
18.11.2020 (15:52)
Antworten
Nach dem ich genau so einen Peugeot 205 GTI mein Eigen nenne (rote Lackierung) und ich diesen Wagen derzeit von Grund auf restauriere, bin ich sehr gespannt, ob nach der Restaurierung sich ein "Neuwagenfeeling" einstellen wird. Ich befürchte eher nicht. Neu ist eben neu und kann eigentlich nicht reproduziert werden. Außer wenn die Montagebänder in den Fabriken wieder zu laufen beginnen.
von is******
18.11.2020 (19:56)
Antworten
Man gewöhnt sich sehr schnell an ein 60 er Jahre Auto, fahre oft wenn es trocken ist eine ganze Woche zur Arbeit mit der Fulvia Berlina... es wird zur Normalität.. und dann steigt man in ein modernes Auto und alles wirkt so weich, so isoliert..fast unglaublich der Fortschritt.
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