Baut uns den Oldtimer von morgen!

Bruno von Rotz
23.04.2019

Chassis des Morgan Six am Genfer Autosalon 2019

Moderne Autos werden immer komplexer, die verwendeten Materialien exotischer und der Computer samt Software omnipräsenter. Kein Wunder, glauben viele Leute, darunter auch Experten und Ingenieure, nicht mehr daran, dass die Autos von heute auch noch in 30 oder 50 Jahren gewartet und am Laufen gehalten werden können. Es wird sogar gemunkelt, dass manche Teile im Auto “Ablaufdaten” aufweisen und eine gewisse Zeitspanne gar nicht überleben werden.

Wie aber müsste ein Auto von heute aussehen, das man auch in 30 oder 50 Jahren noch fahren und am Leben halten kann?

Erstens müsste es wohl so konstruiert sein, dass es auch morgen noch ohne Roboter-Infrastruktur repariert werden kann. Materialien und Formen müssten so beschaffen sein, dass man sie nachproduzieren kann. Computer-Prozessoren und Schaltkreise müssten offen konzipiert werden und möglichst auf Standard-Technologien basieren. Die Software selber müsste “open source” (der Quellcode also offen) sein, so dass sie später auf zu dem Zeitpunkt verfügbare Hardware übertragen werden kann. Bus-Systeme müssten ebenfalls offen und transparent sein.

Auch die technischen Komponenten, z.B. Bremsen und Aufhängungsteile, sollten möglichst einfach konstruiert sein und idealerweise auch in Grossserienfahrzeugen Verwendung finden, damit der Ersatzteilnachschub gesichert ist.

Und, baut jemand derartige Autos heute? Teilweise vielleicht schon. Morgan, Caterham oder Lotus müssen schon aus ökonomischen Gründen derartige Wege gehen, aber sie sind auch von den heutigen Zulieferern und Grossserienautoherstellern abhängig. Und müssen Normen einhalten, die teilweise zu komplexer Bauweise führen.

Aber vielleicht wäre das “Open Source”-Auto durchaus marktfähig und es gäbe genug Leute, die an einem auf lange Lebensdauer ausgelegten Automobil Interesse hätten …

Archivierte Einträge:

von UK******
02.05.2019 (20:15)
Antworten
Der Artikel spricht mir aus der Seele. Nicht nur die lange technische und wirtschaftliche Erhaltung, verbunden mit ökologischen Gesichtspunkten, ist für mich ein Thema. Auch das für mich deutlich entspanntere Fahren ohne "Geblinke und Geklingel" moderner Autos ist ein Argument. Immer mehr der modernen Helfer verursachen unnötigen Stress und wenn ich darauf angewiesen bin, werde ich ernsthaft überlegen, ob ich noch Auto fahre.
Es gibt also viele Aspekte, die dafür sprechen, den Artikel einmal weiter zu denken.
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