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SCW19

Der tausendste Formel-1-Grand Prix

Daniel Reinhard - 13.04.2019

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An diesem Wochenende ist es soweit, der 1000. Grand Prix der Formel 1 findet statt. Das bedeutende Jubiläum strahlt aber deutlich weniger, als man dies eigentlich erwarten würde. Niemand, aber auch rein gar niemand, wünschte sich dieses Jubiläum ausgerechnet in China, wo der Motorsport mal überhaupt keine Tradition hat.

Zudem bekam Liberty Media seitens China keinerlei vereinfachte Einfuhrbestimmungen für all die historischen Rennwagen, die man gerne an diesem Wochenende gezeigt hätte.

Nun gut, zum Glück feiert nächstes Jahr Silverstone sein 70-jähriges Bestehen und da wird dann etwas wirklich ganz Grosses geplant. Dort könnte der historische Teil dem aktuellen Grand-Prix sogar den Rang ablaufen. An Zuschauern wird es in Silverstone auch bestimmt nicht fehlen. Aber egal, es ist jetzt so wie es ist.

1000 Grand Prix - Ferrari über die Zeit (© Daniel Reinhard)

Wussten Sie, dass es nur ein einziges Team gibt, welches ab der ersten Grand-Prix-Saison dabei war und nun auch heute zum 1000. Rennen in China starten wird? Dieses Team heisst Ferrari . Die Italiener bestreiten allerdings trotzdem nicht ihren 1000. Grand Prix, denn sie haben nicht an sämtlichen Läufen teilgenommen. Ferrari bestreitet an diesem Wochenende seinen 973. F1-GP seit 1950.

Wieso fehlen da 27 Rennen? Als erstes starteten sie nur bei einem einzigen von insgesamt elf Indy-Rennen, welche vor vielen Jahrzehnten auch noch zur F1-WM zählte, um eine “Welt".meisterschaft für die FIA zu rechtfertigen. Einzig Alberto Ascari stand offiziell 1952 mit dem Ferrari im Nudeltopf am Start, schied aber in der 41. Runde durch einen Unfall aus.

Jetzt fehlen immer noch einige Rennen. Diese Lücken entstanden, weil Enzo Ferrari öfter mal beleidigt war und daher zum Beispiel 1976 den GP Österreich boykottierte. Dann musste er einige Male seine Autos  infolge Metallarbeiter-Streiks zu Hause lassen, oder aber es fehlte an Geld. So sparte er 1961 die Reise zum GP der USA, da Phil Hill nach dem Trips-Unfall in Monza sowieso schon als Weltmeister feststand.

Trotzdem ist die Leistung der Italiener bemerkenswert, wenn man das mit anderen grossen Marken vergleicht. Alfa Romeo zum Beispiel stoppte 1951 nach dem WM-Titel, kam 1979 bis 1985 zurück und begann in diesem Jahr von Neuem. Mercedes-Benz zog sich 1955 zurück und stand erst 2010 wieder offiziell am Start. Dann verschwanden einige ganz grosse Marken wie zum Beispiel Lotus, Tyrrell oder Brabham.

Die Italiener sind überhaupt starke Rekordhalter in der F1-Geschichte: So waren sie auch mit 96 Rennen die häufigsten Gastgeber eines F1-Rennens, gefolgt von Deutschland mit 77 Rennen.

Die absolute Top-Leistung eines Italieners aber gehört Andrea de Cesaris, dem ex-Sauber Fahrer. Er startete insgesamt zu 208 Rennen und kam dabei 150 Mal nicht ins Ziel. Meist schied er sogar durch einen Unfall aus und kam so zu seinem Spitznamen: Andrea de Crasheris!

Die meiste Geduld von einem Sieg zum nächsten brauchte Riccardo Patrese: Er gewann den GP Südafrika 1983 und dann erst 2402 Tage und 99  Rennen später wieder den GP San Marino 1990.

Auch die einzige Frau mit einem, wenn auch nur halben WM-Punkt, stammte aus Italien. Es war Lella Lombardi die beim GP Spanien 1975 mit dem March an sechster Stelle lag, als das Rennen infolge des schweren Unfalles von Rolf Stommelen vorzeitig abgebrochen wurde. Daher wurde nur die halbe Punktzahl vergeben, der sechste Platz ging an Lella Lombardi.

Vettel auf dem 2019er Ferrari Formel 1 (© Daniel Reinhard)

Jetzt lassen wir uns doch überraschen, ob Ferrari heute den 1000. und damit auch das Jubiläumsrennen gewinnen kann. Wir wünschen Sebastian und Charles dazu viel Glück.

Neueste Kommentare

 
 
za******:
13.04.2019 (19:23)
Irrtum 1:
"Wussten Sie, dass es nur ein einziges Team gibt, welches vom ersten Grand-Prix an dabei war und nun auch heute zum 1000. Rennen in China starten wird?".
Ferrari nahm am ersten F1-GP (Silverstone, 13.05.1950) n i c h t teil, weil Enzo Ferrari sich den starken Alfa Romeo Tipo 158 nicht gewachsen fühlte und beschloss, dass Ferrari GP-Debut erst eine Woche später, zum Monaco-GP, zu geben. Ascari erzielte dort auf Ferrari 125-C-01 den zweiten Platz, mit einer Runde Rückstand auf Rennsieger Fangio (Alfa 158).
Irrtum 2:
..."weil Enzo Ferrari öfter mal beleidigt war und daher zum Beispiel 1976 den GP Österreich boykottierte.".
Nach Niki Laudas tragischem Feuerunfall im Nürburgring-GP (01.08.1976), zog Enzo Ferrari die Scuderia (am dritten Tag nach dem Unfall) von der F1-WM zurück - einzig aus Respekt- und Pietätsgründen gegenüber Lauda! Erst als eindeutig klar war, dass Lauda überleben würde, revidierte Enzo Ferrari diese Entscheidung und die Scuderia trat in Zandvoort wieder an.
Irrtum 3:
"So sparte er 1961 die Reise zum GP der USA, da Phil Hill nach dem Trips-Unfall in Monza sowieso schon als Weltmeister feststand.".
Nach der Katastrophe von Monza wurde Clark von der italienischen Justiz wegen Totschlags(!) angeklagt. Völlig haltlos: die Justiz wollte sich in Szene setzen und in diesem Zusammenhang, weil Italiens "Volksliebling" Trips in einem Ferrari-Rennwagen starb, begann die italienische Presse (und sogar der Vatikan) eine perfide Kampagne gegen Enzo Ferrari (den "Mörder!") zu fahren. Ferrari war gekränkt, fühlte sich von seinen Landsleuten (und vom Vatikan) enttäuscht und diesmal war er tatsächlich so "beleidigt", dass er "abtauchte" und den USA-GP ausließ. Am Geld hat es ganz sicher nicht gelegen!
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